Fallstricke des Alltags : "Liebe(r) Herr/Frau" - ja, was denn nun?

"Sehr geehrter Herr Elisabeth Binder" - das ist unhöflich. Aber in der Tat ist es nicht immer so einfach mit der Anrede.

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Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.
Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.Quelle: Tsp

Wie formuliert man im Schriftverkehr die korrekte Anrede, wenn der Name der Person, an die man sich wendet, keinen zweifelsfreien Rückschluss auf das Geschlecht zulässt? Ich habe mir angewöhnt, in diesen Fällen als Anrede die Formulierung „ohne Anrede“ zu verwenden, um nicht einen Herrn als Frau oder eine Frau als Herrn anzuschreiben. Das scheint mir aber nicht die optimale Lösung zu sein.

Ohne Grund keine Anrede zu verwenden, wirkt natürlich auch nicht so richtig höflich. Der Adressat, dem sein eigener Name urvertraut klingt, weiß ja nicht, warum Sie die Anrede einfach weglassen. Sie sollten die eigene Unklarheit mindestens deutlich machen. Schreiben Sie zum Beispiel „Liebe(r) Herr/Frau Dallas Müller“. Dann kann sich der Empfänger Ihres Schreiben die richtige Variante aussuchen und weiß gleichzeitig auch, dass hier ein Aufklärungsbedarf besteht.

Das können Sie auch thematisieren, indem Sie im ersten Satz Ihre Unkenntnis über die korrekte Adressierung gleich kundtun. Das Internet bietet natürlich umfassende Recherchemöglichkeiten, aber keine Garantie, dass man immer fündig wird. Man muss nicht alle Namen kennen, aber man sollte schon deutlich machen, dass man dem anderen gern gerecht werden würde.

Gelegentlich erreichen mich Briefe mit der Anrede „Herr Elisabeth Binder“. Das finde ich tatsächlich ein bisschen unhöflich, weil da jemand dann offenbar automatisch davon ausgeht, es in bestimmten Positionen nur mit „Herren“ zu tun haben zu können, obwohl gerade dieser Name auch international als weiblicher Vorname geläufig ist. Wahrscheinlicher noch als Diskriminierung, ist aber wohl pure Nachlässigkeit. Da signalisiert jemand, dass er sich nicht wirklich für mich interessiert, und dann interessiere ich mich eben auch nicht. Dabei ist es wirklich keine Schande, etwas nicht zu wissen. Nicht zu fragen, darin liegt die Peinlichkeit.

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