Berlin : Familie Aydin hofft auf den Bundespräsidenten

Die 17-jährige Tochter der von Abschiebung bedrohten Kurden traf Horst Köhler

Matthias Jekosch

Versprechen wollte er ihr nichts, der Bundespräsident. Dennoch schöpft Hayriye Aydin nach ihrem Gespräch mit Horst Köhler „große Hoffnung“, dass die 13- köpfige Familie vielleicht doch nicht auseinandergerissen wird, weil die Eltern und vier Kinder in die Türkei abgeschoben werden. Es war eher Zufall, dass die 17-jährige Schülerin die Gelegenheit bekam, unter vier Augen mit dem Bundespräsidenten zu sprechen. Hayriye Aydin war am Mittwochabend wegen ihres sozialen Engagements zur Popnacht „Bellevue unplugged“ in Köhlers Amtssitz eingeladen worden. „Er will sich mit dem Fall beschäftigen“, berichtete sie hinterher.

Ihre Hoffnung wurde am Donnerstag auch durch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) gestärkt: „Wenn die Menschen im Land sind und auch keine Chance besteht, sie aus dem Lande herauszubringen, wenn man sie vielleicht auch gar nicht abschieben kann, muss man Regelungen finden, damit umzugehen“, sagte Schäuble auf einem Treffen mit Europas Innenministern am Donnerstag in Heiligendamm. Besonders Innensenator Ehrhart Körting (SPD) dürfte bei diesen Worten genau hinhören. Er hatte sich im Fall Aydin unnachgiebig gezeigt, nachdem ihm in der Vergangenheit vorgeworfen wurde, er entscheide zu oft zu Gunsten der Asylbewerber. Zuletzt signalisierte Körting, dass zumindest ein Bleiberecht für Hayriye und zwei ihrer Schwestern möglich sei. Gestern sprach sich auch die Bezirksverordnetenversammlung in Friedrichshain-Kreuzberg dafür aus, dass die Familie bleiben kann.

Andere Familien in Berlin befinden sich in einer ähnlichen Lage. Manche warten vergeblich – wie die Familie Markovic aus Serbien. Seit 1996 lebten die alleinerziehende Mutter und ihre Kinder in Berlin. Drei der vier Kinder im Alter von zwölf, 14 und 16 Jahren gingen hier zur Schule. Der vierjährige Dragan besuchte den Kindergarten. Am Sonntagvormittag um halb zwölf standen vier Polizisten vor der Weddinger Wohnung und holten die Roma-Familie ab. Bis zu ihrer Abreise nach Belgrad am Abend wurde die Familie in Gewahrsam gehalten. Solch eine Behandlung war allerdings gar nicht nötig: Die Familie wollte freiwillig abreisen, nachdem Körting der positiven Empfehlung der Härtefallkommission nicht gefolgt war. Am Mittwoch vergangener Woche versagte das Verwaltungsgericht nach einem Eilverfahren das Bleiberecht. Zusammen mit ihrem Schwager ging die Mutter Soja Markovic am Donnerstag zur Rückkehrberatungsstelle und unterzeichnete den Antrag auf eine freiwillige Ausreise und den Wunsch, in ein Förderprogramm aufgenommen zu werden.

Martina von Barany von der Beratungsstelle bestätigt das. Allerdings wies sie die Familie darauf hin, dass der Antrag nicht vor einer Ausweisung schütze. Die Ausländerbehörde wurde noch am selben Tag informiert. „Normalerweise gilt der Grundsatz: Freiwillige Abreise vor Abschiebung“, sagte von Barany. Als „skandalös“ bezeichnete Elisabeth Reese, Asylberaterin für mehrere Kirchengemeinden mit Sitz in der Kreuzberger Heilig-Kreuz- Kirche, das darauf folgende Vorgehen. Weder die Ausländerbehörde noch die Polizei waren am Donnerstag zu einer Stellungnahme bereit. Innensenator Körting war nicht erreichbar.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben