[Kommentare: 29]

Schulschwänzer

Schulbehörde will Atteste überprüfen lassen

Die Fehlquote in den Berliner Schulklassen liegt bei 6,9 Prozent. Experten misstrauen jedoch vielen Krankschreibungen. Unterdessen Senator Zöllner erhöht den Druck auf Schwänzer.
Anzeige
Bild vergrößern
Foto: Mike Wolff
Immer häufiger bleiben Berliner Schüler dem Unterricht fern. Laut Bildungsverwaltung lag die Fehlquote von Mädchen und Jungen im vergangenen Schuljahr bei 6,9 Prozent, was einer Steigerung von 0,3 Prozent entspricht. Dass davon durchschnittlich nur 1,4 Schüler unentschuldigt fehlten, beruhigt die Experten nicht. Denn in vielen Fällen misstrauen Lehrer, Schulleiter und Bildungspolitiker den Entschuldigungen von Eltern und sogar den Attesten der Ärzte.

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) hat daher in seiner Antwort auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus darauf hingewiesen, dass der Senat mit der Neufassung der „Ausführungsvorschrift Schulpflicht“ nun erstmals ermöglicht hat, dass Schulen bei Zweifeln ein amtsärztliches Gutachten einholen können.

In der Praxis bedeute dies, dass die Schulbehörde das zuständige Gesundheitsamt beauftragen kann, festzustellen, ob ein Schüler tatsächlich so krank ist wie dargestellt. Zöllner fügte in seiner Antwort auf die Anfrage hinzu, dass man noch Erfahrungen mit dem neuen Instrumentarium abwarten müsse.

Das kann allerdings dauern. Denn weder der Bildungs- noch der Gesundheitsverwaltung sind bislang Fälle bekannt, in denen ein solches Gutachten erstellt wurde. Die Verwaltungen müssten darüber auch nicht informiert werden, sagten die Sprecher beider Verwaltungen – und verwiesen auf die Bezirke.

Aber auch dort scheint man von den Möglichkeiten der neuen Verordnung noch nichts gehört zu haben. Vertreter der Schul- und Gesundheitsämter in Neukölln und Mitte reagierten gestern unisono mit Kopfschütteln: Nein, davon wisse man nichts, hieß es. Woher solle denn das Personal für solche Gutachten kommen? Und wie solle man Eltern zwingen, ihre Kinder begutachten zu lassen?

Dabei ist das Problem nicht neu. Lehrer berichten seit Jahren von gehäuften Krankschreibungen vor oder nach den Ferien. „Unter den Schülern kursieren sogar Listen von Ärzten, die – ohne groß zu diskutieren – Atteste ausstellen“, sagt ein Schulleiter aus Kreuzberg.

Auch die Ärztekammer Berlin kennt solche Fälle. „Tatsächlich werden sogenannte Gefälligkeitsatteste am meisten für Schüler ausgestellt“, sagt Sprecherin Sybille Golkowski: „Sie nehmen offenbar sogar zu. Schuld daran sind aber nur einige wenige schwarze Schafe unter den Ärzten.“ Die Ärztekammer gehe solchen Hinweisen nach, berichtet die Sprecherin. Sie verteile gegebenenfalls Rügen und mache die Mediziner darauf aufmerksam, dass falsche Atteste gegenüber Behörden auch ein Straftatbestand seien.

„Auch wenn wir grundsätzlich dafür sind, dass die ärztliche Schweigepflicht nicht angetastet wird, begrüßen wir die Initiative des Bildungssenators für ein härteres Vorgehen“, sagt Golkowski. Besonders ärgerlich seien Fälle, wo Schülern ärztliche Atteste ausgestellt werden, um bestimmten religiösen Weltanschauungen zu genügen – wenn beispielsweise einem muslimischen Mädchen, das nicht am Schwimmunterricht teilnehmen soll, eine Hautkrankheit attestiert wird.

„Gegen solche Fälle konnten wir aber schon immer vorgehen“, sagt der Leiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes Neukölln, Andreas Zintl: „Wenn eine Sportbefreiung für länger als vier Wochen vorliegt, setzen wir uns auf Wunsch der Schule mit den Eltern in Verbindung, vereinbaren einen Termin und geben eine Empfehlung ab.“ Dies geschehe allerdings stets auf freiwilliger Basis. „Alles andere würde unseren Auftrag auch konterkarieren. Wir sind ja keine Ordnungsbehörde.“

Am häufigsten bleiben laut Senatsbildungsverwaltung übrigens Sonderschüler mit Förderschwerpunkt „Lernen“ (14,4 Prozent) und Hauptschüler (12,4 Prozent) dem Unterricht fern. Seltener fehlten Gymnasiasten (4,4 Prozent) und Realschüler (6,5 Prozent).

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 20.08.2009)
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Verfassungsgericht:

Karlsruhe kippt Hartz-IV-Sätze
UPDATE Auf die schwarz-gelbe Koalition kommen viel Arbeit und möglicherweise Mehrkosten in Milliardenhöhe zu. Die Hartz-IV-Regeln für Kinder und Erwachsene sind verfassungswidrig.

Werbung:

Großplakate dürfen nur noch sechs Monate hängen
Werbetafeln an Berliner Baustellen müssen künftig genehmigt werden und "stadtverträglich" sein. Damit dürfte sich in Zukunft mancher Streit um den Missbrauch öffentlicher Flächen vermeiden lassen.

Kommentare [ 29 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von unbekannt | 19.8.2009 17:47 Uhr
es lebe die Bildungspolitik von RotRot

mal wieder ein papiertiger, der nichts bewegt, aber beschäftigung für die bürokraten bietet
Comment
von robert56 robert56 ist gerade offline | 20.8.2009 10:23 Uhr
Ich glaube kaum
das ein Schulschwänzer sich mit Parteipolitik beschäftigt.

Ist so klassisch von Ihnen: Bei rot/rotem Senat wird die Schule geschwänzt und bei einem CDU Senat gehen alle wieder in die Schule.

Hört sich schon irgendwie extrem dumm an.
Comment
von unbekannt | 20.8.2009 11:59 Uhr
wer Schulschwänzen an Parteien festmacht, .....
@robert56

... möchte wohl eher von der Problematik ablenken.

Eine solche Untersuchung scheut - aus Gründen allgemeiner politischer Korrektheit - davor zurück, die Schulschwänzer bestimmten Bevölkerungsgruppen zuzuordnen.

Wann kommt der erste Politiker und behauptet, Schulschwänzer sein aus Gründen sog. "sozialer Ungerechtigkeit" geradezu zum Schulschwänzen gezwungen?

Comment
von unbekannt | 19.8.2009 17:53 Uhr
gerne und dann gleiches recht
für alle. auch die atteste der lehrer überprüfen lassen. wenn ein schüler fehlt, weil er angst hat...hilft man ihm dann? ach! ist mir noch nicht aufgefallen.
Comment
von ImmerOptimist ImmerOptimist ist gerade offline | 20.8.2009 11:32 Uhr
Fehlzeiten von Lehrern
Vorschlag: Nachweis der Fehlzeiten von Lehrern auch auf dem Zeugnis
Comment
von LOA LOA ist gerade offline | 20.8.2009 16:30 Uhr
Die Tücken des ausgestreckten Zeigefingers
Wie heißt es doch in dem alten Sprichwort so schön:
Wann immer du mit dem Finger auf jemanden zeigst, zeigen 3 Finger deiner eigenen Hand zurück auf dich.

Spiegelt man gar eigene Denkmuster und Handlungsweisen?

http://www.tagesspiegel.de/berlin/art270,2397845
„Die Zahl ist etwa viermal höher als in anderen Bereichen“, sagte gestern der Vorsitzende Joachim Jetschmann auf Anfrage. Demnach bleiben Berlins rund 1000 langzeitkranke Lehrer im Schnitt 43 Wochen der Arbeit fern. Der Rekord liegt aktuell bei 250 Wochen...

RBB:In Berlin sind mehr als 1500 Lehrer dauerhaft krank.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/129998/index.php
...Pädagogen sind manches Mal nicht gewillt, so lange zu arbeiten. Um der zusätzlichen Anwesenheitspflicht zu entgehen, die in Schulen herrscht, die nun auf "Ganztagsbetrieb" umgestellt werden, melden sich einige der Beamten einfach krank.
Überraschend viele Lehrer lassen sich einfach krank schreiben. In der zurückliegenden Woche fehlte fast jeder dritte Pädagoge. Und "vor den Weihnachtsferien lag der Krankenstand an einzelnen Tagen bei über 50 Prozent", bestätigte Bildungsstaatssekretärin Claudia Zinke.


Und noch ein Gedanke:
Statt Kinder, Eltern und Ärzte zu "kontrollieren", könnte man auch versuchen, die Attraktivität des Schulbesuchs FÜR SCHÜLER UND LEHRER zu steigern.

Ich weiß, in einem Land mit gesetzlicher Schulpflicht ein gewagter Gedanke ;-)

Vera F. Birkenbihl schreibt frei nach John Holt (ein ehemaliger Lehrer) in "Lernen trotz Schule":
Schulpflicht - Ein Experiment
Jedem Schüler 30 Fehltage pro Jahr einräumen
Anhand der genutzten Fehltage Rückschlüsse auf Unterrichtsqualität etc. und Verbesserungsmöglichkeiten erarbeiten und umsetzen.

In Berichten über die Bielefelder Laborschule hörte man Kinder sagen: Ich freue mich, wenn die Ferien zu Ende sind, und ich wieder zur Schule darf.

Diese Akzepzanz schafft man nicht mit Anwesenheitspflicht, Kontrollen und daraus resultierenden Repressalien.
Comment
von kb kb ist gerade offline | 19.8.2009 18:44 Uhr
Schätze mal, dass die Autorin des
Artikels die eine oder andere Mathestunde gefehlt hat. Was sollen denn die Sätze sagen:

"Laut Bildungsverwaltung lag die Fehlquote von Mädchen und Jungen im vergangenen Schuljahr bei 6,9 Prozent, was einer Steigerung von 0,3 Prozent entspricht. Dass davon durchschnittlich nur 1,4 Schüler unentschuldigt fehlten..."


Bei den 0,3% muss es wohl Prozentpunkte heißen.

Und was mit "davon" durchschnittlich 1,4 Schüler gemeint ist, bleibt völlig schleierhaft. 1,4% von 6,9%? Dann bewegt man sich im Promillebereich. Wird wohl gemeint sein, dass 1,4% aller Schüler oder 1,4 Prozentpunkte der 6,3% unentschuldigt fehlen.
Comment
von hansenberg hansenberg ist gerade offline | 19.8.2009 19:43 Uhr
Stimmt
Wobei Prozente eigentlich nix sagen. Wie hoch ist eigentlich der Krankenstand beim Tagesspiegel und müssen die fehlenden Mitarbeiter eine "Liegendbescheinigung" beibringen oder reicht die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung?
Comment
von flexton flexton ist gerade offline | 19.8.2009 20:37 Uhr
Und Sie waren dafür in der Stunde wo das Erbsenzählen behandelt wurde anwesend?
Eigentlich muss man einen Artikel auch wie eine Patentschrift verfassen, dazu alles im Passiv und Nominalstil.

*Ironie*

Und was ist mit der Kindsmutter die gemeinsam mit dem Kindsvater das Kind beeltert? Haben diese kein Interessen daran dass ihr Kind in der Schule beschult wird? Im Zweifalle haben Kindsmutter und/oder Kindsvatter das Kind zum Ort der Beschulung zu verbringen. Angezeigt ist eventuell auch eine Überprüfung des Anteiles deutscher Staatsbürger andersweitiger Nationalität. Ob bei Versagen der Beelterung weiterer behördlicher Beistand mit einer Versagung abschlägig beschieden wird ist zu prüfen.

Jetzt alles klar?
Comment
von rathauspiefke rathauspiefke ist gerade offline | 19.8.2009 20:42 Uhr
Unterdessen, Senator Z. erhöht
"Unterdessen Senator Zöllner erhöht den Druck auf Schwänzer."
Wenn die Autorin schon mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß steht und mit einem syntaktischen Anglizismus meint daherkommen zu müssen, dann doch bitte perfekt. Vorschlag:
"Unterdessen, Senator Zöllner erhöht den Druck auf Schwänzer."

Comment
von klaus_weiss klaus_weiss ist gerade offline | 19.8.2009 22:22 Uhr
Daß Kinder, die auffällig häufig krank sind, ...
... einer schulmedizinischer Untersuchung zugeführt werden können, ist ein alter Hut. Bisher galt allerdings: Wenn die Eltern der Vorladung nicht nachkommen, tut es uns leid, ist aber nicht zu ändern.
Comment
von unbekannt | 19.8.2009 23:09 Uhr
In der Tat
ist das Ganze ein uralter Hut - und wenn die Eltern einer Untersuchung durch den staatlichen Gesundheitsdienst widersprechen und weiter Zweifel an der Berechtigung der "Entschuldigung" bestehen, dann gilt das Fehlen als unentschuldigt. Die Eltern müssten dann klagen (Ergebnis offen, aber interessant). Im Übrigen gibt es auch zwangsweise Vorführung, z.B. bei Seuchengefahr. Bisher fehlte aber der Mut von Schulleitern und häufig auch der Rückhalt durch die Verwaltung. Zöllner muss das ja nicht alles wissen, er kennt sich in Berlin ja nicht aus, seine Verwaltung hätte ihm die bestehende Rechtslage aber erklären können.
Comment
von dirkschneider dirkschneider ist gerade offline | 20.8.2009 6:33 Uhr
Meine Güte...
das Kinder überhaupt schon ab dem zweiten Tag "Krankschreibungen" brauchen...

Und überhaupt, warum beklagen sich Lehrer über "gehäufte Krankschreibungen vor oder nach den Ferien"...

in den letzten 2 Wochen vor den Ferien passiert doch eh nicht mehr viel...

und nach den Ferien gehts wahrscheinlich auch dieses Jahr nur sehr langsam und vor allem mit Wiederholungen los...
Comment
von demokratur demokratur ist gerade offline | 20.8.2009 6:35 Uhr
Eltern tun sehr gut daran,
ihre Kinder vor *diesem hiesigen Schulsystem* weitestgehend zu schützen.
Anbrüllen im Klassenraum , hohe Lärmfrequenzen , Prügeleien auf dem Schulhof , Mobbing , Notendruck VS alles am Leben vorbei lernen ....

zu Hause kann man auch gut lernen, nämlich das, was wirklich im Leben notwendig ist .
Comment
von rpt rpt ist gerade offline | 20.8.2009 6:43 Uhr
Schwerpunkt "Lernen"
Am häufigsten bleiben laut Senatsbildungsverwaltung übrigens Sonderschüler mit Förderschwerpunkt „Lernen“ (14,4 Prozent und Hauptschüler (12,4 Prozent) dem Unterricht fern.

Vieleicht sind sie überhaupt erst in diesen Schulformen, weil sie so oft schwänzen. Wie auch immer, später regen sie sich dann sicher darüber auf, dass Harz IV ausgrenzt ...
Comment
von angel angel ist gerade offline | 20.8.2009 10:45 Uhr
Unentschuldigtes Fehlen
Unentschuldigtes Fehlen bedeutet nicht grundsätzlich Schwänzen.
Als unentschuldigtes Fehlen gilt nämlich auch, wenn die Krankmeldung durch die Eltern und/oder die Krankschreibung durch den Arzt zu spät in der Schule eintrifft. In vielen Schulen muss am dritten Tag eine schriftliche Krankmeldung vorliegen, d.h. sie muss spätestens am zweiten Fehltag abgeschickt werden.
Außerdem müssen die Entschuldigungen für Beurlaubungen wegen Bewerbungsgespräch, Beerdigung, religiösen Feiertags o.ä. vorher abgegeben werden, was viele Eltern nicht wissen.
Comment
von epunion.de epunion.de ist gerade offline | 20.8.2009 10:55 Uhr
Kirche im Dorf lassen
Was heißt 2,9% Fehlzeiten. Das sind 13,6 Fehltage pro Schuljahr. Inzwischen liegen die Fehlzeiten bei deutschen Arbeitnehmern wieder bei 8,5 Tagen im Schnitt. Hierbei schleppen sich viele Arbeitnehmer auch krank zur Arbeit aus Angst Ihren Job zu verlieren. In einigen Branchen liegen die Fehlzeiten sogar höher.

"In der Hauptstadt fehlte bis Ende Juni jeder Versicherte der KKH-Allianz durchschnittlich elf Tage."

so eine aktuelle Studie des Unternehmens.

19. November 2008

"Seit Jahren gehen die Fehlzeiten in den Betrieben stetig zurück: Wurde 1997 noch jeder Arbeitnehmer durchschnittlich rund 18,5 Kalendertage im Jahr krankgeschrieben, so sind es 2007 nur noch 16,4 Tage."

so die AOK.

Comment
von epunion.de epunion.de ist gerade offline | 20.8.2009 11:19 Uhr
@epunion.de
Korrektur : nicht "2,9%", sondern 6,9% Fehlzeiten.
Comment
von blitzableiter blitzableiter ist gerade offline | 20.8.2009 14:37 Uhr
Nun hoffe ich allerdings
das Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 19 nicht so häufig von chronischen oder altersbedingten Krankheiten betroffen sind.
Diese sind es doch, die bei Erwachsenen teilweise zu erheblichen Fehlzeiten führen und damit auch den Durchschnitt beeinflussen.
Wie viele Kinder haben denn z. B. Bandscheibenvorfälle, Krebsleiden, Herzerkrankungen, Rheuma o.ä. ?

Tatsächlich ist es doch oft so, dass man eben mal wieder pünktlich zur Klassenarbeit krank wird. Mir würde auch schlecht werden, wenn ich weiß, dass ich nicht vorbereitet bin! Ich bekam auch einmal Fieber (wirklich!), als mein Aufsatz zum Termin nicht fertig war.

Natürlich gibt es Kinder, die dem schulischen Druck nicht standhalten können, für die jede Leistungsüberprüfung die Hölle ist, die dann plötzlich alles Gelernte vergessen haben. Dem sollten die Eltern aber konkret nachgehen und eventuelle Befunde unbedingt mit dem Klassenlehrer besprechen!

Nicht unterschätzen sollte man auch die Zahl der Kinder, die Angst vor Mitschülern haben und deshalb so oft wie möglich dem Schulbesuch ausweichen. Die haben meist wirklich Bauchschmerzen!
Da ist insbesondere die Aufmerksamkeit der Eltern gefragt, die dann gemeinsam mit der Schule Wege finden müssen.
Comment
von exil_berliner exil_berliner ist gerade offline | 20.8.2009 11:33 Uhr
Bedenklich
finde ich die Aussagen " in den letzten 2 Wochen ist ja sowieso nichts los".
Mit den Gefälligkeitsattesten sich zusätzliche billige Ferientage zu erschleichen, erzieht die Kinder zum Lügen. Normalerweise bestrafen Eltern das Lügen ihrer Kinder mit Freiheits- und Medienentzug (Hausarrest/Computer- und Fernsehverbot), aber hier erzwingen sie sogar von ihren Kindern. Und sie zeigen ihren Kindern Regeln muss man nur befolgen, wenn sie gut für einen selbst sind.
Comment
von exil_berliner exil_berliner ist gerade offline | 20.8.2009 11:40 Uhr
Unentschuldigtes Fehlen
@angel
"Unentschuldigtes Fehlen" wird in ein entschuldigtes Fehlen umgewandelt, wenn das Attest vorliegt. Als Mutter oder Vater braucht man auch nur morgens in der Schule anzurufen und das Kind krank zu melden und kann dann gleich sagen, wie lange es dauern könnte.
Ärztliche Atteste kann man mal eben vorbei bringen, keine Schule ist soweit weg.
Für Bewerbungsgespräche und familiäre Feiern gibt es keine "Entschuldigung", sondern die Eltern beantragen in der Schule vorher einen Urlaubstag. Einen Tag kann der Klassenlehrer genehmigen, bei mehreren Tagen entscheidet die Schulleitung.
Comment
von angel angel ist gerade offline | 20.8.2009 12:45 Uhr
@exil_berliner
Meine Erfahrungen sind da leider anders.
Trotz telefonischer Information muss eine schriftliche Krankmeldung am dritten Fehltag in der Schule sein. Bei zu spät eingereichten Krankmeldungenen oder Attesten wird das unentschuldigte Fehlen nicht mehr in ein entschuldigtes umgewandelt. Und Oberschulen sind eben oft nicht gerade um die Ecke. Meine Kinder (und die von Bekannten) gehen/gingen jedenfalls fast ausschließlich auf Oberschulen, wo eine Fahrt mit der BVG erforderlich ist/war. Als Berufstätiger kann man die Krankmeldung also nicht mal eben vorbei bringen, zumal die Schulbüros ja gegen Mittag zumachen.
Zu den Beurlaubungen wegen wichtiger Termine: Es wissen einfach viele Eltern nicht, dass sie das vorher beantragen müssen. So kann es unbeabsichtigt zu unentschuldigtem Fehlen kommen.
Aus meiner Erfahrung heraus halte ich daher die Zahl der unentschuldigten Fehltage für zu hoch.
Comment
von loucass loucass ist gerade offline | 20.8.2009 13:21 Uhr
@angel


Zitat von angel

Meine Kinder (und die von Bekannten) gehen/gingen jedenfalls fast ausschließlich auf Oberschulen, wo eine Fahrt mit der BVG erforderlich ist/war. Als Berufstätiger kann man die Krankmeldung also nicht mal eben vorbei bringen, zumal die Schulbüros ja gegen Mittag zumachen.



Ich hörte von einer Einrichtung genannt "Post". Die Zustellung am nächsten Tag klappt fast immer und daran soll sich innerhalb Berlins - selbst bei den neuesten Spar-Überlegungen der DPAG - nichts ändern. Kostenpunkt: 1 Briefumschlag und eine 55-Cent-Briefmarke.

Wenn Sie die Krankmeldung aber doch persönlich vorbeibringen möchten und das Schulbüro hat schon zu, gibt es eine weitere Erfindung: den "Hausbriefkasten"!

Versuchen Sie's doch einfach mal...
Comment
von angel angel ist gerade offline | 20.8.2009 16:30 Uhr
Post
Auf das Abschicken der Krankmeldung hab ich ja in meinem ersten Kommentar hingewiesen. Dies muss am 2. Fehltag erfolgen, damit die Meldung am 3. Tag in der Schule ist.
Und Hausbriefkästen gibt's längst nicht bei allen Schulen (eigene Erfahrung!). Von Lehrern wird man schon drauf hingewiesen, die Krankmeldungen nicht anderen Schülern (also auch nicht Geschwistern) mitzugeben, weil diese die ja vergessen oder verbummeln könnten und das ginge natürlich zu Lasten des fehlenden Schülers.
Natürlich kann man - wenn man gut genug informiert und organisiert ist - das alles beachten und dann wird man keine Schwierigkeiten haben. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich eben, dass es bei manchen nicht so klappt. Daher kann es eben sein, dass nicht alle unentschuldigten Fehlzeiten wirklich Schwänzen sind.
Comment
von borax borax ist gerade offline | 20.8.2009 12:17 Uhr
Mal kurz zusammengefasst:
- man kann die Eltern zu nichts zwingen
- man kann ein paar Arbeitsplätze in der Sozialindustrie schaffen, die dann Eltern zu Hause anrufen, aber nichts bewirken können.

Man ist schier verblüfft ob solch "effizienter" Maßnahmen.

Wie heißt es so schön im Sport: Entscheidend ist, was hinten raus kommt.

Nicht so bei Senatens.
Comment
von frittzzthecat frittzzthecat ist gerade offline | 20.8.2009 15:50 Uhr
Nicht an den Symptomen herumdoktern...
sondern vielmehr überlegen, warum Schüler nicht zur Schule gehen und wie diesen geholfen werden kann. Hier personelle und finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, DAS wäre eine wirksame und sinnvolle Initiative.

Die martialische Vorschriftenmeierei von Verantwortlichen soll doch nur von deren erheblichen Versäumnissen ablenken. Rechtlich wird durch die geplanten Vorschriften NICHTS erreicht, außer dass sich die Urheber wieder einmal lächerlich machen zu zeigen, dass sie hilf- und ahnungslos sind.

Zöllner soll endlich seinen Hut nehmen und verschwinden, er ist genau so ein De.., wie seine Vorgänger auch. Es gibt qualifizierte Menschen, die durchaus an seiner Stelle etwas sinnvolles bewirken könnten.
Comment
von LaraM LaraM ist gerade offline | 23.8.2009 12:30 Uhr
Schulverweigerung? Teil 1
Ich würde allen Verantwortlichen in Fragen Schulpflicht empfehlen, sich etwas Hintergrundwissen über die Gründe für Schulverweigerung/Schuldistanz anzueignen.
Immerhin wurden in den letzen zehn Jahren einige Steuergelder für Studien investiert. Auch der Berliner Senat hat bereits 2001 ausführliche Empfehlungen veröffentlicht, nachfolgend ein paar Textpassagen.


Schönen Sonntag
LaraM



Die Landeskommission Berlin gegen Gewalt hat sich im Rahmen ihrer 33.
Sitzung am 27. September 2001 mit dem Problem der Schulverweigerung befasst
und vor dem Hintergrund, dass im Hinblick auf dieses Thema keine gesicherten
Informationen für Berlin vorlagen, beschlossen, eine ressortübergreifende
Arbeitsgruppe mit dem Auftrag einzurichten, eine Problemdefinition zu
erarbeiten, Daten für Berlin zu erheben, Maßnahmen zum Umgang mit dem
Problem zu entwickeln und eine Recherche zu bereits vorhandenen Angeboten im
Hinblick auf das Problem der Schulverweigerung durchzuführen.
An der Arbeitsgruppe nehmen Vertreter/innen der Geschäftsstelle der
Landeskommission Berlin gegen Gewalt (Federführung), der Senatsverwaltung
für Bildung, Jugend und Sport, des Landesjugendamtes, der Bezirke, des
Schulpsychologischen Dienstes, der Senatsverwal-tung für Inneres, der
Berliner Polizei, der Ausländerbeauftragten des Senats von Berlin sowie
Schulleiter teil


http://www.berlin.de/imperia/md/content/lb-lkbgg/veroeffentlichungen/2004/empfehlungen_ag.pdf
.........Ausschnitte aus dem 43 Seiten umfassenden Text:

Gründe für Schuldistanz können sein: u.a.

Probleme in der Struktur schulischen Lernens- Leistungsdruck, Versagensängste, erfolgloses Lernen, schlechte Zensuren,
Klassenwie-derholungen, Herunterstufung in eine geringwertige Schulform,
falsche Schulform, nicht bewältigte Übergänge,
- keine Aussicht auf guten Schulabschluss, auf eine Lehrstelle, auf gute
Berufsausbildung,
- Anpassungsforderungen
Comment
von LaraM LaraM ist gerade offline | 23.8.2009 12:36 Uhr
Schulverweigerung? Teil 2
es geht weiter im Text:

Unterricht ist aufgrund sich wiederholender Abläufe langweilig,
- schulische Bildungsinhalte werden als bedeutungslos bzw. sinnlos
empfunden,
- schulisches und außerschulisches Leben und Lernen sind getrennt,
- Lernen hat zu wenig mit den Interessen, den Lebenslagen der Sch. zu tun,
- schulisches Lernen hat zu wenig gegenwärtigen Gebrauchswert

Probleme auf der Ebene der Partizipation
- Schüler/innen haben zu wenig Möglichkeiten bzw. Rechte an der Gestaltung
ihrer Schule mitzuwirken.


Die Arbeitsgruppe empfiehlt der Senatsverwaltung für Bildung Jugend und
Sport,
zu prüfen, ob vor dem Hintergrund der erhobenen Daten zur Schuldistanz die
bisheri-gen Regelungen bzgl.
• des § 1 Schulgesetz,
• der Schulpflicht,
• der Versetzungsentscheidungen,
• der Zensurengebung in den Hauptfächern,
• der AV Praktikum,
• der Rahmenpläne und
• der Lehrerarbeitszeit
zu ändern sind.
Begründung und Maßnahmevorschläge
Die genannten Regelungen stehen dem Ziel einer erfolgreichen Beschulung
schulmü-der/schuldistanzierter Schüler/innen entgegen. Dabei sei
ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei den aufgeführten und
erläuterten Vorschlägen um solche handelt, die keine Kosten verursachen.

Schulpflicht:
Folgende Formulierung sollte ins Schulgesetz aufgenommen werden:
„Befreiung von der Schulpflicht soll bei entsprechender Empfehlung durch die
zuständige Helferkonferenz (Schule/Jugend) ausgesprochen werden, wenn die
Erfüllung der Schulpflicht nicht für sinnvoll gehalten wird.“
Die gegenwärtigen Bestimmungen zur Schulpflicht sind zu starr.

Comment
von LaraM LaraM ist gerade offline | 23.8.2009 12:43 Uhr
krankmachende Schule !
Wie viele Schüler (und Lehrer s. auch Burn out) durch Schule überhaupt erst erkranken, wäre hier eine wichtigere Frage, als die, ob Atteste der Ärzte anzuzweifeln wären. Auch folgende Informationen könnte Herr Zöllner sich mal näher anschauen!

LaraM


http://www.tagesspiegel.de/berlin/Landespolitik-DRK-Charlottenburg-Verhaltensstoerung;art124,2685657
„Das Regelsystem ist nicht flexibel genug“, ist die Erfahrung, von Michael von Aster, der auch Sonderpädagoge ist. So passiert es immer wieder, dass Kinder, die aus der Psychiatrie längst entlassen
waren, nach einiger Zeit zurück sind, weil sie in genau die Umgebung
zurückkehren mussten, in der sie zuvor krank geworden waren


http://www.sfi-frankfurt.de/fileadmin/redakteure/pdf/03_Mitarbeiter_PDFs/03_Haubl_Manuskripte/Haubl_Schule_als_pathogener_Ort.pdf


November 2006

Rolf Haubl

(Sigmund-Freud-Institut)

Schule als pathogener Ort

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 43 - 10 = 


Anzeige
Weitere Themen

Das Riesenrad am Zoo klemmt Lesezeichen hinzufügen

Ralf Schönball
Für den Bau des 175 Meter hohen Riesenrads am Bahnhof Zoo fehlen den Investoren ... mehr...

Zwei Polizisten erschießen sich mit Dienstwaffen Lesezeichen hinzufügen

Zwei Polizisten des gleichen Abschnittes in Wedding haben sich mit ihren ... mehr...

Öffentlicher Dienst erhält mehr Geld – ab August 2011 Lesezeichen hinzufügen

Von Sigrid Kneist
Im Kampf um höhere Gehälter im öffentlichen Dienst schließen der Senat und ... mehr...

Politiker fordern mehr Hilfe für Kinder Lesezeichen hinzufügen

Von Sabine Beikler und Hadija Haruna
Sozialsenatorin Bluhm fordert eine Erhöhung der Regelsätze, die nicht zu Lasten ... mehr...

CDU: Eis auf Gehwegen soll Chefsache werden Lesezeichen hinzufügen

Der SPD-Vorsitzende Müller droht Hauseigentümern und Schneeräumern mit ... mehr...
Fotostrecken

Straßenschäden und Schlaglöcher (8 Bilder)

Winter in Berlin (116 Bilder)

Boulevard der Stars (13 Bilder)

Brandanschlag auf Haus der Wirtschaft (5 Bilder)

Neue Uniformen für die Feuerwehr (5 Bilder)

Transmediale 2010 (10 Bilder)
Neues Klinikportal
Immer das passende Berliner Krankenhaus für eine stationäre Behandlung oder einer Krankheit finden.
Ehrenmord
» ERGEBNIS ANSEHEN
---
Unser neuer Service zeigt die Aussichten in allen Bezirken
Anzeige
Meist diskutiert
versendet
---
Alexanderplatz, Hertha, Mediaspree: Leserdebatten auf Tagesspiegel.de. Diskutieren Sie mit!
Anzeige