Berlin : Fankurven am Bahnhof Zoo

Heute ist Fußballderby – nicht nur im Stadion.

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Rot-weiße Grüße. Die Union-Fans verteilen seit Tagen auf Seiten wie Facebook diese Flyer. „Treff: ab 16 Uhr“, steht da, „am Breitscheidplatz“. Screenshot: Tsp
Rot-weiße Grüße. Die Union-Fans verteilen seit Tagen auf Seiten wie Facebook diese Flyer. „Treff: ab 16 Uhr“, steht da, „am...

Der Fußballmontag beginnt zwischen Gedächtniskirche und Zoo. Viele Stunden vor dem Spiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union wollen sich die Fans der beiden Berliner Zweitligavereine in der City West treffen. Die Herthaner vor dem Bahnhof Zoo, die Unioner nur wenige Schritte entfernt auf dem Breitscheidplatz – die Herthaner schon um 15 Uhr, die Unioner erst um 16 Uhr.

Ob sich beide Lager mischen werden zu einem großen Fest – schließlich war man viele Jahre befreundet – , dürfte von der Stimmung abhängen. „Friedliche Fans müssen wir nicht trennen“, hieß es am Sonntag im Präsidium. Ist die Stimmung aggressiv, will die Polizei dazwischengehen und die Lager trennen.

Da sich die Unioner ab 15.15 Uhr am Ostkreuz treffen und dann mit der S-Bahn Richtung Westen fahren wollen, wird es am Zoo ohnehin ein Zusammentreffen beider Fanlager geben. Am Bahnhof Zoo wollen die Unioner „geschlossen den Weg zur Gedächtniskirche“ antreten, wie es in Internetforen heißt. Den „Abmarsch“ Richtung Spiel planen beide Fanlager für 18 Uhr. Angepfiffen wird das Derby um 20.15 Uhr im Olympiastadion in Charlottenburg.

Praktisch ist der Treffpunkt in der West-City, denn von hier fahren sowohl S-Bahn als auch U-Bahn zum Olympiastadion. Die S-Bahn teilte mit, dass die Zahl der Züge zum Olympiastadion ab etwa 17.30 Uhr verdoppelt werden soll – dann fahren die Bahnen im Fünf-Minuten-Takt. Die zusätzlichen Züge halten dabei nicht an den Bahnhöfen Messe Süd und Heerstraße.

Die Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor. Viele hundert Beamte werden im Einsatz sein, „mit sichtbarer Präsenz und operativen Kräften“, also szenekundigen Beamten in Zivil. Intensiv haben Beamte in den vergangenen Tagen mit beiden Vereinen und der „Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze“ gesprochen. In die Gefährdungsbewertung flossen viele Faktoren ein: Das mit 74 000 Zuschauern ausverkaufte Stadion, „die Rivalität“ der Fans und der aktuelle Tabellenstand in der 2. Liga: Für beide Vereine geht es um viel, beide können aufsteigen. Geführt wird der Einsatz vom Leiter der Polizeidirektion 2, Hans-Ulrich Hauck.

Hauck hat viel Erfahrung aus zahllosen Hertha-Spielen, der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und Risikospielen der deutschen Nationalmannschaft gegen England oder die Türkei im Olympiastadion. Genau vor einem Jahr hatte Hauck im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses über Gewalt bei Fußballspielen referiert.

Die erste Provokation kam Ende Januar aus Köpenick. Den Aufruf der Union-Fans, sich unter dem Motto „Osten und Westen – unser Berlin“ in der City West zu treffen, ließen die Herthaner nicht lange unbeantwortet. Sie mobilisierten so zum Zoo: „Es gibt Dinge, die lassen wir uns nicht nehmen“. Die Union-Fans hatten zuletzt die Hertha-Fans mit Sprüchen auf Plakaten provoziert. Aufgrund der Wortwahl bat Union später um Entschuldigung: Eine homophobe Beleidigung sei nicht beabsichtigt gewesen. Jörn Hasselmann

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