Berlin : Falsche Polizisten bestahlen Prostituierte

Überfallserie aufgeklärt: Vier Männer gaben sich als Zivilbeamte aus und statteten Bordellen „Kontrollbesuche“ ab

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Sie stolperten über die eigene Sparsamkeit. Die vier Trickdiebe fielen der Polizei auf, weil ihr Auto, mit dem sie am vergangenen Sonnabend in Tiergarten erneut auf Beutezug gehen wollten, nicht versichert war. Mit der Festnahme des Quartetts gelang es der Polizei, eine Serie von Überfällen auf Bordelle in Spandau, Prenzlauer Berg und Lichtenberg aufzuklären. Die Täter hatten sich jedes Mal als ZivilPolizisten ausgegeben. Gegen alle vier wurden Haftbefehle erlassen, ein 22-Jähriger wurde von der Untersuchungshaft verschont. Er hatte in den meisten Fällen Schmiere gestanden.

Mal wollten sie die Ausweise der Prostituierten kontrollieren, mal gaben sich die 22 bis 32 Jahre alten Täter aus Spandau und Lichtenberg als Drogenfahnder aus. Seit dem 5. Januar hatten sie auf diese Weise fünf Bordelle besucht. Sie legitimierten sich immer mit selbst hergestellten Ausweisen, die nach Auskunft eines Ermittlers „recht gut nachgemacht waren“. Sie waren grün wie die der echten Schutzpolizisten, es war ein Berliner Wappen drauf und ein Passbild. Bei dem schummrigen Licht in den Bordellen sei es durchaus möglich, sie für echt zu halten, sagte der Ermittler. In einem Fall, als der Betreiber eines Etablissements Verdacht schöpfte und die Täter rausdrängen wollte, gab es ein kleinere Keilerei, aus der die „Polizisten“ aber als Sieger hervorgingen.

Bei ihren Kontrollen durchwühlten die Täter unter anderem die Taschen der meist ausländischen Prostituierten und entwendeten daraus Geld, Wertsachen und Mobiltelefone. Die Opfer merkten erst viel später, dass sie bestohlen worden waren. Bordellbesucher waren nicht unter den Bestohlenen. Offenbar kundschaftete die Bande ihre Tatorte zuvor genau aus und wartete, bis alle Gäste gegangen waren.

Am vergangenen Sonnabend gegen 23.10 Uhr fiel einer Polizeistreife in der Nähe eines Bordells an der Bredowstraße in Tiergarten ein Auto auf, das ziellos hin- und herzufahren schien. Eine Überprüfung des Kennzeichens ergab, dass der Halter seine Versicherung nicht bezahlt hatte. Die echten Polizisten stoppten den Wagen, von dem sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, dass darin falsche Kollegen saßen.

Erst als sie die nachgemachten Dienstausweise, Masken und Messer im Auto fanden, schöpften sie Verdacht. Die Masken und Messer waren aber bei den Überfällen nicht verwendet worden. Bei den anschließenden Wohnungsdurchsuchungen entdeckten die echten Polizisten dann ein Mobiltelefon, das bei einem der Überfälle gestohlen worden war.

Der 32-jährige Verdächtige ist bei der Polizei kein Unbekannter. Er ist wegen Diebstahls vorbestraft. Seine drei Komplizen waren allerdings bisher mit dem Gesetz nicht in Konflikt geraten. Die Ermittler vermuten, dass die bisher bekannt gewordenen fünf Überfälle nicht die einzigen der Bande gewesen sind. Opfer, die noch keine Anzeige erstattet haben, werden gebeten, sich beim Landeskriminalamt unter den Telefonnummern 699 38-662/-533 zu melden.weso

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