Fallstricke des Alltags : Parlez-vous français?

Einmal in der Woche fragen Sie Elisabeth Binder, wie man mit komplizierten oder peinlichen Situationen so umgeht, dass es am Ende keine Verstimmungen gibt: So kann's gehen.

von
Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.
Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.Quelle: Tsp

Meine Schwiegertochter ist Französin und spricht mit meinen Enkelkindern ausschließlich Französisch. Das finde ich gut. Ich spreche leider nicht Französisch. Wenn ihre Eltern zu Besuch kommen, wird in meiner Anwesenheit nur Französisch gesprochen, auch von meinem Sohn. Schon oft bat ich darum, mich doch auch am Gespräch teilnehmen zu lassen, indem sie mir ein wenig übersetzen. Das wird aber immer abgelehnt. Muss ich das hinnehmen?

Henriette, ausgeschlossen

Kinder, die mit ihren Müttern pädagogisch umgehen, finde ich ziemlich unausstehlich. Denn, nicht wahr, in der strikten Weigerung, wenigstens mal eine Zusammenfassung des Gesprächs zu übersetzen, steckt ja auch die nach meinem Gefühl unangemessene Erwartung, dass Sie gefälligst die Sprache auch noch lernen können. Zwang aber ist keine gute Motivation.

Die Mutter aus der Gesprächsrunde schlicht auszuschließen, das klingt sogar ziemlich gemein. Ihr Sohn und Ihre Schwiegertochter übersehen, dass man sich immer zu einer tristen Figur macht, wenn man andere verletzt. Sie sollten sich die beiden noch einmal ernsthaft vorknöpfen und beschreiben, was das für ein Gefühl ist, ausgeschlossen zu sein. Eventuell könnten sie den Schwiegereltern Ihres Sohnes auch einen Brief schreiben und um Ideen zur Verbesserung der Situation bitten. Den Brief können Sie übersetzen lassen. So schlimmes Benehmen einfach hinzunehmen, halte ich für falsch.

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