Berlin : Farbtherapie in der Praxis: Buntes heilt Wundes

Die Heilpraktikerin Elke Adams legt Patienten unter die Infrarot-A-Lampe und bestrahlt sie mit getöntem Licht – damit sie gesund werden

Susanne Leimstoll

Elke Adams ist ganz heitere Entspannung. Freundlich, aufmerksam, geduldig. Vielleicht verdankt sie dies schlicht ihrer maisgelben Leinenhose. Die Heilpraktikerin ist eine Verfechterin der Lehre des indischen Arztes Dinshah Ghadiali, die besagt, dass Farben auf Körper und Gemüt wirken – nicht nur übers Auge, sondern auch per Hautkontakt. Gelb, um auf die Hose von Frau Adams zurückzukommen, gilt als anregend, soll Heiterkeit und Lebenslust vermitteln und reinigend wirken. Womöglich funktioniert Letzteres sogar im übertragenen Sinne. Elke Adams hat eben mal schnell ihren großen Frühjahrsputz erledigt. Draußen regnet und stürmt es und die Frau wirkt, als sitze sie im Hotelzimmer auf Mallorca und habe gerade den Urlaubskoffer ausgepackt. Unerklärlich.

Am Kopfende der Liege in der Praxis steht die Infrarot-A-Lampe, mit deren langwelligem Licht Elke Adams arbeitet. Den Spot richtet sie manchmal auf die erkrankten Bereiche des Patienten – bei Halsentzündungen also auf den Hals –, häufig aber einfach auf Oberkörper oder Rücken, bei Depressionen etwa. Farbtherapie setzt sie immer begleitend ein, ergänzend zur klassischen Homöopathie und Ernährungsberatung.

Die Behandlung ist angenehm: im abgedunkelten Raum bei leiser Musik unter einer warmen Lichtquelle liegen, eine halbe bis eine Stunde lang. Das kann gesund machen? Die These der Chromotherapie besagt, dass Farben den Menschen nicht nur beeinflussen, wenn er sie sieht, sondern dass auch die Haut sie schluckt. Feine, bioelektrische Impulse, die in der kleinsten Körperzelle wirken. „Ich könnte auch Blinde bestrahlen. Das würde ebenso funktionieren“, sagt Elke Adams. Und so behandelt sie Verbrennungen oder Operationsnarben mit türkisem Licht, weil das die Wundheilung fördern soll. Bekämpft Depressionen mit gelben Strahlen, weil die das Nervensystem positiv stimulieren. Lässt Blau auf Entzündungen ruhen, weil ihm antibakterieller Einfluss zugeschrieben wird. Oder entgiftet Niere und Leber mit Gelb-Grün. „Das bringt alles zum Fließen.“

Gerade vorhin war wieder ein Opernsänger mit Halsentzündung da. Der bekam eine Dosis Blau. „Manchmal klingen die Beschwerden im Hals schon nach ein, zwei Sitzungen ab“, sagt Elke Adams. Dass Farbtherapie wissenschaftlich keinesfalls belegt ist, interessiert nicht. Es gibt ja Erfolge. Elke Adams ist überzeugt, Menschen können Farben intuitiv spüren. In ihren Seminaren testet sie das immer wieder. Sie bettet Leute in einen dunklen Raum, bedeckt sie mit violetten Tüchern, und hört dann eine Teilnehmerin sagen: „Das fühlt sich kühl an.“ Oder sie lässt die Teilnehmer gelbe Farbkarten ziehen, sie zwischen den Händen spüren und wundert sich gar nicht, wenn jemand sagt: „In meinem Magen wird es ganz warm. Als würde die Sonne dort hinscheinen. „Probieren Sie es doch aus“, sagt Elke Adams. Stellen Sie sich, wenn Sie aufgeregt sind, ein Blau vor – und Sie werden ruhiger.“

Farbtherapie für zu Hause ist ihrer Meinung nach kein Problem. Dafür braucht man keine Infrarot-A-Lampe, sondern nur das richtige Händchen beim Einrichten. Wer ein aufbrausendes Naturell hat, könnte die Zimmer in kühlen Farben streichen und ebensolche Stoffe verwenden. Ruhige Typen dürfen gerne zu Rottönen greifen. Gelb im Arbeitszimmer bringt den kreativen Kick, Maigrün lässt ganz schön wach werden und Rot-Brauntöne machen Wohnzimmer kuschelig. Wer wüsste das nicht? Aber die wenigsten setzen den Helfer Farbe bewusst ein.

Das soll sogar mit Kleidung funktionieren. „Wenn Sie Impulse brauchen, schnappen Sie sich einen roten Bademantel oder werfen Sie rote Sprudeltabletten ins Badewasser“, sagt Elke Adams. Und behauptet dann noch, dass kalte Füße was am besten wärmt? Na, rote Socken natürlich.

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