• Fallstricke des Alltags: Muss ich Interneteinkäufe bewerten, wenn der Anbieter das verlangt?

Fallstricke des Alltags : Muss ich Interneteinkäufe bewerten, wenn der Anbieter das verlangt?

Einmal in der Woche fragen Sie Elisabeth Binder, wie man mit komplizierten oder peinlichen Situationen so umgeht, dass es am Ende keine Verstimmungen gibt: So kann's gehen.

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Nach einem Einkauf im Internet-Versandhaus bekam ich eine Mail mit der Bitte, das Produkt und den Einkauf an sich zu bewerten. Ich sollte fünf Sterne geben, weil damit auch Arbeitsplätze erhalten würden. Dadurch fühlte ich mich unter Druck gesetzt. Eigentlich war ich nicht zufrieden.

Karsten, belästigt

Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.
Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.Quelle: Tsp

Wenn jemand gleich vorschlägt, wie eine Bewertung auszusehen hat, dann stellt er ja keine offene Frage und ist also nicht wirklich an Ihrer Meinung interessiert. Er offenbart damit auch, dass er gar nicht unbedingt besser werden will, indem er mögliche Einwände von Ihnen berücksichtigt. Es geht ihm schlicht darum, einen Vorteil auf einem vielleicht hart umkämpften Markt zu erringen. Dafür kann man Verständnis haben, aber Mitleid wäre wirklich fehl am Platze. Wenn diese Arbeitsplätze wegfallen, entstehen dafür vielleicht neue in einem Unternehmen, das stärker daran interessiert ist, Ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen. Das wäre doch sogar erfreulich. Die lose Beziehung, die Sie mit diesem speziellen Versandhändler durch Ihren Kauf eingegangen sind, sollte also auf keinen Fall dazu führen, dass Sie sich unter Druck fühlen. Im Gegenteil, wenn Sie sich die Mühe machen wollten, könnten Sie eine kurze Mail schreiben und mitteilen, dass Sie diese Art von Marketing-Maßnahme für unseriös halten. Da könnten Sie auch gleich noch anfügen, aus welchen weiteren Gründen Sie unzufrieden waren mit Ihrem Einkauf. Das hilft ihm in seinem Geschäftsgebaren sicher viel besser weiter, als wenn Sie mit Bauchgrimmen die erwünschten fünf Sterne geben.

Ehrlichkeit ist bei Bewertungen aller Art am besten und auch ein gutes Ruhekissen für das eigene Gewissen. Denn mit kritischen Anmerkungen helfen Sie einem Unternehmen, sich am Markt weiterhin behaupten zu können. Auch wenn das natürlich nur ein winziger Beitrag ist, wird er vielleicht doch mithelfen, Arbeitsplätze zu erhalten. Ungerechtfertigtes Lob hingegen bedeutet, dass Sie jemanden gern dumm sterben lassen wollen, und es Ihnen völlig egal ist, was aus dem Unternehmen oder auch den Arbeitsplätzen wird oder nicht wird.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an: meinefrage@tagesspiegel.de

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