Farbloser CSD in Berlin-Mitte : Rathaus ohne Regenbogenfahne

Am Rathaus Mitte an der Karl-Marx-Allee in Berlin Mitte weht keine Regenbogenfahne - wegen der Sparsamkeit des Bezirks und wegen der Fußball-WM.

Vinzenz Greiner
Abgehängt. Am Rathaus Mitte weht momentan nichts mehr, weil die Regenbogenflagge beschädigt war.
Abgehängt. Am Rathaus Mitte weht momentan nichts mehr, weil die Regenbogenflagge beschädigt war.Foto: Björn Seeling

Eigentlich war alles vorbildlich geplant: Bereits am 30. Mai ließ Berlin Mitte – gemeinsam mit Lichtenberg und Pankow als erster Bezirk – an den drei bezirkseigenen Rathäusern aus Solidarität mit Homosexuellen die Regenbogenfahne hissen. Erst am 23. Juni, zwei Tage nach dem Christopher Street Day (CSD), sollten die bunten Fahnen eingeholt werden. Doch dann kam der 6. Juni.

 Regenbogenfahne vor Rathaus Mitte beschädigt

Seit diesem Tag stehen am Rathaus in der Karl-Marx-Allee 31 nur mehr nackte Fahnenstangen. Beim Landesverband Berlin-Brandenburg des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland (LSVD) findet man das „bedauerlich“. Der Bezirk habe die Fahne einholen müssen, erklärt Martina Funk, Referentin der Stadträtin für Jugend, Schule, Sport und Facility Management. „Weil sie beschädigt war.“ Genauer: Ein Haken sei herausgerissen worden. Aber nicht von homophoben Randalierern, sondern vom Wind.

In ihm wird aber auch am CSD am Sonnabend keine Regenbogenfahne stehen. Das Rathaus Mitte hat nämlich keinen Fahnenersatz parat. „Und eine Neubeschaffung gestaltet sich schwierig“, sagt Referentin Funk. „Wegen Lieferengpässen.“

 WM-Fahnen statt Regenbogenflaggen

In einem solchen steckt die Firma „Berliner Stoffdruckerei GmbH i.I. Fahnenfabrik“ (Best), bei der der Bezirk die Bestellung der neuen Regenbogenfahne in Auftrag gegeben hat. Zwar habe es nur diese eine Bestellung für eine Regenbogenfahne gegeben, heißt es bei dem Unternehmen. Aber die müsse man auch erst noch nähen, da man so etwas nicht auf Lager habe. Und das gehe auch nur in den Zeiträumen, die zwischen all den Fahnen noch freiwürden, um die man sich gerade kümmern müsse. „Durch die WM verzögert sich alles. Denn viele Leute merken erst, dass sie eine Fahne brauchen, wenn ihre Mannschaft spielt“, heißt es bei der BEST GmbH, die derzeit nicht nur Deutschland-, sondern auch Brasilien- und USA-Flaggen verkauft.

 Eillieferung für Bezirk Mitte zu teuer

Soll es schnell gehen mit einer Flagge, muss man deshalb bei der Firma eine Eilbestellung machen. „Der Bezirk Mitte hat aber keine Bestellung für einen Eiltermin aufgegeben“, sagt eine Mitarbeiterin. Am Freitag ist die Fahne schließlich fertig geworden – doch statt an der Fahnenstange in der Karl-Marx-Allee wird sie noch ein wenig im Lager des Herstellers hängen.

Denn die Lieferung per Post dauert jetzt zu lange und es gibt niemanden, der die Fahne zum Rathaus bringt. „Als ich nachgefragt habe, hieß es von Seiten des Bezirks, ein Kurier sei zu teuer und dass ein Fahrer auch nicht zur Verfügung stehe“, erklärt die Best-Angestellte.

Die Regenbogenfahne wird wohl erst Anfang nächster Woche beim Rathaus Mitte ankommen. Dann holt der Bezirk aber schon die Sonderbeflaggung ein – denn der CSD ist dann längst vorbei.

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