Berlin : Falsche Zeit

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Bernd Matthies über die garantiert allerletzte Finanzspritze fürs Tempodrom

Wenn wir etwas besonders verwerflich finden, sagen wir, das sei ja wohl das Letzte. Kommt es schlimmer, nennen wir es das Allerletzte – beispielsweise die 17. Abschiedstournee von Tina Turner. Sagt der Chef mit erhobener Stimme, „Ich sage es Ihnen jetzt zum allerletzten Mal“, dann kann vermutlich nur noch das Arbeitsgericht helfen. Kündigt aber der Senat eine allerletzte Finanzspritze für das Tempodrom an, dann hilft überhaupt nichts und niemand mehr.

Irgendwas in „annähernder Millionenhöhe“, aha. Mal wieder. Es hat vermutlich überhaupt keinen Sinn, noch nach Schuldigen zu suchen, denn das betonierte Café Größenwahn in Kreuzberg wurde nun mal, wie selbst die Initiatorin einräumt, „in der falschen Zeit gebaut“. Ja, so ist es, und dann hilft eben manchmal nur ein harter Schnitt. Doch im Senat gibt man sich trotz katastrophaler Finanzlage plötzlich hypersensibel: Eine Pleite könnte womöglich zu einem Ansehensverlust für die ganze Stadt führen. Ansehensverlust – das ist wirklich komisch. Als wüsste nicht die ganze Welt , dass Berlin finanziell am Ende ist, als wartete nicht die ganze Welt darauf, dass endlich die Konsequenzen dieser Lage gezogen werden.

In annähernder Millionenhöhe finanzieren wir jetzt also einen Mythos, für unser Ansehen. Toll. Jetzt fehlt nur noch Tina Turners 18. Abschiedstournee. Die allerletzte. Wie wäre es damit im Tempodrom?

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