Berlin : Fall Landowsky: Die Zeit der zweiten Reihe

Frank Steffel

34 Jahre alt, erfolgreicher Jungunternehmer. Er vertreibt Raumausstattung en gros und ist geschäftlich viel unterwegs. Aber seit fünf Tagen, seitdem die Landowsky-Spende publik wurde, ist Steffel völlig abgetaucht, und manche Parteifreunde wunderten sich, dass der stellvertretende CDU-Fraktions- und Landesvorsitzende nicht einmal an der Krisensitzung der Parteigremien am Montag teilnahm.

Das böse Gerücht, das gezielt kolportiert wurde, Steffel hätte Landowskys Wahlkampfspende öffentlich gemacht, entspricht aber nicht den Tatsachen. "Eine Unverschämtheit". Viel mehr will er nicht sagen. "Das ist die Killernummer, die von ein, zwei sogenannten Parteifreunden gefahren wird." Wie viele andere in der Berliner CDU steht er ziemlich fassungslos vor dem Scherbenhaufen der jüngsten Spendenaffäre.

Steffel war, jedenfalls bis vor kurzem, der heiße Favorit des CDU-Landesvorsitzenden und Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen für das Amt des CDU-Fraktionschefs. Selbstverständlich erst, wenn Landowsky die Fraktionsführung aufgegeben hat. Der Wechsel soll frühestens bei den nächsten Fraktionsvorstandswahlen im Frühjahr 2002 erfolgen. Vielleicht sogar erst 2004. Wenn Landowsky die nächsten Wochen heil übersteht.

Wer käme, außer Steffel, noch in Frage für den CDU-Fraktionsvorsitz? Der CDU-Haushaltsexperte Alexander Kaczmarek. Ein überaus fleißiger, sachkompetenter Fachpolitiker, der aber den Nachteil hat, dass ihn selbst der etwas dröge Diepgen etwas dröge findet. Oder die Kultur- und Wissenschaftsexpertin Monika Grütters, die von Landowsky sehr gefördert wird. Aber sie wird wohl auch in der zweiten Reihe bleiben. Sie ist eine Spezialistin, keine Generalistin. Aber ein Fraktionsvorsitzender muss die gesamte politische Klaviatur beherrschen. Er muss nicht nur eloquent, sondern auch angriffslustig sein und gleichzeitig integrierend wirken. Das können nur ganz wenige.

In der CDU-Abgeordnetenhausfraktion ist Landowsky, so gesehen, konkurrenzlos. Steffel kommt ihm am nächsten. "Aber der muss noch ein bisschen reifen", hört man parteiintern. Steffel hat es jedoch vielleicht gar nicht nötig, sich ein Reifezeugnis ausstellen zu lassen. Sein Unternehmen läuft gut. Im März wird er CDU-Kreisvorsitzender in Reinickendorf und hat 2002 gute Chancen, in den Bundestag gewählt zu werden. In den Führungsgremien von Partei und Fraktion sitzt er jetzt schon. Vor einem dreiviertel Jahr durfte er anstelle von Landowsky die Haushalts-Generaldebatte im Abgeordnetenhaus für die CDU eröffnen. Steffel machte seine Sache gut.

Zeitweise galt der angriffslustige, dennoch smarte Jungpolitiker, der schnell reden, aber auch schnell denken kann, sogar als künftiger Spitzenkandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters. Falls Diepgen 2004 aufhören sollte. Doch inzwischen macht der 40-jährige Finanzsenator Peter Kurth eine so überzeugende Figur, dass er CDU-intern allmählich als potenzieller Nachfolger akzeptiert wird. Ein "Undercover-Kronprinz" sozusagen. Nicht nur Landowsky, auch Diepgen, lässt sich nicht gern auf die Pelle rücken.

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