Fallstricke des Alltags : Ungebetene Hochzeitsgäste

Einmal in der Woche fragen Sie Elisabeth Binder, wie man mit komplizierten Situationen so umgeht, dass es am Ende keine Verstimmungen gibt.   Diesmal geht es um Hochzeitsgäste, die sich selbst einladen.

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Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.
Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.Quelle: Tsp

Mein Sohn heiratet eine junge Türkin, die wir sehr mögen. Da die Familie nicht viel Geld hat und die beiden studieren, haben wir uns bereit erklärt, die Hochzeit auszurichten. Unser Budget reicht für ein Familienfest mit 40 bis 50 Leuten. Nun haben sich aber etliche entfernte Verwandte und auch Bekannte der Brauteltern selbst eingeladen zu dem Fest. Das sprengt unsere Möglichkeiten. Was macht man da?

Hannelore, überrollt

Sie zeigen schon viel Großherzigkeit. Das sollte kein Grund sein, sich zusätzlich noch in Geiselhaft nehmen lassen. Sicher ist es in manchen Kulturen eine Frage der Ehre, eine große Hochzeit auszurichten. Dadurch ist schon viel Leid in die Welt gekommen. Es besteht also überhaupt kein Grund, sich solchen Vorstellungen anzupassen, im Gegenteil. Zunächst einmal sollten Sie sich mit dem jungen Paar und seinen Eltern treffen und klarmachen, dass ein Fest für 50 Leute möglich sei, aber eine Ausweitung die Möglichkeiten übersteigt.

Dann sollten Sie überlegen, wie Sie die Partycrasher davon überzeugen, auf eine Teilnahme von sich aus zu verzichten. Das Brautpaar könnte etwa allen, die sich ungefragt angemeldet haben, schreiben, dass gegenwärtig nur ein Fest im kleinen Kreis möglich ist, aber man sich wieder meldet, wenn die Hochzeit noch mal groß nachgefeiert werden sollte, vielleicht aus Anlass eines Jahrestages, wenn beide eigenes Geld verdienen.

Aber auch Sie als Financiers des Festes könnten einen Brief schreiben. Darin sollten Sie das Interesse an der Hochzeit loben und darauf hinweisen, dass sich das Brautpaar statt eines Geschenks einen Beitrag zur Party wünscht. Ihre Empfehlung zur Höhe dieses Beitrags sollte mindestens die Partykosten pro Gast decken und verbunden sein mit der Bitte, das Geld vorab zu überweisen. Das dürfte manchen abschrecken, der nur auf Gratisdrinks aus ist.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen per Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie: meinefrage@tagesspiegel.de

Ein Hochzeitspaar aus Stroh.
Ein Hochzeitspaar aus Stroh.Foto: dpa

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