Berlin : Familien gehen durch die Instanzen Kammergericht zieht Bilanz

Immer mehr Klagen um Sorgerecht

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Wenn Männer und Frauen um die Kinder oder um Unterhalt streiten, geben sie sich in Berlin immer seltener mit der ersten Gerichtsentscheidung zufrieden. Das geht aus einer Bilanz des Kammergerichts hervor. Danach landen immer mehr familienrechtliche Streitigkeiten beim Kammergericht, das praktisch das Oberlandesgericht für Berlin ist. Von 2403 Berufungen und Beschwerden im Jahr 1998 stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 2864. Der Trend im restlichen Zivilrecht sei genau umgekehrt, sagte Gerichtspräsidentin Monika Nöhre.

Das Kammergericht stellte gestern zum ersten Mal in seiner mehr als 500jährigen Geschichte einen Tätigkeitsbericht vor. Meist ist das Gericht Berufungs- oder Revisionsinstanz, überprüft also Urteile. Staatsschutzfälle, etwa Spionage und Terrorismus, gehen direkt vors Kammergericht. Deshalb ist der Tunesier Ihsan G. hier angeklagt – er soll Sprengstoffanschläge geplant haben. Im Vergleich mit den anderen Berliner Gerichten ist die Lage am Kammergericht komfortabel. 126 Richter arbeiteten dort in 28 Zivil- und fünf Strafsenaten. Es gibt eine Vollausstattung mit Computern. Das Gericht hat sich sogar entschlossen, die Arbeitsbedingungen noch weiter zu verbessern: Es ist als familienfreundliches Unternehmen registriert und versucht jetzt, binnen drei Jahren die Abläufe so zu gestalten, dass die Mitarbeiter Beruf und Familie besser vereinbaren können. fk

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