Fallstricke des Alltags : Wem soll ich das Trinkgeld geben?

Einmal in der Woche fragen Leser unsere Redakteurin Elisabeth Binder, wie man mit komplizierten oder peinlichen Situationen so umgeht, dass es am Ende keine Verstimmungen gibt: So kann's gehen.

von
Manch ein Gast lässt sein Trinkgeld einfach am Platz liegen und geht.
Manch ein Gast lässt sein Trinkgeld einfach am Platz liegen und geht.Foto: dapd

"Oft passiert es mir, dass im Café oder Restaurant ein anderer Kellner kassiert, als der, der mich bedient hat. Nun möchte ich aber, dass der richtige Kellner das Trinkgeld erhält, das er sich auch verdient hat. Was soll ich tun?" Achim, großzügig.

In vielen Betrieben ist es gar nicht vorgesehen, dass Trinkgeld personalisiert gegeben wird. Viel zu viele helfende Hände hinter den Kulissen sollen nämlich auch etwas abbekommen von dem Geldsegen, den die Gäste freiwillig hinterlassen haben. Dass ihr Bier in kürzester Zeit so perfekt schäumend vor Ihnen stand, war sicher auch ein Verdienst des Kellners. Aber derjenige, der die Bar macht, musste ebenfalls mitziehen, damit das möglich war. Ihr Dessert hat Ihnen besonders gut gemundet? Auch wenn sich Ihre unmittelbare Dankbarkeit auf den Kellner richtet, der es an den Tisch gebracht hat, sollten Sie den Patissier nicht vergessen, der es gemacht hat. Deshalb wandert Trinkgeld eben oft in einen gemeinsamen Topf und wird dann unter vielen Mitarbeitern aufgeteilt. Aus diesem Grund ist es auch ganz einerlei, wer am Ende abkassiert.

In vielen Ländern gilt es regelrecht als unfein, einer bestimmten Person Geld in die Hand zu drücken oder ihm das Wechselgeld zu überlassen. Da bezahlt man die Rechnung und lässt das Trinkgeld auf dem Tisch liegen. Angeregt wahrscheinlich durch die vielen Touristen, ist diese Sitte auch in Berlin schon häufiger zu beobachten, aber noch nicht so etabliert, dass die heimliche Sorge, nachfolgende Gäste könnten sich über den Obolus hermachen, völlig unbegründet wäre. Natürlich ist Ihr Impuls verständlich, dem Kellner das Geld zukommen zu lassen, zu dem Sie im Laufe des Mahles eine persönliche Beziehung aufgebaut haben. Manchmal stimmt ja auch einfach die Chemie besonders gut. Dann würde ich fragen, ob nicht der andere Kellner zum Kassieren kommen könnte.

Es spricht auch nichts dagegen, dass Sie die Rechnung exakt bezahlen, und dann beim Hinausgehen die Summe, die Ihnen als Trinkgeld vorschwebte, dem netten Kellner direkt geben. Sie müssen freilich immer damit rechnen, dass er das trotzdem in einen großen Topf tun muss.

Bitte schicken Sie Ihre Fragen mit der Post (Der Tagesspiegel, „Immer wieder sonntags“, 10876 Berlin) oder mailen Sie diese an: meinefrage@tagesspiegel.de

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

7 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben