Die Fehlquote in den Berliner Schulklassen liegt bei 6,9 Prozent. Experten misstrauen jedoch vielen Krankschreibungen. Unterdessen Senator Zöllner erhöht den Druck auf Schwänzer.
Immer häufiger bleiben Berliner Schüler dem Unterricht fern. Laut Bildungsverwaltung lag die Fehlquote von Mädchen und Jungen im vergangenen Schuljahr bei 6,9 Prozent, was einer Steigerung von 0,3 Prozent entspricht. Dass davon durchschnittlich nur 1,4 Schüler unentschuldigt fehlten, beruhigt die Experten nicht. Denn in vielen Fällen misstrauen Lehrer, Schulleiter und Bildungspolitiker den Entschuldigungen von Eltern und sogar den Attesten der Ärzte.
Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hat daher in seiner Antwort auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus darauf hingewiesen, dass der Senat mit der Neufassung der „Ausführungsvorschrift Schulpflicht“ nun erstmals ermöglicht hat, dass Schulen bei Zweifeln ein amtsärztliches Gutachten einholen können.
In der Praxis bedeute dies, dass die Schulbehörde das zuständige Gesundheitsamt beauftragen kann, festzustellen, ob ein Schüler tatsächlich so krank ist wie dargestellt. Zöllner fügte in seiner Antwort auf die Anfrage hinzu, dass man noch Erfahrungen mit dem neuen Instrumentarium abwarten müsse.
Das kann allerdings dauern. Denn weder der Bildungs- noch der Gesundheitsverwaltung sind bislang Fälle bekannt, in denen ein solches Gutachten erstellt wurde. Die Verwaltungen müssten darüber auch nicht informiert werden, sagten die Sprecher beider Verwaltungen – und verwiesen auf die Bezirke.
Aber auch dort scheint man von den Möglichkeiten der neuen Verordnung noch nichts gehört zu haben. Vertreter der Schul- und Gesundheitsämter in Neukölln und Mitte reagierten gestern unisono mit Kopfschütteln: Nein, davon wisse man nichts, hieß es. Woher solle denn das Personal für solche Gutachten kommen? Und wie solle man Eltern zwingen, ihre Kinder begutachten zu lassen?
Dabei ist das Problem nicht neu. Lehrer berichten seit Jahren von gehäuften Krankschreibungen vor oder nach den Ferien. „Unter den Schülern kursieren sogar Listen von Ärzten, die – ohne groß zu diskutieren – Atteste ausstellen“, sagt ein Schulleiter aus Kreuzberg.
Auch die Ärztekammer Berlin kennt solche Fälle. „Tatsächlich werden sogenannte Gefälligkeitsatteste am meisten für Schüler ausgestellt“, sagt Sprecherin Sybille Golkowski: „Sie nehmen offenbar sogar zu. Schuld daran sind aber nur einige wenige schwarze Schafe unter den Ärzten.“ Die Ärztekammer gehe solchen Hinweisen nach, berichtet die Sprecherin. Sie verteile gegebenenfalls Rügen und mache die Mediziner darauf aufmerksam, dass falsche Atteste gegenüber Behörden auch ein Straftatbestand seien.
„Auch wenn wir grundsätzlich dafür sind, dass die ärztliche Schweigepflicht nicht angetastet wird, begrüßen wir die Initiative des Bildungssenators für ein härteres Vorgehen“, sagt Golkowski. Besonders ärgerlich seien Fälle, wo Schülern ärztliche Atteste ausgestellt werden, um bestimmten religiösen Weltanschauungen zu genügen – wenn beispielsweise einem muslimischen Mädchen, das nicht am Schwimmunterricht teilnehmen soll, eine Hautkrankheit attestiert wird.
„Gegen solche Fälle konnten wir aber schon immer vorgehen“, sagt der Leiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes Neukölln, Andreas Zintl: „Wenn eine Sportbefreiung für länger als vier Wochen vorliegt, setzen wir uns auf Wunsch der Schule mit den Eltern in Verbindung, vereinbaren einen Termin und geben eine Empfehlung ab.“ Dies geschehe allerdings stets auf freiwilliger Basis. „Alles andere würde unseren Auftrag auch konterkarieren. Wir sind ja keine Ordnungsbehörde.“
Am häufigsten bleiben laut Senatsbildungsverwaltung übrigens Sonderschüler mit Förderschwerpunkt „Lernen“ (14,4 Prozent) und Hauptschüler (12,4 Prozent) dem Unterricht fern. Seltener fehlten Gymnasiasten (4,4 Prozent) und Realschüler (6,5 Prozent).
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 20.08.2009)
Kommentare [ 29 ] Kommentar hinzufügen »
mal wieder ein papiertiger, der nichts bewegt, aber beschäftigung für die bürokraten bietet
Ist so klassisch von Ihnen: Bei rot/rotem Senat wird die Schule geschwänzt und bei einem CDU Senat gehen alle wieder in die Schule.
Hört sich schon irgendwie extrem dumm an.
... möchte wohl eher von der Problematik ablenken.
Eine solche Untersuchung scheut - aus Gründen allgemeiner politischer Korrektheit - davor zurück, die Schulschwänzer bestimmten Bevölkerungsgruppen zuzuordnen.
Wann kommt der erste Politiker und behauptet, Schulschwänzer sein aus Gründen sog. "sozialer Ungerechtigkeit" geradezu zum Schulschwänzen gezwungen?
Wann immer du mit dem Finger auf jemanden zeigst, zeigen 3 Finger deiner eigenen Hand zurück auf dich.
Spiegelt man gar eigene Denkmuster und Handlungsweisen?
http://www.tagesspiegel.de/berlin/art270,2397845
„Die Zahl ist etwa viermal höher als in anderen Bereichen“, sagte gestern der Vorsitzende Joachim Jetschmann auf Anfrage. Demnach bleiben Berlins rund 1000 langzeitkranke Lehrer im Schnitt 43 Wochen der Arbeit fern. Der Rekord liegt aktuell bei 250 Wochen...
RBB:In Berlin sind mehr als 1500 Lehrer dauerhaft krank.
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/129998/index.php
...Pädagogen sind manches Mal nicht gewillt, so lange zu arbeiten. Um der zusätzlichen Anwesenheitspflicht zu entgehen, die in Schulen herrscht, die nun auf "Ganztagsbetrieb" umgestellt werden, melden sich einige der Beamten einfach krank.
Überraschend viele Lehrer lassen sich einfach krank schreiben. In der zurückliegenden Woche fehlte fast jeder dritte Pädagoge. Und "vor den Weihnachtsferien lag der Krankenstand an einzelnen Tagen bei über 50 Prozent", bestätigte Bildungsstaatssekretärin Claudia Zinke.
Und noch ein Gedanke:
Statt Kinder, Eltern und Ärzte zu "kontrollieren", könnte man auch versuchen, die Attraktivität des Schulbesuchs FÜR SCHÜLER UND LEHRER zu steigern.
Ich weiß, in einem Land mit gesetzlicher Schulpflicht ein gewagter Gedanke ;-)
Vera F. Birkenbihl schreibt frei nach John Holt (ein ehemaliger Lehrer) in "Lernen trotz Schule":
Schulpflicht - Ein Experiment
Jedem Schüler 30 Fehltage pro Jahr einräumen
Anhand der genutzten Fehltage Rückschlüsse auf Unterrichtsqualität etc. und Verbesserungsmöglichkeiten erarbeiten und umsetzen.
In Berichten über die Bielefelder Laborschule hörte man Kinder sagen: Ich freue mich, wenn die Ferien zu Ende sind, und ich wieder zur Schule darf.
Diese Akzepzanz schafft man nicht mit Anwesenheitspflicht, Kontrollen und daraus resultierenden Repressalien.
"Laut Bildungsverwaltung lag die Fehlquote von Mädchen und Jungen im vergangenen Schuljahr bei 6,9 Prozent, was einer Steigerung von 0,3 Prozent entspricht. Dass davon durchschnittlich nur 1,4 Schüler unentschuldigt fehlten..."
Bei den 0,3% muss es wohl Prozentpunkte heißen.
Und was mit "davon" durchschnittlich 1,4 Schüler gemeint ist, bleibt völlig schleierhaft. 1,4% von 6,9%? Dann bewegt man sich im Promillebereich. Wird wohl gemeint sein, dass 1,4% aller Schüler oder 1,4 Prozentpunkte der 6,3% unentschuldigt fehlen.
*Ironie*
Und was ist mit der Kindsmutter die gemeinsam mit dem Kindsvater das Kind beeltert? Haben diese kein Interessen daran dass ihr Kind in der Schule beschult wird? Im Zweifalle haben Kindsmutter und/oder Kindsvatter das Kind zum Ort der Beschulung zu verbringen. Angezeigt ist eventuell auch eine Überprüfung des Anteiles deutscher Staatsbürger andersweitiger Nationalität. Ob bei Versagen der Beelterung weiterer behördlicher Beistand mit einer Versagung abschlägig beschieden wird ist zu prüfen.
Jetzt alles klar?
Wenn die Autorin schon mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß steht und mit einem syntaktischen Anglizismus meint daherkommen zu müssen, dann doch bitte perfekt. Vorschlag:
"Unterdessen, Senator Zöllner erhöht den Druck auf Schwänzer."
Und überhaupt, warum beklagen sich Lehrer über "gehäufte Krankschreibungen vor oder nach den Ferien"...
in den letzten 2 Wochen vor den Ferien passiert doch eh nicht mehr viel...
und nach den Ferien gehts wahrscheinlich auch dieses Jahr nur sehr langsam und vor allem mit Wiederholungen los...
Anbrüllen im Klassenraum , hohe Lärmfrequenzen , Prügeleien auf dem Schulhof , Mobbing , Notendruck VS alles am Leben vorbei lernen ....
zu Hause kann man auch gut lernen, nämlich das, was wirklich im Leben notwendig ist .
Vieleicht sind sie überhaupt erst in diesen Schulformen, weil sie so oft schwänzen. Wie auch immer, später regen sie sich dann sicher darüber auf, dass Harz IV ausgrenzt ...
Als unentschuldigtes Fehlen gilt nämlich auch, wenn die Krankmeldung durch die Eltern und/oder die Krankschreibung durch den Arzt zu spät in der Schule eintrifft. In vielen Schulen muss am dritten Tag eine schriftliche Krankmeldung vorliegen, d.h. sie muss spätestens am zweiten Fehltag abgeschickt werden.
Außerdem müssen die Entschuldigungen für Beurlaubungen wegen Bewerbungsgespräch, Beerdigung, religiösen Feiertags o.ä. vorher abgegeben werden, was viele Eltern nicht wissen.
"In der Hauptstadt fehlte bis Ende Juni jeder Versicherte der KKH-Allianz durchschnittlich elf Tage."
so eine aktuelle Studie des Unternehmens.
19. November 2008
"Seit Jahren gehen die Fehlzeiten in den Betrieben stetig zurück: Wurde 1997 noch jeder Arbeitnehmer durchschnittlich rund 18,5 Kalendertage im Jahr krankgeschrieben, so sind es 2007 nur noch 16,4 Tage."
so die AOK.
Diese sind es doch, die bei Erwachsenen teilweise zu erheblichen Fehlzeiten führen und damit auch den Durchschnitt beeinflussen.
Wie viele Kinder haben denn z. B. Bandscheibenvorfälle, Krebsleiden, Herzerkrankungen, Rheuma o.ä. ?
Tatsächlich ist es doch oft so, dass man eben mal wieder pünktlich zur Klassenarbeit krank wird. Mir würde auch schlecht werden, wenn ich weiß, dass ich nicht vorbereitet bin! Ich bekam auch einmal Fieber (wirklich!), als mein Aufsatz zum Termin nicht fertig war.
Natürlich gibt es Kinder, die dem schulischen Druck nicht standhalten können, für die jede Leistungsüberprüfung die Hölle ist, die dann plötzlich alles Gelernte vergessen haben. Dem sollten die Eltern aber konkret nachgehen und eventuelle Befunde unbedingt mit dem Klassenlehrer besprechen!
Nicht unterschätzen sollte man auch die Zahl der Kinder, die Angst vor Mitschülern haben und deshalb so oft wie möglich dem Schulbesuch ausweichen. Die haben meist wirklich Bauchschmerzen!
Da ist insbesondere die Aufmerksamkeit der Eltern gefragt, die dann gemeinsam mit der Schule Wege finden müssen.
Mit den Gefälligkeitsattesten sich zusätzliche billige Ferientage zu erschleichen, erzieht die Kinder zum Lügen. Normalerweise bestrafen Eltern das Lügen ihrer Kinder mit Freiheits- und Medienentzug (Hausarrest/Computer- und Fernsehverbot), aber hier erzwingen sie sogar von ihren Kindern. Und sie zeigen ihren Kindern Regeln muss man nur befolgen, wenn sie gut für einen selbst sind.
"Unentschuldigtes Fehlen" wird in ein entschuldigtes Fehlen umgewandelt, wenn das Attest vorliegt. Als Mutter oder Vater braucht man auch nur morgens in der Schule anzurufen und das Kind krank zu melden und kann dann gleich sagen, wie lange es dauern könnte.
Ärztliche Atteste kann man mal eben vorbei bringen, keine Schule ist soweit weg.
Für Bewerbungsgespräche und familiäre Feiern gibt es keine "Entschuldigung", sondern die Eltern beantragen in der Schule vorher einen Urlaubstag. Einen Tag kann der Klassenlehrer genehmigen, bei mehreren Tagen entscheidet die Schulleitung.
Trotz telefonischer Information muss eine schriftliche Krankmeldung am dritten Fehltag in der Schule sein. Bei zu spät eingereichten Krankmeldungenen oder Attesten wird das unentschuldigte Fehlen nicht mehr in ein entschuldigtes umgewandelt. Und Oberschulen sind eben oft nicht gerade um die Ecke. Meine Kinder (und die von Bekannten) gehen/gingen jedenfalls fast ausschließlich auf Oberschulen, wo eine Fahrt mit der BVG erforderlich ist/war. Als Berufstätiger kann man die Krankmeldung also nicht mal eben vorbei bringen, zumal die Schulbüros ja gegen Mittag zumachen.
Zu den Beurlaubungen wegen wichtiger Termine: Es wissen einfach viele Eltern nicht, dass sie das vorher beantragen müssen. So kann es unbeabsichtigt zu unentschuldigtem Fehlen kommen.
Aus meiner Erfahrung heraus halte ich daher die Zahl der unentschuldigten Fehltage für zu hoch.
Ich hörte von einer Einrichtung genannt "Post". Die Zustellung am nächsten Tag klappt fast immer und daran soll sich innerhalb Berlins - selbst bei den neuesten Spar-Überlegungen der DPAG - nichts ändern. Kostenpunkt: 1 Briefumschlag und eine 55-Cent-Briefmarke.
Wenn Sie die Krankmeldung aber doch persönlich vorbeibringen möchten und das Schulbüro hat schon zu, gibt es eine weitere Erfindung: den "Hausbriefkasten"!
Versuchen Sie's doch einfach mal...
Und Hausbriefkästen gibt's längst nicht bei allen Schulen (eigene Erfahrung!). Von Lehrern wird man schon drauf hingewiesen, die Krankmeldungen nicht anderen Schülern (also auch nicht Geschwistern) mitzugeben, weil diese die ja vergessen oder verbummeln könnten und das ginge natürlich zu Lasten des fehlenden Schülers.
Natürlich kann man - wenn man gut genug informiert und organisiert ist - das alles beachten und dann wird man keine Schwierigkeiten haben. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich eben, dass es bei manchen nicht so klappt. Daher kann es eben sein, dass nicht alle unentschuldigten Fehlzeiten wirklich Schwänzen sind.
- man kann ein paar Arbeitsplätze in der Sozialindustrie schaffen, die dann Eltern zu Hause anrufen, aber nichts bewirken können.
Man ist schier verblüfft ob solch "effizienter" Maßnahmen.
Wie heißt es so schön im Sport: Entscheidend ist, was hinten raus kommt.
Nicht so bei Senatens.
Die martialische Vorschriftenmeierei von Verantwortlichen soll doch nur von deren erheblichen Versäumnissen ablenken. Rechtlich wird durch die geplanten Vorschriften NICHTS erreicht, außer dass sich die Urheber wieder einmal lächerlich machen zu zeigen, dass sie hilf- und ahnungslos sind.
Zöllner soll endlich seinen Hut nehmen und verschwinden, er ist genau so ein De.., wie seine Vorgänger auch. Es gibt qualifizierte Menschen, die durchaus an seiner Stelle etwas sinnvolles bewirken könnten.
Immerhin wurden in den letzen zehn Jahren einige Steuergelder für Studien investiert. Auch der Berliner Senat hat bereits 2001 ausführliche Empfehlungen veröffentlicht, nachfolgend ein paar Textpassagen.
Schönen Sonntag
LaraM
Die Landeskommission Berlin gegen Gewalt hat sich im Rahmen ihrer 33.
Sitzung am 27. September 2001 mit dem Problem der Schulverweigerung befasst
und vor dem Hintergrund, dass im Hinblick auf dieses Thema keine gesicherten
Informationen für Berlin vorlagen, beschlossen, eine ressortübergreifende
Arbeitsgruppe mit dem Auftrag einzurichten, eine Problemdefinition zu
erarbeiten, Daten für Berlin zu erheben, Maßnahmen zum Umgang mit dem
Problem zu entwickeln und eine Recherche zu bereits vorhandenen Angeboten im
Hinblick auf das Problem der Schulverweigerung durchzuführen.
An der Arbeitsgruppe nehmen Vertreter/innen der Geschäftsstelle der
Landeskommission Berlin gegen Gewalt (Federführung), der Senatsverwaltung
für Bildung, Jugend und Sport, des Landesjugendamtes, der Bezirke, des
Schulpsychologischen Dienstes, der Senatsverwal-tung für Inneres, der
Berliner Polizei, der Ausländerbeauftragten des Senats von Berlin sowie
Schulleiter teil
http://www.berlin.de/imperia/md/content/lb-lkbgg/veroeffentlichungen/2004/empfehlungen_ag.pdf
.........Ausschnitte aus dem 43 Seiten umfassenden Text:
Gründe für Schuldistanz können sein: u.a.
Probleme in der Struktur schulischen Lernens- Leistungsdruck, Versagensängste, erfolgloses Lernen, schlechte Zensuren,
Klassenwie-derholungen, Herunterstufung in eine geringwertige Schulform,
falsche Schulform, nicht bewältigte Übergänge,
- keine Aussicht auf guten Schulabschluss, auf eine Lehrstelle, auf gute
Berufsausbildung,
- Anpassungsforderungen
Unterricht ist aufgrund sich wiederholender Abläufe langweilig,
- schulische Bildungsinhalte werden als bedeutungslos bzw. sinnlos
empfunden,
- schulisches und außerschulisches Leben und Lernen sind getrennt,
- Lernen hat zu wenig mit den Interessen, den Lebenslagen der Sch. zu tun,
- schulisches Lernen hat zu wenig gegenwärtigen Gebrauchswert
Probleme auf der Ebene der Partizipation
- Schüler/innen haben zu wenig Möglichkeiten bzw. Rechte an der Gestaltung
ihrer Schule mitzuwirken.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt der Senatsverwaltung für Bildung Jugend und
Sport,
zu prüfen, ob vor dem Hintergrund der erhobenen Daten zur Schuldistanz die
bisheri-gen Regelungen bzgl.
• des § 1 Schulgesetz,
• der Schulpflicht,
• der Versetzungsentscheidungen,
• der Zensurengebung in den Hauptfächern,
• der AV Praktikum,
• der Rahmenpläne und
• der Lehrerarbeitszeit
zu ändern sind.
Begründung und Maßnahmevorschläge
Die genannten Regelungen stehen dem Ziel einer erfolgreichen Beschulung
schulmü-der/schuldistanzierter Schüler/innen entgegen. Dabei sei
ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei den aufgeführten und
erläuterten Vorschlägen um solche handelt, die keine Kosten verursachen.
Schulpflicht:
Folgende Formulierung sollte ins Schulgesetz aufgenommen werden:
„Befreiung von der Schulpflicht soll bei entsprechender Empfehlung durch die
zuständige Helferkonferenz (Schule/Jugend) ausgesprochen werden, wenn die
Erfüllung der Schulpflicht nicht für sinnvoll gehalten wird.“
Die gegenwärtigen Bestimmungen zur Schulpflicht sind zu starr.
LaraM
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Landespolitik-DRK-Charlottenburg-Verhaltensstoerung;art124,2685657
„Das Regelsystem ist nicht flexibel genug“, ist die Erfahrung, von Michael von Aster, der auch Sonderpädagoge ist. So passiert es immer wieder, dass Kinder, die aus der Psychiatrie längst entlassen
waren, nach einiger Zeit zurück sind, weil sie in genau die Umgebung
zurückkehren mussten, in der sie zuvor krank geworden waren
http://www.sfi-frankfurt.de/fileadmin/redakteure/pdf/03_Mitarbeiter_PDFs/03_Haubl_Manuskripte/Haubl_Schule_als_pathogener_Ort.pdf
November 2006
Rolf Haubl
(Sigmund-Freud-Institut)
Schule als pathogener Ort