Fasanengalerie in Charlottenburg : Keine Spur nach spektakulärem Kunstdiebstahl

Bei einem Einbruch in die Charlottenburger Fasanengalerie verschwanden Werke von Picasso und Matisse. Die Tat in der Silvesternacht ist ungeklärt. Fachleute sehen Kunstdiebstahl auf dem Vormarsch.

Matisse
Spektakulärer Diebstahl. Unter anderen wurde die Lithographie "Nu au rocking chair" (1913) des französischen Künstlers Henri...Foto: ddp

BerlinRund sechs Monate nach dem spektakulären Kunstdiebstahl aus der Fasanengalerie in Berlin-Charlottenburg gibt es von den entwendeten Werken noch keine Spur. Die Objekte blieben weiter verschwunden, sagte Inhaberin Ulrike Erben am Mittwoch in Berlin. Bei dem Einbruch in die Galerie waren in der Silvesternacht 2008 mehr als 30 Kunstwerke gestohlen worden. Dazu gehörten Radierungen, Lithografien und Skulpturen von Künstlern wie Henri Matisse, Pablo Picasso und Georges Braque. Den Wert der gestohlenen Objekte beziffert Erben auf rund 200.000 Euro. Der Fall gilt als einer der spektakulärsten Kunstdiebstähle der vergangenen Jahre in Deutschland.

Anke Uhrlandt vom "Art Loss Register", der weltweit größten Datenbank für gestohlene Kunst, sagte, es sei unklar, ob die Werke wieder auftauchen. Es komme darauf an, ob die Diebe "schnelles Geld machen wollen" und die Objekte zum Verkauf anbieten. Möglich sei aber auch, dass sie für Jahrzehnte in einem Safe verschwinden, weil die Täter hofften, dass es bis dahin keine Unterlagen mehr zu dem Diebstahl gebe.

Kunstdiebstahl nimmt zu

Im "Art Loss Register" sind nach den Worten Uhrlandts derzeit weltweit rund 210.000 gestohlene Kunstwerke registriert. Diese würden mit Objekten verglichen, die auf dem Kunstmarkt zum Verkauf stünden. 2000 Fälle hätten bereits aufgeklärt werden können. Die Kunsthistorikerin betonte, sie hoffe auch, die aus der Fasanengalerie gestohlenen "hochrangigen Werke" zu finden. Zwei erste Verdachtsfälle hätten sich aber nicht zweifelsfrei bestätigt.

Nach Einschätzung von Fachleuten haben es Kriminelle deutschlandweit immer häufiger auf Gemälde, Skulpturen und andere Kunstgegenstände abgesehen. Die polizeiliche Kriminalitätsstatistik des Bundesinnenministeriums weist für das vergangene Jahr 1289 Diebstähle von Antiquitäten, Kunst und sakralen Gegenständen auf. Fünf weniger als 2007. Die Berliner Polizei registrierte im gleichen Zeitraum eine Abnahme um 29 auf 114 Fälle. Experten gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Fälle nicht angezeigt würden.

Galierieinhaberin Erben sagte, sie habe aus dem Schaden gelernt und "nachgerüstet". Mittlerweile gebe es "keinen Quadratzentimeter, der nicht elektronisch gesichert ist". (ho/ddp)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben