Berlin : Falsche Meister

Im Zentrum Schöneweide werden Plagiate gezeigt

Jens Mühling

Berlin - Mancher Passant reibt sich verblüfft die Augen. Zwischen C&A, Media Markt und Asia Snack hängen Kunstschätze, zu deren Besichtigung man sonst weit reisen muss. Cézannes „Blaue Vase“ aus dem Pariser Orsay-Museum ist dabei, Toulouse-Lautrecs „Moulin Rouge“ aus der National Gallery of Art in Washington und Egon Schieles „Sitzende Frau mit hochgezogenem linken Bein“, die eigentlich in der Prager Narodni-Galerie hängt. Außerdem der „Mann mit dem Goldhelm“, die Rügener Kreidefelsen von Caspar David Friedrich, Spitzwegs „Armer Poet“ und die Mona Lisa.

Die Erklärung ist einfach: alles falsch. Die Kunstwerke sind Nachahmungen berühmter Gemälde, die ein freier Zusammenschluss von Kopisten unter dem Namen „Musée du Faux“ malt und ausstellt. Einen festen Ort hat das Fälschermuseum nicht: Seine Mitglieder tingeln seit 13 Jahren durch die Einkaufszentren der Bundesrepublik und stellen nun erstmals in Berlin aus. Bis zum 26. März sind die Werke in Schöneweide zu sehen. „Legal“ sind sie, weil 70 Jahre nach dem Tod eines Malers dessen Werke nicht mehr rechtlich geschützt sind – und weil die gezeigten Bilder auch keinen Anspruch auf Echtheit erheben. Man kann sie ansehen, anfassen, fotografieren – und wer genug kriminelle Energie mitbringt, kann sogar selbst als Fälscher aktiv werden. Die „Kopistenwerkstatt“ ist allerdings eher für Kinder gedacht: „Wir fälschen die Mona Lisa“, steht da auf einem Schild. Wer mitmacht, bekommt einen Pinsel in die Hand, eine Baskenmütze auf den Kopf und darf loslegen: entweder frei Hand oder nach dem Malen-nach-Zahlen-Prinzip.

Für sachkundige Anleitung ist gesorgt. Helene Thiessen, eine der Kopistinnen des Musée du Faux, vermittelt das Fälscherhandwerk. Obwohl sie das selbst nicht so nennen würde: „Ich bin Kopistin“, sagt sie, „ich würde nie eins meiner Bilder als echt ausgeben.“ Trotzdem weiß sie, wie man einem Bild die nötige Textur verleiht, um es alt aussehen zu lassen: mit Knicken und Rissen in der Leinwand, mit Alters-Patina, die durch die Erhitzung der Leinwand im Backofen oder durch Aufstrich von Umbra vorgetäuscht werden kann. „Nicht alle Kopisten gehen dabei gleich weit“, sagt Thiessen. Ihr gehe es weniger um die perfekte Täuschung als um die „Seele“ eines Bildes. „Man muss viel über einen Künstler gelesen haben und mit seinem Lebenslauf vertraut sein, man muss geradezu verliebt in ihn sein, um ihn fälschen zu können“, erklärt sie. Die meisten Kopisten würden sich deshalb auf wenige Künstler spezialisieren, in ihrem Fall Gauguin, Modigliani, Cézanne und van Gogh. „Wenn ich versuchen würde, einen Caspar David Friedrich zu fälschen, würde dabei nichts rauskommen. Den mag ich einfach nicht.“

Bis 26. März im Einkaufszentrum am Bahnhof Schöneweide, Schnellerstraße 21.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben