Berlin : Falsche Sechziger

Wem die Stones zu teuer sind, kann „Voodoo Lounge“ und „Starfucker“ hören

Sebastian Leber

Quatsch, der Eintrittspreis ist gar nicht zu hoch! Die Band spielt immerhin zwei Stunden lang, gibt mehrere Zugaben. Und alle Hits von „Start me up“ bis „Jumpin Jack Flash“ sind dabei. „Satisfaction“ natürlich auch. Diese Show ist definitiv ihr Geld wert, sagt Bobby Ballasch. Die ganzen 18 Euro.

Der Auftritt beginnt heute um 23 Uhr. Nicht im Olympiastadion, sondern im „Rock Style“, einem kleinen Club in der Hardenbergstraße 12. Ballaschs Gruppe „Voodoo Lounge“ ist eine reine Rolling-Stones-Coverband – und zwar die beste in Europa. Behauptet sie jedenfalls. Bis zu 60 Mal pro Jahr macht Bobby Ballasch den Jagger, ansonsten ist er Rechtsanwalt. Gewisse optische Ähnlichkeiten zum Original sind unbestreitbar, nur die 30 Jahre Altersunterschied, die lassen sich nicht wegschminken.

Muss ja auch gar nicht, Gitarrist Martin zum Beispiel sieht kein bisschen wie Keith Richards aus. Der Gesang zählt. Und die Bühnenshow. Ballasch versucht, bei Auftritten genauso „rotzig und selbstbewusst“ rüberzukommen wie das Original. Und immer in Bewegung zu bleiben: „Das ist Jaggers Stärke. Der beackert auch als 62-Jähriger noch jeden Bühnenmeter.“

Noch besser als Voodoo Lounge ist übrigens die Berliner Gruppe „Starfucker“. Nämlich: „die beste Rolling Stones Coverband der Welt“. Klappern gehöre zum Handwerk, sagt Sänger Mike Kilian. Genaugenommen kennen sich die Bands untereinander gar nicht. Woher sollten sie auch? Kein Straßenfest-Veranstalter, kein Festival, kein Autohaus würde zwei Rolling-Stones-Coverbands an einem Abend auftreten lassen. Was Starfucker-Frontmann Mike Kilian von vielen anderen Jagger-Doubles unterscheidet: Er konnte sich bei der Bandgründung vor neun Jahren nicht entscheiden, ob er lieber am Mikro oder an der Gitarre stehen wollte. Deshalb hat er auch gleich den Part von Keith Richards übernommen. Was zur Folge hat, dass er auf der Bühne „nicht ganz so schön rumzappeln kann“ wie Mick Jagger. Außer bei „Sympathy for the devil“, da gibt es diesen Teil ohne Leadgitarre. Da hängt sich Kilian das Instrument über die Schulter und tänzelt, was das Zeug hält.

Ganz bescheiden gibt sich die Covergruppe „Ed Stone“. Sie nennt sich bloß „Berlins Rolling-Stones-Top-Act“. Weil Sänger Frank Schröder nicht ganz so dürr ist wie Jagger (sein selbst gewählter Spitzname: „der dicke Mick“), achtet er umso mehr auf die Richtigkeit der Töne. Nur nicht bei dem „Uh Uh“ in „Miss You“. „Die Stelle singt Mick mit Falsett-Stimme. So hoch komme ich nicht, da bleib ich eine Oktave tiefer.“ Sehr gut kann Frank Schröder dagegen seine Arme in die Hüfte stemmen, da sieht man keinen Unterschied zum Original. Früher hat Schröder eigene Songs komponiert. „Mit denen wäre ich auch gerne berühmt geworden.“ Aber so sei das mit dem Rock’n’Roll: Das Glück zur großen Karriere haben nur wenige. Und in Coverbands könne man auch viel Spaß haben. „Vor allem, wenn die kopierte Band dermaßen großartig ist.“

So sehr sich die Coverbands um Authentizität bemühen, eines haben sie noch nie gemacht: Hotelzimmer kaputtschlagen. Nur Starfucker-Frontmann Mike Kilian war einmal ganz kurz davor. Nach einer langen Nacht und viel Alkohol wollte er einen Fernseher aus dem Fenster werfen. „Ich hatte ihn schon in der Hand.“ In letzter Sekunde kam Kilian zur Besinnung – und entschied sich für ein Kopfkissen.

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