Fallstricke des Alltags : Darf man im Café Zuckertütchen einstecken?

Einmal in der Woche fragen Sie Elisabeth Binder, wie man mit komplizierten oder peinlichen Situationen so umgeht, dass es am Ende keine Verstimmungen gibt: So kann's gehen..

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Im Restaurant bestellen wir nach dem Essen Espresso und trinken den ohne Zucker. Allerdings packt mein Mann immer heimlich die überwiegend hübschen Zuckertütchen ein, weil er diese zu Hause in einem Becher für Gäste sammelt. Dabei achtet er darauf, dass der Kellner nichts merkt. Ich finde das peinlich.

Sophie, verbittert

Wenn Ihr Mann wirklich nur die Tütchen einsteckt, die auf der Untertasse liegen, auf der Ihr Espresso serviert wird, dann braucht Ihnen das nicht peinlich zu sein. Sie haben den Kaffee schließlich inklusive Zucker bezahlt. Betrachten Sie das Tütchen einfach als Doggie Bag. Auch in Deutschland verbreitet sich immer mehr die Sitte, Reste einer Mahlzeit mit nach Hause zu nehmen. Das wird einem oft sogar angeboten.

Etwas anders stellt sich die Lage dar, wenn die Zuckertütchen in einem großen Behälter auf dem Tisch stehen, und Ihr Mann nicht nur zwei herauszieht, sondern gleich einen ganzen Vorrat. Das hielte ich für falsch. So wie ich es auch für falsch halte, sich bei einem Frühstücksbuffet im Hotel Picknickpakete zu schnüren für den Rest des Tages. Damit ergaunert man sich ja etwas, für das man nicht bezahlt hat. Die Betreiber von Hotels und Cafés haben schließlich eine Kalkulation, und die sollte man nicht durcheinanderbringen mit vermeintlich vernachlässigbaren kleinen Klauattacken.

Zuckertütchen sind freilich begehrte Sammelobjekte, das ist vielen ja bekannt. Mancher Wirt mag sie hinstellen in der Hoffnung, dass eher die Tütchen stibitzt werden als die ganze Espresso-Tasse.

Steckt man die Zuckertütchen wirklich nur in dem Umfang ein, in dem sie realistisch für den Espresso genutzt würden, ist das wohl in Ordnung. Das muss man nicht mal heimlich tun. Da kann man den Kellner auch einfach fragen, ob es okay ist, den Zucker mitzunehmen. Man kann sich dabei ja ganz einfach als Sammler dieser Tütchen zu erkennen geben.

Bestimmt würde das dazu beitragen, dass Sie sich besser fühlen in solchen Situationen. Offenbar ist Ihnen das Handeln Ihres Mannes ja nur vor dem fremden Kellner peinlich, nicht vor den Freunden, die leicht die Herkunft der ihnen angebotenen Zuckertütchen erahnen können.

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