Berlin : Familientragödie: Hätte die Tat verhindert werden können?

Vater tötete zweijährigeTochter an ihrem Geburtstag Getrennt lebende Frau stimmte Umgangsrecht zu

Tanja Buntrock

Hätte die Bluttat am Sonntag, der so genannte erweiterte Selbstmord, verhindert werden können? Nachdem der 54-jährige Hans Z. aus Mecklenburg-Vorpommern zunächst seine zweijährige Tochter Michelle und dann sich in einem Hotelzimmer erschossen hatte, kritisierten Betreuerinnen eines Berliner Frauenhauses, dass dem Vater überhaupt ein Umgangsrecht für das Kind zugesprochen worden war. Die Ehefrau von Hans Z. flüchtete vor wenigen Wochen mit Michelle in dieses Frauenhaus, weil ihr Mann sie mehrfach verprügelt haben soll.

Doch nach Tagesspiegel-Informationen hatten sich die Eheleute auf das Umgangsrecht gemeinsam geeinigt. Es sah vor, dass Hans Z. Michelle einmal pro Woche, nämlich sonntags, für drei Stunden sehen durfte. Als „Übergabe-Treffpunkt“ sei abgemacht gewesen, dass er das Kind am Bahnhof Zoo übernehmen sollte. Diese Vereinbarung hat das Paar am 14. Juni in einer Sitzung vor dem zuständigen Familienrichter in Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern) getroffen. Der Direktor des Amtsgerichts, Karsten Dißmann, bestätigt dies. „Der Richter hat keinen Anlass gesehen, den Mann vom Umgangsrecht auszuschließen“, sagt Dißmann. „Der Vater hatte eine starke Bindung zu dem Kind. Über Gewaltvorfälle in der Ehe wurde hier nicht verhandelt.“

Am vergangenen Sonntag hatte Hans Z., wie berichtet, das Umgangsrecht zum zweiten Mal wahrgenommen. Es war zudem der zweite Geburtstag von Michelle. Er checkte mit dem Kind in ein Zimmer im Schöneberger Hotel Sylter Hof ein. Dort tötete er zunächst das Kind und dann sich selbst durch Kopfschüsse. Im Zimmer fanden die Ermittler mehrere Zettel, „die einen Abschiedsbriefcharakter“ hatten, hieß es bei der Kripo. Hans Z. habe Angst gehabt, dass seine von ihm getrennt lebende Frau mit dem Kind nach Russland verschwinde.

„Die Mutter des Kindes hatte sich ein Visum besorgt, um wohl in ihre Heimat zurückzukehren“, sagt Dißmann. Daraufhin habe Hans Z. das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht für das Kind beantragt. Dies wurde zunächst bewilligt. „Bei der Verhandlung am 14. Juni wurde auch die Mutter angehört. Man hat sich dann auf das Umgangsrecht von drei Stunden pro Woche geeinigt“, sagt Dißmann. Endgültig darüber entschieden werden sollte in der Hauptverhandlung am 12. Juli. Zuvor hatte die Mutter auch behauptet, dass Hans Z. nicht der leibliche Vater ist. „Dies stimmt aber nicht. Es wurde eindeutig geklärt, dass er der Vater des Kindes ist.“

Die Betreuerinnen im Frauenhaus vermuten, dass die Ehefrau wahrscheinlich „nur aus Angst“ dem Umgangsrecht zustimmte. „Zumal die Hauptverhandlung ja noch ausstand“, sagt eine Mitarbeiterin. Was die Gewalttätigkeiten des Mannes angeht, so erklärt eine Gerichtssprecherin, dass es nicht reiche, wenn die Frau behauptet, geschlagen worden zu sein. Um dem Vater den Umgang mit dem Kind zu verbieten, „müssen Indizien vorliegen, wie Anzeigen und ärztliche Atteste“. Dies kann die Betreuerin im Frauenhaus nicht verstehen:„Ich habe noch nie erlebt, dass verprügelte Frauen ihre Atteste gesammelt haben für einen solchen Fall.“

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