Berlin : Familienfehde um verbotene Liebe Romeo und Julia in Wedding: Schießerei um Beziehung

Kerstin Gehrke

Hassans Familie stammt aus Mazedonien, seine 18-jährige Freundin Esra ist Türkin. Deshalb sollen vor allem die Eltern des 19-jährigen Mannes gegen eine Hochzeit gewesen sein. Der Streit der Familien aus unterschiedlichen Kulturkreisen spitzte sich am 5. März dieses Jahres zu. Hassans Vater griff nach einer Rangelei zu einer Waffe, verletzte einen Bruder von Esra lebensgefährlich und traf obendrein einen seiner eigenen Söhne. Seit gestern muss sich der 54-jährige Ismailaki M. wegen versuchten Totschlags vor dem Berliner Landgericht verantworten.

Im Rollstuhl saß der Vater vor den Richtern. Von Hassans Liebe zur jungen Türkin habe er gar nichts gewusst, beteuerte der zuckerkranke Mann. Außerdem lebe er seit 25 Jahren in Deutschland, und für ihn gelte: „Wir sind Europäer, wir mischen uns nicht ein in die Beziehungen unserer erwachsenen Kinder.“ Er sei erst am Vorabend der Schüsse aus dem Urlaub zurückgekehrt und habe nur gehört, dass wohl „jüngere Familienmitglieder“ mit der Verbindung von Hassan und Esra nicht einverstanden gewesen seien. Kurz vor der Tat will der Rentner sein Wohnhaus in der Drontheimer Straße auf Krücken verlassen haben, um in einem Weddinger Café zu telefonieren. Plötzlich seien zwei Brüder von Esra aufgetaucht. Einer von ihnen habe sich mit seinem 21-jährigen Sohn Ahmet geprügelt. „Ich wurde geschubst, fiel und sah dann, wie eine Pistole zu Boden fiel.“ Die Waffe will der Vater schnell aufgehoben haben. Dann habe er aber Angst bekommen. „Ich wollte meinem Sohn helfen, bin auf Knien zu den Männern gekrochen.“ Angeblich wollte er in die Luft schießen. „Ich konnte aber nicht richtig sehen, weil ich meine Brille verloren hatte.“

Heute sei ihm klar, dass die Schüsse „kein geeignetes Mittel“ waren, sagte der Angeklagte. Einer der Schüsse traf den Sohn der türkischen Familie in die Schulter. Der rechte Lungenflügel musste entfernt werden. Seinen eigenen Sohn traf der Vater ins Gesäß. Danach hatte sich der Angeklagte auf den Bürgersteig gesetzt und auf die Polizei gewartet. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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