Berlin : Falsches Reh: war richtiges Lamm

bm

Berlins Restaurantgäste haben bislang noch nicht mit gesteigertem Misstrauen auf die BSE-Affäre reagiert. In den letzten Monaten seien nur zwei möglicherweise falsch deklarierte Fleischproben zur Untersuchung eingereicht worden, sagte Dr. Doris Kusch, die zuständige Veterinärin beim Landesamt für Lebensmittel (jetzt Berliner Betrieb für gesundheitliche Aufgaben), auf Anfrage. Keine davon habe mit Rindfleisch zu tun gehabt. Das Amt nimmt alle Lebensmittelproben an, die bei der Polizei oder den Bezirksämtern eingereicht werden.

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Die einzige nachweislich falsch deklarierte Probe der letzten Zeit kam vom Tagesspiegel: Wir hatten Fleisch eingereicht, das uns im Schweizerhof als "Rehmedaillon" offeriert worden war. Die Analyse im Landesinstitut hat nun zweifelsfrei ergeben, dass es sich in Wahrheit um Schaffleisch, also vom Lamm oder Mufflon, handelte - wegen der auffällig hellen Farbe also möglicherweise Milchlamm. Schweizerhof-Küchenchef Ulrich Schick bestätigte, dass es wohl Bio-Lammfleisch aus Brandenburg gewesen sei; er machte einen Fehler des Lieferanten geltend und sagte, er bitte für den Vorgang um Entschuldigung.

Beanstandungen kämen in der Regel "wellenweise", sagte die Veterinärin. So sei beispielsweise deutlich zu merken, wenn ein Importeur schwer verkäufliches Fleisch wie Känguru oder Springbock in die Stadt gebracht habe. Im laufenden und im letzten Jahr sei das aber nicht vorgekommen, und generell könne man den Verdacht in den meisten Fällen widerlegen. Allerdings seien die Möglichkeiten der serologischen Untersuchung begrenzt: Vollständig durcherhitztes Fleisch könne nur noch sehr schwer zugeordnet werden, und so sei durchaus möglich, dass man eine verdächtige Probe im Zweifel als einwandfrei deklarieren müsse, auch wenn das keinesfalls erwiesen sei.

Proben von möglicherweise falsch deklarierten Lebensmitteln werden in Berlin von der Polizei und der Lebensmittelaufsicht der Bezirksämter angenommen. Dort trägt man in der Regel auch die Analyse-Kosten, durchschnittlich mehrere hundert Mark. Auch das Landesinstitut in der Invalidenstraße nimmt Proben an, stellt die Kosten allerdings dem Einlieferer in Rechnung.

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