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Türen zu am Morgen danach

Die katholische Theresienschule war in der DDR beispiellos – und hat besondere Erinnerungen an den Mauerfall
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Ein bisschen versteckt in einer Seitenstraße in Weißensee, auf dem Gelände der St.-Josef-Pfarrei, steht das rote Backsteingebäude der katholischen Theresienschule. Nicht nur, dass hier 674 evangelische, katholische und konfessionslose Schüler in ökumenischer Gemeinschaft zusammen lernen, ist eine Besonderheit dieser Schule. Mit seiner 115-jährigen Tradition ist das Gymnasium auch ein Spiegelbild deutscher Geschichte. Von 1949 an wurde es schließlich die einzige konfessionelle Schule in der gesamten DDR, an der ausschließlich junge gläubige Mädchen das staatlich anerkannte Abitur ablegen konnten.

„Für mich war der Wechsel zur Theresienschule ein totaler Freiheitsgewinn“, erinnert sich Kristin Münchow, Schülerin von 1987 bis 1990. Als bekennende Christin litt sie an der staatlichen Schule unter dem politischen und sozialen Druck. Erst in der beinahe familiären Gemeinschaft von rund 90 Schülerinnen und elf Lehrerinnen konnte sie ihren Glauben frei ausleben. Beim wöchentlichen Schülergottesdienst ebenso wie im Religionsunterricht. Auf dem Zeugnis durfte dieser allerdings nicht erscheinen.

Wie wichtig solch eine Freiheit für junge Christen in der DDR war, weiß auch Wolfgang Thierse. Er ist Mitglied der katholischen Gemeinde Herz Jesu in Prenzlauer Berg, auf deren Gelände sich die Theresienschule bis 1991 befand. „Als Christ hat man sich in der DDR zu einer Minderheit bekannt und musste sehen, wie die Mehrheit der Klassenkameraden damit umging“, sagt er. Negative Reaktionen gehörten meist dazu.

Vor diesem Hintergrund bekam auch der Mauerfall an der Theresienschule eine eigene Dimension. Schnell wurde in der kleinen Schulgemeinschaft im Herbst 1989 eine neue Stimmung spürbar. Töchter bekannter DDR-Oppositioneller wie Jens Reich oder Rainer Eppelmann waren auf der Schule und brachten die politischen Ideen von zu Hause mit in den Unterricht. Einige von ihnen nahmen auch regelmäßig an den Montagsgebeten in der Gethsemanekirche teil.

Elisabeth Hübschmann war von 1984 bis 1996 stellvertretende Direktorin und vertrat am 10. November 1989 die Schulleiterin. Als sie mitbekam, dass die 11. Klasse euphorisch den Unterricht schwänzte, um sich nach Westberlin aufzumachen, schloss sie die Schule ab, damit niemand rauskonnte, bevor die Eltern telefonisch ihre Erlaubnis erteilt hatten. Ob das nicht etwas starrköpfig gewesen sei? „Nein, historischer Moment hin oder her – ich hatte schließlich die Verantwortung für alle“, begründet Hübschmann ihre damalige Entscheidung.

Wenige Monate nach dem Mauerfall veränderte sich die Theresienschule allerdings ganz rasant. Mit dem Niedergang des Systems war auch der Zwang, sich zu verstecken, weggefallen. So zog man 1991 nach Weißensee in das heutige größere Schulgebäude um und brach noch im selben Jahr mit einer fast hundertjährigen Tradition – die ersten fünf Jungen wurden aufgenommen.

Heute wird die Schule in freier Trägerschaft von Wolfgang Thierse auch politisch unterstützt. „Kirchliche Schulen in Ostberlin brauchen schon aus Gründen der Fairness eine gleiche Chance“, sagt er. Schließlich habe die DDR einen gezielten Kulturverlust betrieben. Sarah Künne

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 10.11.2009)
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