Fashion Week : Berlin freut sich auf die Modewoche

Zehntausende Modeexperten zieht es in dieser Woche zur "Bread & Butter" nach Tempelhof. Und die Veranstalter der "Fashion Week" am Bebelplatz planen schon die nächste Modewoche.

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Und es war Sommer: Am Sonntag hat die Wäschemesse "5 Elements" begonnen.Weitere Bilder anzeigen
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19.01.2011 09:51Und es war Sommer: Am Sonntag hat die Wäschemesse "5 Elements" begonnen.

Es ist noch nicht lange her, da hörten Berlinbesucher auf die Frage nach der Berliner Modewoche nicht selten die Antwort „Fashion – was?“ Mittlerweile ist das zweimal jährlich stattfindende viertägige Event aus Modeschauen und Messen vielen Berlinern ein Begriff.

Und wenn die Fashion Week am Mittwoch zum achten Mal beginnt, freuen sich nicht nur Etablierte wie Hugo Boss und Nachwuchsdesigner wie der Berliner Dawid Tomaszewski über die wachsende Resonanz, sondern auch Betreiber von Hotels und Restaurants sowie die Taxifahrer. Rund 200 000 Besucher aus dem In- und Ausland kamen nach Angaben der Senatsverwaltung für Wirtschaft zur letzten Fashion Week im Juli 2010 nach Berlin, nach einer Studie der Investitionsbank Berlin brachten sie 70 bis 90 Millionen Euro in die Stadt. Für diese Saison geht die Senatsverwaltung von einer weiteren Steigerung aus. „Für uns ist die Fashion Week wie Ostern und Weihnachten an einem Tag“, sagt Detlef Platte vom Vorstand des Taxi-Verbands Berlin-Brandenburg. Die Besucher brauchen Taxen zum Bebelplatz, wo in dem 3000 Quadratmeter großen weißen Zelt mit dem 24 Meter langen Laufsteg die Modeschauen der „Mercedes-Benz Fashion Week“ stattfinden. Oder sie möchten einen der vielen Showrooms oder die Fachmessen „Premium“ am Gleisdreieck in Kreuzberg und die „Bread & Butter” im ehemaligen Flughafen Tempelhof besuchen.

Dort koordiniert Taxiunternehmer Platte zur Fashion Week seit drei Jahren die Fahrten seiner Kollegen – zumindest versucht er es. „Wir haben viel zu wenig Wagen, um alle Besucher transportieren zu können“, sagt er. So viele von den rund 7000 Taxen seien dann dort unterwegs, dass es andernorts in der Stadt zu wenig gebe. Außerdem würden etliche Besucher vor dem Flughafengebäude vergeblich auf ein Taxi warten, da andere die Wagen zu Fuß abfangen. 200 000 Besucher bedeuten auch etwa so viele zusätzliche Hotelübernachtungen, viele davon in teuren Hotels. „Nahezu alle Vier- und Fünf-Sterne-Häuser waren letztes Mal ausgebucht, in dieser Woche wird es ähnlich sein“, sagt Thomas Lengfelder, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Berlin. Auch für viele Gastronomiebetriebe könne man von entsprechend hohen Umsatzzahlen ausgehen.

Nicht weniger zufrieden sind die Veranstalter. „Inzwischen gibt es so viele Events, dass eine Erweiterung auf sieben Tage sinnvoll wäre“, sagt Karl-Heinz Müller, Gründer und Chef der „Bread & Butter“. 2007 zog er mit der Messe zwischenzeitig nach Barcelona und ist froh, seit der Rückkehr 2009 langfristig den Standort Tempelhof nutzen zu können. Rund 90 000 Eintrittskarten hat der 53-Jährige in den letzten Monaten an ein ausgesuchtes Fachpublikum verschickt, das auf dem ehemaligen Flughafengelände über 600 vor allem internationale Aussteller von Street- und Urbanwear besuchen kann.

Die erste Fashion Week fiel 2007 noch um etliche Nummern kleiner aus. Heute werden im Zelt auf dem Bebelplatz über 40 Shows gezeigt, bei der Premiere am Brandenburger Tor im Juli 2007 waren es noch zehn. „Wir wollten eine Plattform vor allem für nationale und zu einem kleineren Teil auch für internationale Designer, Einkäufer und Journalisten schaffen“, sagt Daniel Aubke vom Veranstalter IMG Fashion Europe. Dieses Ziel habe man erreicht: Die Veranstaltung lasse sich an internationalen Standards messen, es würden viele Journalisten aus dem Ausland kommen, und mehrere der hier entdeckten und geförderten Jungdesigner wie das Berliner Label Kaviar Gauche seien heute international erfolgreich.

Es wäre also alles in Butter, wenn da nicht die Frage nach dem Standort der Modeschauen wäre. Zum letzten Mal sollen sie auf dem Bebelplatz stattfinden, denn wegen des dortigen Denkmals zur Bücherverbrennung von 1933 gab es Proteste. Ein neuer Austragungsort ab Juli steht aber immer noch nicht verbindlich fest. Im Gespräch zwischen der Senatsverwaltung, dem Bezirk Mitte und dem Veranstalter IMG sind unter anderem die Straße des 17. Juni und der Schlossplatz gegenüber vom Dom.

Am Mittwoch liegt dem Tagesspiegel die zwölfseitige Beilage zur „Bread & Butter“ bei. Und am Freitag erscheint „Look“, unser Modemagazin.

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