Fallstricke des Alltags : Was tun bei einem schlechten Namensgedächtnis?

Einmal in der Woche fragen Sie Elisabeth Binder, wie man mit komplizierten oder peinlichen Situationen so umgeht, dass es am Ende keine Verstimmungen gibt: So kann's gehen..

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Kürzlich traf ich einen entfernten Bekannten, mit dem ich vor vielen Jahren gelegentlich beruflichen Kontakt hatte. Wir wechselten freundliche Worte. Plötzlich sagte er: „Bestimmt wissen Sie meinen Namen nicht mehr.“ Das war auch so, aber es war mir peinlich, das zuzugeben. So was macht man doch einfach nicht, oder?

Clarissa, entlarvt

Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.
Tagesspiegel-Kolumnistin Dr. Elisabeth Binder.Quelle: Tsp

Wenn die Welt etwas gerechter wäre, dann wäre ihrem alten Bekannten seine Frage peinlich. Noch besser, er hätte sie gar nicht gestellt. Dazu fallen mir etliche Sprichwörter ein, zum Beispiel dies: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.“ Die digitale Revolution hat die Anforderungen an die Speicherkapazitäten unserer Gehirne vervielfacht. Wenn der Speicher voll ist, muss Platz geschaffen werden, das weiß jeder, der einen Computer besitzt.

Wo sich in vergangenen Jahrhunderten Namen auch nach lange unterbrochenen Bekanntschaften noch wie eingemeißelt im Gehirn halten konnten, ist das im Zeitalter der 1000 Facebook-Freunde natürlich nicht mehr möglich. Deshalb gilt es inzwischen als höflich, bei Begegnungen mit entfernteren Bekannten den eigenen Namen einfach noch mal zu nennen. Kann sein, dass der Angesprochene darauf protestiert mit einem „Aber natürlich kenne ich Ihren Namen!“ Je lauter er dies tut, desto wahrscheinlicher, dass er nicht den blassesten Schimmer hatte.

Andere in Verlegenheit zu bringen ist grundsätzlich unhöflich. Es sollte Ihnen also gar nicht peinlich sein zuzugeben: „Tatsächlich habe Ihren Namen vergessen.“ Leute, die dumme Spielchen mit einem spielen, möchte man doch eigentlich gar nicht kennen. Insofern hat ihr Gehirn den richtigen Namen aussortiert.

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