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Fanmeile und Ku'damm : Vierzig Wagen westwärts - die Spanier feiern in Berlin

12.07.2010 07:23 Uhrvon , und
Viva Espana, gern auch in Berlin. Die Fans des neuen Weltmeisters zog es am späten Sonntagabend nach dem WM-Finale auf die Straßen der Stadt - zum Hupen und Fahnenschwenken.Bilder
Viva Espana, gern auch in Berlin. Die Fans des neuen Weltmeisters zog es am späten Sonntagabend nach dem WM-Finale auf die Straßen der Stadt - zum Hupen und Fahnenschwenken. - Foto: König

Update150.000 Fans kamen zum WM-Finale zur Berliner Fanmeile. Am Ende jubelten die Spanier - und die Holländer feierten mit. Auf dem Ku'damm rollte ein kleiner spanischer Autokorso.

Mit großem Jubel der spanischen Fans klang die diesjährige Berliner Fanmeile aus. „Espana, Espana“, schallten die Schlachtrufe mehrerer Tausend Anhänger der Siegerelf durch den Tiergarten. In langen Ketten verwandelten sie die Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule in eine große Freudenarena. Am Ende reihten sich nach einer kurzen Phase der Enttäuschung auch die niederländischen Fans ein.

Und einige Berliner Spanier machten sich, wie schon nach dem Sieg über Deutschland im Halbfinale, mit ihren Autos auf zum Kurfürstendamm, um auf der traditionellen Partymeile gebührend zu feiern und natürlich zu hupen und rot-gelb-rote Fahnen zu schwenken.

Vorsorglich abgesperrt hatte die Polizei anders als nach Deutschland-Spielen nicht, rund vierzig Autos konnten den Ku'damm von der Joachimstaler Straße westwärts vollständig befahren. Alles verlief bis zum späten Abend friedlich. Um 0.50 Uhr war der Ku'damm wieder frei. Auch am Morgen bilanzierte die Berliner Polizei: "Keine Zwischenfälle."

Auf die Fanmeile waren immerhin noch einmal 150.000 Fans zum WM-Finale geströmt. Die Spanier meldeten sich dabei gleich deutlich lautstärker zu Wort als die Anhänger der holländischen Elf. In der Minderheit waren die Deutschlandfahnen, obwohl einige vor den Großbildleinwänden kräftig geschwenkt wurden. Temperaturen um die 30 Grad Celsius auch nach Sonnenuntergang zügelten aber insgesamt doch eher das Temperament der Fans. Hier herrschte eine überwiegend ruhige Atmosphäre ohne große Jubelgesänge und Sprechchöre. Im Vergleich zum Spiel um Platz drei mit der deutschen Nationalmannschaft war die Lage ruhig.

Das Endspiel löste auf der Berliner Fanmeile insgesamt nicht gerade Begeisterungsstürme aus. Vor und während der Verlängerung verließ rund ein Drittel der Besucher die Straße des 17. Juni und machte sich auf den Heimweg. Dazu gehörten vor allem die neutralen Gäste, während Spanier und Niederländer vor den Leinwänden ausharrten und sich die Rempelei und Reklamiererei in Johannesburg weiter antaten.

Erst eine Stunde vor dem Endspiel der Fußball-WM hatte sich die Berliner Fanmeile langsam mit Besuchern gefüllt. Angesichts des Hitzerekords von fast 39 Grad hatten viele Menschen ihren Abstecher in die heiße Innenstadt offenbar hinausgezögert. Die Veranstalter sprachen um 19.30 Uhr von rund 10.000 Gästen auf der Straße des 17. Juni.

Auf vielen Oranje-Trikots prangte der Spruch „Bondscoach“. Ganz klein stand darunter die Einschränkung „1 von de 16,5 miljoen“. Mancher verfolgte aber auch seine eigene Geschäftsidee - und war gar kein Holländer. Im Dress mit der Aufschrift „Kluivers“ und einer orangefarbenen Perücke steckte ein junger Mann aus Düsseldorf. Er verkaufte den holländischen Fans Luftballons für einen Euro das Stück und schrieb mit einem Filzstift „Hup Holland“ darauf. „In zwei Wochen will ich meine Hochzeit feiern“, erzählte der verkappte Fan, der sich noch eine 1,5-Kilo-Kugel umgehängt hatte. „Ich verabschiede mich immerhin vom Junggesellenleben und bin nach der Hochzeit dann doch irgendwie gefangen.“

Auch in spanische Fan-Aufmachungen schmuggelten sich junge Damen und Herren aus Deutschland auf die Fanmeile. „Ist doch cool“, meinte die 16-jährige Nicole aus Bernau bei Berlin. „Wir werden wenigstens angesprochen.“

Angesichts des geringen Interesses an der Fanmeile am Nachmittag und am frühen Abend hatten zahlreiche Getränke- und Wurstkioske ihre Stände entweder erst gar nicht eröffnet oder noch vor dem Spiel wieder geschlossen. Manche Kioske warben mit verbilligten Angeboten um Kunden.

Nach einer Statistik der Veranstalter kamen auf die 1,3 Kilometer lange Berliner Fanmeile insgesamt 1,8 Millionen Besucher. Die anderen offiziellen FIFA-Veranstaltungen lockten in Rio de Janeiro 480.000 Fans, in Paris 417 000, in Mexico City 375 000, in Rom 221 000 und in Sydney 175.000 an.

Während der WM waren in Berlin täglich rund 650 Mitarbeiter im Einsatz. Mehr als 600 akkreditierte Journalisten berichteten weltweit von der Stimmung. Die Gäste erlebten auf den Großbildleinwänden 70 Stunden Fußball sowie 230 Stunden Bühnenprogramme. Mehr als 60 Live-Bands und DJ’s hatten hier ihren Auftritt.

So richtig voll war es nur bei den Deutschland-Spielen. Dann kamen bis zu 350.000 Fans auf die Partymeile zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor. Ansonsten blieb der Andrang übersichtlich. Und so gehen viele kleine Händler auf der Berliner Fanmeile mit großen Verlusten aus dieser WM.

„Ganze 18 Euro habe ich bei einem Spiel eingenommen. Und das bei 12.000 Euro Standmiete für zweieinhalb Wochen“, sagt Nabil Weshah, der auf dem offiziellen Fifa-Fanfest einen Imbissstand betrieben hat. Selbst beim Viertelfinale mit deutscher Beteiligung habe er nur 300 Euro Umsatz gemacht, erzählt der Mann aus Bernau. Dass zu den Spielen ohne deutsche Beteiligung die Fanmeile – ganz anders als bei der WM 2006 – teils gähnend leer blieb, beklagen viele der rund 80 Händler. „Ich kann zufrieden sein, dass ich wegen der Deutschlandspiele mit einer schwarzen Null abschließe“, sagt Rainer Kempkes, Geschäftsführer von Mago-Wurst Berlin, der weniger als ein Drittel des Umsatzes von 2006 verzeichnet. Dabei ist er mit zwei Ständen und dem exklusiven Belieferungsrecht für Fleisch- und Wurstwaren noch einer der Großen auf der Meile, die beim kleinen Finale am Sonnabend nur noch zu rund einem Drittel gefüllt war.

Doch die Händler hatten außerhalb der Deutschlandspiele nicht nur unter mangelnden Zuschauerzahlen zu leiden. Sie kritisieren, dass es wegen der großen Abstände zwischen den Leinwänden viele tote Ecken gab. Das störte auch die Kreuzberger Firma Ösza. „Unser Fanartikel-Stand war dort, wo gar keine Leinwand war“, sagt Mitarbeiter Christian Hahn. Ab dem Halbfinale durfte er sich nach Absprache mit dem Veranstalter dann direkt ans Brandenburger Tor stellen – außerhalb der Meile. Dahin, wo die Touristen waren.

Willy Kausch, der mit seinen Partnern Rainer Wohlthat und Gerald Ponesky die Fanmeile im Auftrag der Senatskanzlei organisiert, ist ebenfalls ernüchtert. „Nach 2006 und auch nach der EM 2008 habe ich geglaubt, dass Public Viewing eine neue Eventkultur geworden ist“, sagt der 53-Jährige. Der Profi, der unter anderem jedes Jahr die Silvesterfeier am Brandenburger Tor veranstaltet, macht unter anderem den Berliner Senat für den mangelnden Erfolg verantwortlich. „Die Ausschreibung ist erst Ende 2009 erfolgt, und erst im März hat sich der Senat endgültig für das Fanfest entschieden“, sagt Kausch. Da sei es aber für ein ordentliches bundesweites Marketing schon längst zu spät gewesen.

Ungünstig war neben den extrem hohen Temperaturen und der beginnenden Urlaubszeit auch der Ablaufplan: Erst der schleppende Anfang am Olympiastadion, dann einige Tage Pause und zuletzt der Standort an der Siegessäule, der durch eine Baustelle vom Touristenmagnet Brandenburger Tor wie abgeschnitten war. „Auf dieser Grundlage ist es nicht leicht, mit Sponsoren zu verhandeln“, sagt Kausch. Um die Kosten etwas zu minimieren, hat er kurz entschlossen zwei außerplanmäßige Ruhetage angesetzt.

„Auch ein Geschäft wie die Fanmeile besteht aus Chancen und Risiken”, sagt Olaf Reidt, Experte für Vergaberecht an der Humboldt-Universität. Dass viele der Händler sich jetzt über hohe Standmieten beklagen, sieht der 46-Jährige kritisch. „Man kann nicht Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren. “Natürlich könne man auch das Ja des Senats zum Fanfest im Nachhinein diskutieren. „Man darf aber nicht vergessen, dass immer jemand entscheiden muss“, sagt Reidt. Das sei bei Fifty-fifty eben schwer.

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