• Falschgeld in kleineren Scheinen In Berlin sind kaum noch Hunderter im Umlauf, dafür aber massenweise Fünfziger

Berlin : Falschgeld in kleineren Scheinen In Berlin sind kaum noch Hunderter im Umlauf, dafür aber massenweise Fünfziger

Jörn Hasselmann

90 Prozent des Falschgeldes sind mittlerweile „professionell hergestellte“ Blüten. 2004 wurde Falschgeld im Wert von 520 000 Euro in Berlin sichergestellt. Das sagte die Leiterin des Falschgelddezernats, Ute Kadow. Die Summe sei im Vergleich mit 2003 etwas gesunken; die Zahl der Scheine ist dagegen etwas gestiegen. Denn falsche Hunderter gibt es kaum noch, nachdem in Litauen drei Druckereien einer international agierenden Bande aufgeflogen sind, die sich auf hervorragend gefälschte 100-Euro-Scheine spezialisiert hatte. „Das Auftreten von Hundertern ist danach quasi abgerissen“, sagte Kadow. „Die Werte haben sich nach unten verschoben“, sagte Kadow.

Dilettantische Fälschungen gibt es kaum noch. Die 13 Fünf–Euro-Noten beispielsweise, die im Jahr 2004 in Berlin entdeckt wurden, kamen wie die Zehner und manche Zwanziger aus heimischen Farbdruckern. Besonders schlechte Zwanziger sind derzeit auch in Berlin im Umlauf, „bei denen ist das Hologramm nur mit Silberstift nachgemalt“, sagte Ute Kadow. „Jeder Profi würde sich schämen dafür“, sagte die Falschgeldexpertin des Landeskriminalamtes, „aber es ist auch erschreckend, dass die Leute so was annehmen“. Ihr Tipp: „Wer beim Anfassen ein komisches Gefühl hat, sollte ganz genau prüfen“ – oder den Schein zurückweisen. Ärgerlich sei, dass viele Menschen nur „große“ Scheine genauer prüfen, der Fünfziger dagegen noch bedenkenlos angenommen wird. Dabei ist der 50er weiterhin der mit Abstand am häufigsten gefälschte Schein: Etwa jede zweite Blüte ist ein falscher Fuffziger, gefolgt vom Hunderter und mit weitem Abstand von Zwanzigern. 500er wurden 2004 gerade einmal 50 Stück entdeckt. Auch die Mitte Dezember in Potsdam aufgeflogene Fälscherwerkstatt wollte 50er drucken. Die Bundesbank hatte den noch nicht fertig gestellten Scheinen hervorragende Qualität attestiert.

Derzeit seien in Berlin „sehr gute“ 50er im Umlauf, warnte Kadow.Bei den Blüten sei noch nicht einmal klar, aus welchem Land sie kommen, vermutlich aus Bulgarien oder Italien. Neben den baltischen Staaten gibt es dort die besten Geldfälscher. Als schlechtester Fälscher des Jahres 2004 gilt ein Weddinger Schüler. Im Kinderzimmer wurden per Computer einige 50er gedruckt. Der 15-Jährige schickte seinen gleichaltrigen Kumpel dann zum Wechseln in ein Weddinger Bordell – wo das Ganze sofort aufflog.

In Deutschland kommen derzeit auf eine Million Banknoten zwanzig Fälschungen. Das klingt wenig, ist aber doppelt so viel wie zu D-Mark-Zeiten. Der Euro sei wegen des großen Absatzgebiets für Fälscher sehr attraktiv, heißt es bei der Bundesbank. Der größte Fang in Berlin gelang der Kripo im Dezember, dabei waren fast 2000 aus Bulgarien stammende Fünfziger sichergestellt worden. Sechs Männer der Bande waren festgenommen worden.

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