Berlin : Familiärer Bürgerschreck

Susanne Kippenberger liest aus ihrem Buch über ihren Bruder, den Künstler Martin Kippenberger

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Er war ein Anarchist und Gentleman, Bürgerschreck und Familienmensch, Alleinunterhalter und Enfant terrible: Martin Kippenberger, der in den siebziger, achtziger und neunziger Jahren den Kunstbetrieb aufmischte und heute als einer der erfolgreichsten Künstler der deutschen Gegenwartskunst gilt. Er tobte durch die Kneipen und die Nächte, provozierte, wo er konnte, und arbeitete wie besessen – bis zu seinem frühen Tod. Vor zehn Jahren ist Martin Kippenberger im Alter von 44 Jahren gestorben, von Alkohol, Drogen und Krebs zerfressen.

Für Tagesspiegel-Redakteurin Susanne Kippenberger war der Popstar der Kunstwelt mehr als nur das: Er war ihr großer Bruder, Beschützer und Verbündeter. Sie hat dem „Kerl“, wie er in der Familie hieß, ein eindrucksvolles Buch gewidmet, das seinen schillernden Charakter, sein Werk und seine Zeit verständlich macht: „Kippenberger – Der Künstler und seine Familien“, erschienen im Berlin Verlag (576 Seiten, 22 Euro). Darin beschreibt sie die gemeinsame Kindheit in Essen-Frillendorf, Martins rastlosen Weg durch die Wohngemeinschaften, Ateliers und Nachtlokale in Hamburg, Berlin, Florenz, Paris bis hin zu den großen Ausstellungen und dem beginnenden Ruhm. Die Autorin hat zahlreiche Weggefährten Kippenbergers befragt, und so entsteht ein vielschichtiges Porträt eines Mannes, der alles in Kunst verwandelte und sich selbst als lebendes Kunstwerk sah.

Im Salon liest Susanne Kippenberger aus ihrem Buch und spricht mit Tagesspiegel-Redakteur Norbert Thomma über das exzessive und so fruchtbare Leben ihres Bruders. Veranstaltungsort ist das stilvolle Löwenpalais in Grunewald, in dem junge Künstler gefördert werden und ausstellen, zurzeit der Photograph Udo Spreizenbach. Die literarischen Köche von eßkultur servieren dazu den Nudelauflauf, nach dem Kippenberger zeitlebens suchte, und Jazzpianist Johannes Kersthold spielt Musik ganz nach seinem Geschmack: Boogie-Woogie und Swing. D. N.

Zeitung im Salon mit Susanne Kippenberger, am Donnerstag, 26. April, 19.30 Uhr, im Löwenpalais, Koenigsallee 30–32, in Grunewald. Eintritt (inklusive Essen) 14 Euro. Anmeldung ist erforderlich unter Tel. (030) 26009 609, am Dienstag von 7.30 Uhr bis 20 Uhr. Die Zahl der Plätze ist begrenzt. Gehen mehr Anmeldungen ein, entscheidet das Los.

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