Berlin : Fans, Genossen, Gläubige – auf nach Berlin!

Und jetzt alle: Kirchentag, SPD-Parteitag und Pokalfinale locken am letzten Mai-Wochenende Hunderttausende an

Lothar Heinke,Klaus Kurpjuweit

Von Lothar Heinke

und Klaus Kurpjuweit

Über 150 000 Gläubige beim ökumenischen Kirchentag, rund 70 000 Fußballfans beim Pokalendspiel im Olympiastadion, tausende Kinder und Eltern beim Kindertag im FEZ an der Wuhlheide und dazu jetzt noch der SPD-Sonderparteitag, womöglich mit Demonstrationen – am letzten Mai-Wochenende ist ganz Berlin auf den Beinen. Auf den Straßen droht Stau, und auch in den Bahnen und Bussen wird es kaum Platz geben. Hotelzimmer sind bereits fast ausgebucht.

Wie es zu der Häufung der Großveranstaltungen gekommen ist, wissen auch die Beteiligten nicht so recht. Die Termine für den Kirchentag (28. Mai bis 1. Juni) und für das Pokalendspiel (31. Mai) stehen lange fest. Und der Kindertag war bereits seit Jahrzehnten schon in der DDR am 1. Juni gefeiert worden. Dieses Mal treten unter anderem The Kelly Family sowie Rolf Zuckowski & Band im FEZ auf. Zuletzt kam nun noch der Sonderparteitag der SPD hinzu.

Die SPD sieht ihm am 1. Juni – zumindest, was die Organisation betrifft – gelassen entgegen. 480 Delegierte aus dem ganzen Land werden sich voraussichtlich im Hotel „Estrel“ treffen, also weit ab vom Trubel im Zentrum. „Sie kommen mit Bahn und Auto zum Beginn um 10.30 Uhr und fahren am späten Nachmittag wieder weg, an Übernachtung ist nicht gedacht“, sagt Marlies Hirschfeld in der SPD-Zentrale. Dem Parteitag gehen vier Regionalkonferenzen voraus, und am 23. Mai feiern die Sozialdemokraten im Tempodrom das 140-jährige Bestehen ihrer Partei. „Da blieb nur noch der erste Sonntag im Juni“.

„Und wir haben die Veranstaltungen entzerrt“, sagte Kirchentagssprecher Martin Wittschorek. Veranstaltungen in den Messehallen werden so gelegt, dass sie deutlich vor oder nach der Pokalübergabe im Olympiastadion enden. Die Teilnehmer haben nämlich zum Teil den gleichen Heimweg. Und die S-Bahn fällt als direkter Zubringer zum Messegelände und zum Stadion weitgehend aus. Der Abschnitt zwischen Zoo und Charlottenburg bleibt auch am Wochenende der Großveranstaltungen wegen Bauarbeiten gesperrt. In den Unterlagen für die Kirchentagsbesucher habe man diese Strecke deshalb nicht aufgeführt, sagte Wittschorek. So können Ortsunkundige erst gar nicht in die Irre geführt werden. Die Hauptlast des Verkehrs werde in diesem Bereich die U-Bahn-Linie U 2 übernehmen. Derzeit werde das Angebot von Bahnen und Bussen abgestimmt, sagte Bahnsprecher Andreas Fuhrmann.

Auch die Fußballfans sollen nicht ahnungslos in die Stadt kommen. Die Anhänger des FC Bayern München und des 1. FC Kaiserslautern sollen auf die An- und Abfahrtsmöglichkeiten zum Olympiastadion in den jeweiligen Stadionzeitungen hingewiesen werden, sagte der Sprecher des Berliner Fußballverbandes, Frank Schlüter. Am Spieltag würden Fanbeauftragte Informationen verteilen.

Besonders eng kann es dann nochmals am Sonntag werden, wenn auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude der Abschlussgottesdienst des Kirchentages stattfindet. Die evangelischen Christen bevorzugten dazu traditionell ein Stadion, sagte Wittschorek. Doch das Olympiastadion hätte auch ohne Fußballspiele die erwarteten Gottesdienstbesucher nicht aufnehmen können.

In der Hotellerie sind selbst die teuersten Zimmer so gut wie ausgebucht, „und zwar zum Listen-Preis, also ohne Aufschlag“, heißt es beim Swiss-Hotel, wo es noch einige Betten gibt. Interconti und Adlon sind komplett belegt – Gäste des Kirchentages und des Pokalendspiels vermischen sich, und weiteren Anfragen von Privatgästen begegnet die Berlin-Tourismus-Marketing (BTM) mit der Bitte, vielleicht an einem anderen Wochenende zu kommen. Am 6. Juni geht es schon weiter – mit dem Karneval der Kulturen.

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