Berlin : Falscher Alarm: Raus Gepäck war völlig harmlos

weso/dgr

Wie am Montag bekannt wurde, begann die Reise des Bundespräsidenten Johannes Rau in die USA mit einer unangenehmen Überraschung: Als am Sonnabendnachmittag das Gepäck der Delegation auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel kontrolliert wurde, gab es Bombenalarm. Ein elektronisches Prüfgerät wies die Kontrolleure des privaten Sicherheitsdienstes Securitas auf einen sprengstoffverdächtigen Karton im Präsidentengepäck hin. Die für die Sicherheit zuständigen Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA) wurden hinzugezogen. Diese gaben daraufhin Alarm und riegelten den betroffenen Bereich ab. Der südlich davon gelegene zivile Teil Tegels war nach Auskunft von Flughafensprecherin Rosemarie Meichsner nicht betroffen. Die Luftwaffenmaschine des Bundespräsidenten startete wegen des Vorfalls rund 30 bis 40 Minuten später in die Staaten als ursprünglich vorgesehen.

Sprengstoffexperten des Bundesgrenzschutzes (BGS) "entschärften" die vermeintliche Bombe - die sich schlussendlich als ein Karton mit Schulbüchern entpuppte. Bestimmt waren sie als Gastgeschenk des Bundespräsidenten für die Eröffnung der Deutschen Schule in Boston. Darin verpackt waren auch Bücher mit dem Titel "Licht an!", an denen mit Batterien tatsächlich eine kleine Glühbirne eingeschaltet werden kann. Das Prüfgerät hatte offenbar auf die metallene Batteriehalterung und die Drähte in den Schulbüchern reagiert. Das Bundeskriminalamt wollte sich gestern zu dem Vorfall in Tegel nicht äußern.

Im Gepäck des Bundespräsidenten befanden sich insgesamt 20 Kartons mit Büchern für die Deutsche Schule, von denen 19 unbeschädigt ihr Ziel erreichten. Ungeklärt ist, warum die Sicherheitsbeamten des BKA nicht anhand der Frachtliste den Inhalt des verdächtigen Kartons überprüften, bevor die BGS-Sprengstoffexperten den Karton mitsamt seinem Inhalt zerstörten.

Seit der militärische Teil des Flughafens von der Bundesluftwaffe und nicht mehr von den Alliierten kontrolliert wird, durchforstet die private Sicherheitsfirma Securitas das Gepäck der Reisenden. Während der derzeitigen angespannten Sicherheitslage wird auch bei Staatsreisen wie der des Bundespräsidenten in die Vereinigten Staaten das gesamte Gepäck der Delegation kontrolliert. Zu der Reisegruppe gehören nicht nur Mitarbeiter des Bundespräsidialamtes, sondern auch Journalisten.

Bundespräsident Rau, der von seiner Frau und Außenminister Joschka Fischer begleitet wird, nahm, wie berichtet, in der Lutherischen St.-Pauls-Kirche in New York an einem Gedenkgottesdienst für die deutschen Opfer des Terroranschlages vom 11. September teil. Heute soll Rau in New York den Leo-Baeck-Preis verliehen bekommen. Mit ihm werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich um die Aussöhnung von Juden und Christen verdient gemacht haben.

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