Familiendrama in Gatow : Verzweiflungstat aus Angst vor dem Abstieg

22.08.2012 20:20 Uhrvon und
Das jüngste Kind von Kristian B. ist noch am Leben. Der 69-jährige legte die Tochter in eine Babyklappe, bevor er seine Familie und sich selbst umbrachte - vermutlich aus Verzweiflung. Foto: dpa
Das jüngste Kind von Kristian B. ist noch am Leben. Der 69-jährige legte die Tochter in eine Babyklappe, bevor er seine Familie und sich selbst umbrachte - vermutlich aus... - Foto: dpa

Update Ein 69-jähriger Spandauer tötete seine Frau, seine beiden Söhne und sich selbst. Nur seine Tochter legte er in einer Babyklappe ab. Die Nachbarn sind fassungslos. Sie beschreiben den Familienvater als kontrolliert und fürsorglich. Zuletzt hatte die Familie sogar einen Grund zum Feiern.

Nach der Familientragödie mit vier Toten im Bezirk Spandau arbeiten die Ermittler der Mordkommission intensiv an der Aufklärung der Tat. Wie berichtet, hatte ein 69-jähriger Familienvater in Alt-Gatow zuerst die drei und sechs Jahre alten Söhne und danach seine 40 Jahre jüngere Frau umgebracht und anschließend sich selbst getötet. Vor seinem Suizid fuhr der Wirtschaftsberater mit seinem knapp ein Jahr alten Baby ins Waldkrankenhaus Spandau, wo er den Säugling in eine Babyklappe legte. Diesem Kind soll es nach Angaben der Polizei gut gehen.

„Der Mann hat einen Abschiedsbrief hinterlassen“, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich.

Wie es aus Ermittlerkreisen hieß, soll der Brief eine genaue Chronologie der Abläufe enthalten. Es soll auch von Schulden die Rede sein. Die Polizei prüft, wie in solchen Fällen üblich, noch die Authentizität des Schreibens. Der Mann hat Kinder und Frau ersten Erkenntnissen nach erstickt oder vergiftet oder durch eine Kombination beider Tötungsarten umgebracht. Stumpfe Gewalt wurde laut Polizei nicht ausgeübt. Der Täter selbst hat sich dann erstickt. Um präzise Erkenntnisse zu erhalten, würde nun das Blut der Todesopfer untersucht.

Ein Nachbar hatte am späten Dienstagabend die Feuerwehr und die Polizei verständigt. Die Fenster hätten lange Zeit offen gestanden. Außerdem habe das Auto nicht auf dem gemieteten Parkplatz gestanden und der Schlüssel im Briefkasten gelegen. Die Beamten brachen die Wohnungstür auf und fanden die vier Toten. Die Leichen waren laut RBB-„Abendschau“ schon stark verwest. Vor dem Hauseingang in Alt-Gatow wiesen gestern Kerzen, Blumen, eine Zeichnung und Spielzeug auf das am Vortag entdeckte Drama hin. Bewohner blieben kurz stehen, Freundinnen der 28-jährigen Toten nahmen weinend Abschied, Nachbarn schüttelten immer wieder den Kopf über den Tod der vier Menschen. Vor allem das Schicksal der Kinder bewegt die Menschen in dieser ruhigen Spandauer Gegend direkt an der Havel.

Fotostrecke: Familiendrama in Gatow

Während die Polizei die Wohnung untersuchte, erinnerten sich Nachbarn des Paares an viele Details der letzten Zeit. „Am Sonnabend fand auf der großen Wiese am Wasser noch eine ziemlich große Party statt“, sagte Denis Bergemann, der in dem Mehrfamilienhaus den Balkon mit der nun bis auf das Baby ausgelöschten Familie teilte. „Da wurde wohl die Einschulung des sechsjährigen Jungen nachträglich gefeiert. Jedenfalls waren eine Menge Kinder und Erwachsene am und im Festzelt.“

Video: Kleinkind überlebt Familiendrama

Kleinkind überlebt Familiendrama

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