Familie in Berlin : Experten in eigener Sache

Ab heute können Familien online diskutieren, wie die Stadt familienfreundlicher werden kann.

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Am Ende sollen Vorschläge stehen, wie die Situation von Familien in Berlin verbessert werden kann. Am Anfang wird mit Familien gesprochen: Darüber, wie sie das Leben mit Kindern in Berlin wahrnehmen, was ihnen an der Stadt gefällt oder wo nachgebessert werden muss. Damit möglichst viele Familien bei den Gesprächen dabei sein können, findet das Ganze im Netz statt: Ab heute können Berliner im Online-Dialog, für den der Tagesspiegel Medienpartner ist, über das Familienleben in der Stadt diskutieren.

Auf den Weg gebracht hat das Ganze der Berliner Familienbeirat, der vom Senat berufen wurde und sich für die Belange von Familien einsetzt. Im Herbst wird das Gremium, an dem Vertreter von Parteien, aus Wirtschaft und Wissenschaft beteiligt sind, dem Senat den Familienbericht überreichen. Er wird eine Bestandsaufnahme enthalten und Empfehlungen an die Politik. „Die Ergebnisse aus den Diskussionen des Online-Dialogs fließen ebenfalls ein und landen so unmittelbar bei der Politik“, sagt der Vorsitzende des Beirats, Peter Ruhenstroth-Bauer. „Familien werden als Experten aus der Praxis ernst genommen.“ Auch Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) wird Familien als Diskussionspartner Rede und Antwort stehen. „Der Online-Dialog ist eine sehr attraktive Plattform, auf der die Bürger direkt Kritik und Ideen austauschen können“, sagt Zöllner. „Für die Politik sind diese Impulse wichtig.“

Ein erster Online-Dialog fand schon 2008 statt: Dabei ging es etwa darum, wie Kinderbetreuung besser organisiert werden kann oder wie sich Kinder und Beruf besser vereinbaren lassen können. „318 Diskutanten haben mitgeredet“, sagt Ruhenstroth-Bauer. „Mehr als 38 000 Mal wurde die Seite von Interessenten aufgerufen.“

Aus den moderierten Gesprächen entstanden verschiedene Vorschläge. So wollten Berliner Familien mehr Erzieherinnen in den Kitas und mehr Freizeitangebote in den Schulhorten für ihre Kinder. Manche der Wünsche sind bereits erfüllt worden – mehr Erzieherinnen etwa wurden durch das Kita-Volksbegehren bereitgestellt (weitere Ergebnisse siehe Grafik).

Beim letzten Mal sei berlinweit diskutiert worden, sagt Ruhenstroth-Bauer. Dieses Mal will der Beirat insbesondere Einblick in die verschiedenen lokalen Kieze bekommen: „Es soll konkret darum gehen, ob etwa dem U-Bahnhof um die Ecke ein kinderwagenfreundlicher Aufzug fehlt.“ Repräsentativ sei das Ergebnis des vierwöchigen Dialogs natürlich nicht. „Aber es ist ein wunderbares Echolot hinein in die Bevölkerung.“

Mitdiskutieren kann jeder – Infos und Anmeldung unter www.zusammenleben-in-berlin.de

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