Berlin : Falsche Mäuse

-

Von Holger Wild

Musste früher das Kind noch Mutters gute Suppe zurückweisen, um im Generationenkampf die Eltern zur Verzweiflung zu treiben – so steht den Rotzlöffeln von heute ein ganzes Arsenal an Mäkeleien zur Verfügung, um die werten Erzeuger zur Weißglut zu bringen: Nein, diese Marke will ich nicht! Da bringt Papa in bester Absicht einen Kasten HansaCola vom Billigmarkt mit – das impertinente Balg aber erklärt, das sei „nicht die richtige“. Der Vater: Süß, braun, Brause, wo ist der Unterschied? Folgt ein Blick voll Herablassung; steigender Ärger, Geschrei, Tränen. Ein Spiel, das auch mit Füllern, Turnschuhen, Oberbekleidung famos funktioniert.

Zum Glück bieten findige Asiaten einen Ausweg aus dem Konflikt, den Nachwuchs zu befriedigen und das Familienbudget doch nicht in einen Zustand zu versetzen, der dem Berliner Haushalt im Kleinen gleichkommt. Bei ihnen gibt es Markenartikel zu Spottpreisen, und was Papa für die „richtige“ Cola zahlt, kriegt er durch eine günstige „Bolex“-Uhr und ein Fläschchen „Chakal No. 5“ glatt wieder rein. Mittlerweile stehen sogar meist die korrekten Namen drauf.

Doch auch die Asiaten müssen sich neue Kundenkreise erschließen. Jetzt sind die Kleinen dran: In Neukölln wurden am Sonntag 1484 gefälschte „Diddl“-Mäuse von der Polizei beschlagnahmt. Also Kinder, ab jetzt heißt’s sehr genau hingucken! Wenn Ihr zu Weihnachten etwa plötzlich die lang-ersehnte, sündhaft teure „Barby, Prinzessin von Brunei“ unterm Baum findet.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben