Berlin : Farbe bekennen

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LESERBRIEF DES TAGES

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Betr.: Gysis Rücktritt, 1. August 2002

Man darf gespannt sein, wie sich der (vorübergehende?) Rückzug Gysis in den Privatbereich auf seine Partei auswirkt. Hoffentlich begibt er sich zunächst auf private Showbühnen und lässt sich nicht in seinem Narzissmus weiterhin öffentlich alimentieren. Gestaltet hat er nichts Erkennbares als Politiker, diese Chance hat er nunmehr aus der Hand gegeben. Er hat lediglich, und das ist sein Verdienst, deutsch-deutsche Historie durch brillante Eloquenz und Mediengewandtheit verschleiert und damit verhindert, dass die PDS politisch demaskiert werden konnte. Dass dies nicht gelang, ist auch ein Versäumnis anderer politisch-demokratischer Kräfte. Insofern trägt Gysi politische Verantwortung dafür, dass die SED-Nachfolgepartei gesellschaftsfähig (ist) wurde, obwohl Mitglieder der Partei immer noch dem Zusammenbruch des menschenverachtenden Unrechtsstaats „DDR" nachtrauern. Die Szenarien um eine Stellungnahme zu den Maueropfern belegen dies zur Genüge. Gysis politischer Verzicht kann der PDS nur gut tun, denn die sachbezogene Auseinandersetzung ohne den Showmaster der Partei mit anderen zwingt die PDS, Farbe zu bekennen, in welchem Maße sie die freiheitlich demokratische Grundordnung akzeptiert. Die PDS-Mitglieder müssen jetzt für sich sprechen – und der Wähler sollte gut zuhören!Christoph Schubert, Spandau

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