Fallstricke des Alltags : Muss ich bei der Taufe auch zur Kirche gehen?

Einmal in der Woche fragen Sie Elisabeth Binder, wie man mit komplizierten oder peinlichen Situationen so umgeht, dass es am Ende keine Verstimmungen gibt: So kann's gehen.

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Demnächst bin ich zu einer Taufe eingeladen. Die Eltern legen Wert darauf, dass alle Gäste auch an der kirchlichen Zeremonie teilnehmen. Mir ist alles, was mit Kirche zu tun hat, aber sehr fremd. Ich weiß gar nicht, wie man sich da verhalten soll. Einfach wegbleiben mag ich aber auch nicht.

Wer eine Kirche betritt, muss nicht gleich Angst haben, missioniert zu werden. Man kommt immer mal in Situationen, in denen man das Protokoll nicht genau kennt. Wenn Sie unsicher sind, läge es auf der Hand, die Freunde zu fragen, was von Ihnen erwartet wird. Wenn Ihnen das unangenehm ist, dann sollten Sie sich vielleicht nicht gerade in der ersten Reihe niederlassen, sondern von den hinteren Plätzen aus schauen, wie die anderen es halten. Sie müssen inhaltlich ja gar nicht beteiligt sein oder nur, indem Sie dem Täufling ein glückliches Leben wünschen. Aber zu stehen, wenn die anderen stehen und zu sitzen, wenn die anderen es tun, bedeutet noch nicht, dass man ein Glaubensbekenntnis ablegt. Es zeigt nur, dass Sie sich in einer Umgebung, die Ihnen fremd ist, unauffällig und halbwegs souverän verhalten können. Gerade wenn einem das fremd ist, bietet dieser Teil des Tages doch Gelegenheit, etwas Neues zu erleben. Umgekehrt sollten Gastgeber ihren Gästen nicht zu viele Bedingungen auferlegen. Es gibt schließlich auch Menschen, die schleppen Traumata mit sich herum. Eine Einladung sollte also nicht diktatorisch formuliert werden, sondern eher etwas offener: „Wir würden uns besonders freuen, wenn Du auch schon in der Kirche dabei bist…“

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