Berlin : Falsche Verdächtigung: Duell vor der Senator-Lounge

Kerstin Gehrke

Plötzlich spielte der Angeklagte nur noch eine Nebenrolle. "Es kommt mir vor, als hätten Sie sich mit Ihrer ehemaligen Geliebten zum Duell getroffen - jeder brachte einen Sekundanten mit", hielt der Richter dem Zeugen vor. Die Kritik schmeckte Thomas W. überhaupt nicht. Der Hamburger Polizist, der einst für die Grünen im Bundestag saß und zu den Mitbegründern der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kritischen Polizisten gehört, fühlt sich schließlich als Opfer. Als ein Vater, dem das Kind vorenthalten wird, der obendrein nach einer Rangelei mit dem neuen Freund seiner ehemaligen Lebensgefährtin zu Unrecht angezeigt wurde.

Der Prozess gestern vor dem Amtsgericht Tiergarten war eines der vielen Verfahren, die seit dem Streit um den gemeinsamen Sohn von Thomas W. und der Ärztin Dagmar K. laufen. Diesmal ging es um falsche Verdächtigung. Der 46-jährige Polizist hatte den neuen Freund der Ärztin angezeigt. Weil ihn der Metallurge Jürgen S. im Februar vergangenen Jahres wegen angeblicher Körperverletzung bei der Polizei angeschwärzt hatte. Der Richter "sortierte" die gegenseitigen juristischen Attacken und schüttelte nur den Kopf: "Grässlich, wie furchtbar für das Kind".

Das "Duell" ereignete sich auf dem Flughafen Tegel. Genauer: Vor der Senator-Lounge. Dort wollte W. zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sich mit seiner Berliner Kollegin Bianca Müller, Sprecherin der Kritischen Polizisten, treffen und den bei seiner Mutter lebenden 11-jährigen Dario zum Wochenendbesuch übernehmen. Müller bat er, die "Übergabe" zu beobachten. Auf der anderen Seite der Lounge hatte Darios Mutter ihren 45-jährigen Lebensgefährten S. als "Sekundanten" dabei.

Doch als der Junge wie eine Woche zuvor nicht zum Vater wollte und weinte, eskalierte die Situation. Der Angeklagte sagte: "Ich stellte mich mit ausgebreiteten Armen vor W., wollte verhindern, dass er das Kind gegen dessen Willen mitnimmt". Der Polizist habe ihn geschubst und mit der Faust in den Magen geboxt. Den Schlag aber hat es nach Version von Thomas W. nicht gegeben, nur das Schubsen. Bianca Müller war dazwischen gegangen. "Ich hielt sie mit ausgebreiteten Armen auseinander." Die Männer hätten sich "geknufft", aber nicht "richtig geschlagen".

Der Prozess endete, wie er begonnen hatte: Mit dem Unverständnis des Richters für das Verhalten der Eltern. "Ich sage: armes Kind. Als Ärztin und ehemaliger Bundestagsabgeordneter sollten Sie mit sich selbst auch kritisch sein." Weil es tatsächlich eine Rangelei gab und S. deshalb nicht strafbar übertrieben habe, sprach er den Angeklagten frei.

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