Fall Jonny K. : Attacke am Alex: Verdächtiger wieder in Haft

29.10.2012 18:31 Uhrvon , und
Am Tatort: Ein Bild von Jonny K. erinnert am Alexanderplatz an den 20-Jährigen. Foto: Timur Emek/dapd
Am Tatort: Ein Bild von Jonny K. erinnert am Alexanderplatz an den 20-Jährigen. - Foto: Timur Emek/dapd

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat erfolgreich gegen die Freilassung eines 21-jährigen Verdächtigen protestiert, der sich nun wieder in U-Haft befindet. Derweil kündigte der in die Türkei geflohene Hauptverdächtige an, sich den deutschen Behörden stellen zu wollen.

Die tödliche Prügelattacke vom Berliner Alexanderplatz könnte an diesem Dienstag bei zwei deutsch-türkischen Staatsbesuchen Thema sein. Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Wegner erwartet, dass der Fall bei dem Besuch von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Berlin besprochen wird. Erdogan will unter anderem die neue türkische Botschaft in Tiergarten eröffnen. Aus Ankara hieß es, Justizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger (FDP) könnte das Thema bei ihrem heute beginnenden Besuch in der Türkei ebenfalls ansprechen.

Ein Tatverdächtiger der tödlichen Prügelattacke vom Alexanderplatz, den die Polizei nach seiner Festnahme wieder freigelassen hatte, befindet sich erneut in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft legte erfolgreich Beschwerde gegen die Freilassung des 21-jährigen Melih Y. durch das Amtsgericht Tiergarten ein, wie ein Sprecher der Ermittlungsbehörde mitteilte. Y. habe sich bereits mit seinem Anwalt zum Antritt der Untersuchungshaft gemeldet. Bezüglich des ebenfalls beschuldigten Memet E., der einen Begleiter von Jonny K. attackiert haben soll, verzichtete die Staatsanwaltschaft wegen geringer Erfolgschancen auf eine Beschwerde. Wegen des Falls saß bislang bereits ein 19-Jähriger in Haft.

Der mutmaßliche Haupttäter, der den 20-jährigen Jonny K. am Alexanderplatz vor zwei Wochen zu Tode geschlagen und getreten haben soll, hat angekündigt, aus der Türkei wieder zurück nach Deutschland zu kommen und sich den Tatvorwürfen stellen zu wollen. Dies sagte er laut „Bild“-Zeitung einem Reporter des Blattes, der den 19-Jährigen am Wochenende in Izmir offenbar aufgespürt hat. Onur U. wird als mutmaßlicher Hauptbeschuldigter mit Haftbefehl von den deutschen Behörden gesucht. Kurz nach der Tat am 14. Oktober ist der Amateurboxer, der die deutsche und die türkische Staatsangehörigkeit hat, jedoch in die Türkei gereist. In dem Zeitungsinterview behauptet U., nicht auf den am Boden liegenden Jonny K. eingetreten zu haben. In die Türkei sei er nur geflogen, um seinen Vater bei einem geschäftlichen Termin zu begleiten. Er kehre nächste Woche nach Deutschland zurück.

In Berlin wurden seine Äußerungen mit Empörung aufgenommen. „Ich erwarte, dass die türkischen Behörden den mutmaßlichen Täter umgehend festsetzen“, sagte der Bundestagsabgeordnete und Berliner CDU-Generalsekretär Kai Wegner dem Tagesspiegel. „Es ist unerträglich, dass ein Mensch, der bei uns wegen Mordes gesucht wird, gemütlich in türkischen Straßencafés herumsitzt.“ Er fordert, „dass der mutmaßliche Täter schnell nach Deutschland überführt wird, damit er hier seine gerechte Strafe erfährt“. Sollte dies nicht möglich sein, „muss ihm zumindest in der Türkei der Prozess gemacht werden.“ Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Benedikt Lux, bezeichnete es als eine „Frechheit“, dass Onur U. den deutschen Behörden „auf der Nase herumtanzt“.

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