Fallstricke des Alltags : Soll man unfähige Redner rügen?

Einmal in der Woche fragen Sie Elisabeth Binder, wie man mit komplizierten oder peinlichen Situationen so umgeht, dass es am Ende keine Verstimmungen gibt: So kann's gehen.

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Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.
Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.Quelle: Tsp

Ein Referent, der seine Ausführungen mit vielen „Ähhs“ auffüllt, behindert die Aufmerksamkeit und Konzentration doch sehr. Wie kann man ihn am besten darauf aufmerksam machen, damit er an sich arbeitet? Durch Blickkontakt stelle ich fest, dass andere Zuhörer auch sehr leiden. Richard, abgelenkt.

Die Anforderungen an die Professionalität bei öffentlichen Auftritten wachsen natürlich, je mehr Ablenkungsmöglichkeiten es gibt. Smartphones haben da die Bedingungen für weniger begabte Redner erheblich verschärft. Es ist ja auch ein nationales Laster: Deutsche tendieren dazu, ihre Rednerkünste zu überschätzen und gehen, auch was die Dauer betrifft, gern bis an die Grenze der Leidensfähigkeit ihrer Zuhörer. Leider fehlt Demut immer da, wo sie am dringendsten gebraucht würde. Vielleicht sollten mal alle, die heimlich Spiele machen, wenn oben auf dem Pult gerade eine unerträglich lange, gestotterte Rede vorgetragen wird, ihre Handys auf laut stellen, so als kleinen Protest. Beginnen Sie Ihre Kritik auf jeden Fall mit einem Kompliment. Irgendetwas muss ja halbwegs positiv an den Ausführungen des Referenten gewesen sein, sei es auch nur der gute Wille, sie zu machen, oder die Arbeit, die er hineingesteckt hat. Dem „Gut fand ich, dass Sie sich diese Zielgruppe ausgesucht haben“ müsste auf dem Fuße ein „Aber wäre es nicht vernünftig, mal einen Rhetorikkurs zu besuchen, um diese Menschen noch besser zu überzeugen?“ folgen. Die Notwendigkeit der Professionalisierung des Auftritts können Sie ruhig einbauen.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an: meinefrage@tagesspiegel.de

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