Fallstricke des Alltags : Soll man Nackte meiden?

Einmal in der Woche fragen Sie Elisabeth Binder, wie man mit komplizierten oder peinlichen Situationen so umgeht, dass es am Ende keine Verstimmungen gibt: So kann's gehen.

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Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.
Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.Quelle: Tsp

"Meine Frau und ich wohnen nahe der Krummen Lanke. Als wir in der Vergangenheit dort an der Nacktbadestelle schon mal auf Arbeitskollegen trafen, waren wir ziemlich verunsichert, wie wir uns verhalten sollten. Etwa so, wie der französische Hotelangestellte, der das Zimmer einer unbekleideten Dame betritt und sich mit einem „Pardon Monsieur“ zurückzieht?"

Jean, pikiert

An Nacktbadestellen und FKK-Stränden sind Leute, die lieber in Badesachen ins Wasser gehen, aus naheliegenden Gründen nicht erwünscht. Da will man unter Gleichgesinnten bleiben. Wer sich dort trotzdem in voller Montur zeigt, setzt sich fast automatisch dem Verdacht aus, als Voyeur gekommen zu sein.

Man kann bei der Seenvielfalt rings um Berlin nicht verhindern, dass man mal zufällig unter Nackte gerät. Aber wenn man genau weiß, wo sich eine solche Badestelle und zumal in der Nähe des eigenen Wohnorts befindet, sollte man schon einen Bogen machen. Zu groß die Gefahr, dass man Nachbarn trifft und möglicherweise in eine peinliche Situation gerät, die das Zusammenleben belastet.

Durch den freiwilligen Verzicht auf dieses Spazierziel brauchen Sie sich auch nicht unnötig eingeengt zu fühlen. Betrachten Sie es einfach als Terrain von Anhängern einer Kultur, die Sie selber nicht teilen. Sollte es trotzdem am See mal zu einer unerwarteten Begegnung mit einem bekannten Nacktbader kommen, sollte man das Zusammentreffen nicht unnötig in die Länge ziehen und auch nicht peinlich berührt reagieren.

Grüßen Sie im Vorübergehen kurz und höflich. Dass Sie dabei die Blicke nicht schweifen lassen, versteht sich von selbst. Dann setzen Sie ohne Zögern Ihren Spaziergang fort. Niemand wird es Ihnen übel nehmen, dass Sie in einer solchen Situation nicht für einen Small Talk stoppen. Dafür gibt es bessere Anlässe.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an: meinefrage@tagesspiegel.de

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