Fashion Week in Berlin : Pharrell Williams will nachhaltige Mode

Pharrell Williams will Geld verdienen mit einem guten Zweck, also investiert er in bionisches Recycling. Auf der Fashion Week rührt er die Werbetrommel.

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Cool mit Öko. Pharrell Williams macht was gegen Plastikmüll. Aus Verpackungen wird Garn für Stoffe und Burton macht daraus Taschen.
Cool mit Öko. Pharrell Williams macht was gegen Plastikmüll. Aus Verpackungen wird Garn für Stoffe und Burton macht daraus...Foto: Reuters

Pharrell Williams sagt: „In so einer Hose stecken ziemlich genau sieben Plastikflaschen drin.“ Das fühle sich aber gar nicht danach an, sondern im Gegenteil weich. „Hier, du kannst es ausprobieren“, sagt er und zeigt auf ein Stück Stoff. Recht hat er.

Eine Menge Leute scharen sich an diesem Vormittag auf dem Gelände der Premium um den Star. Er wirkt müde, das ist der Jetlag. Pharrell Williams, 40, kam erst Montagnacht aus Los Angeles, da stand er mit Justin Timberlake auf der Bühne. Die Sonnenbrille behält er heute lieber erstmal an.

Die allermeisten Deutschen kennen Pharrell Williams, als Musiker – selbst, wenn sie es gar nicht wissen. Etwas zugespitzt könnte man behaupten: Jeder Mensch mit halbwegs funktionsfähigem Radio hört Williams’ Stimme gerade mindestens ein Mal pro Tag. Daft Punks Sommerhymne „Get Lucky“, Platz eins in 25 Ländern, hat er produziert. Und die hohe Gesangsstimme, das ist seine.

Heute ist Williams nicht zum Singen gekommen. Er ist Investor einer kleinen New Yorker Firma, die aus Plastikmüll Garn herstellt, das als Polyesterersatz in Jacken, Hosen und Taschen verarbeitet wird. Bedeutet im Idealfall: weniger Rohstoffverbrauch, weniger Müll und mehr Geld für Pharrell Williams, denn der Popstar sagt: Es ist ein verdammt gutes Gefühl, Geschäfte zu machen, wenn es gleichzeitig um einen guten Zweck geht. Da macht das Verdienen gleich noch mehr Spaß als sonst.

Auf der Premium spielt der Popstar Zugpferd für eine Konferenz, die im Hof des Messeareals in einem weißen, kuppelförmigen Zelt stattfindet. Hier soll drei Tage lang über Plastikmüll gesprochen werden und wie er speziell die Weltmeere verschmutzt. Eine Studie sagt, dass jeder Mensch im Durchschnitt täglich acht Plastikbehälter benutzt, die anschließend weggeworfen werden. Macht 56 Milliarden Stück weltweit. Pro Tag.

Die Idee zur Konferenz kam dem Berliner Netzwerker Cyrill Gutsch vor einem Jahr auf der Fashion Week. Ihm fiel auf, dass er noch nie in seinem Leben etwas für den Umweltschutz getan habe, immer bloß fürs Geld.

Pharrell Williams fühlt sich kein bisschen fremd auf der Premium. Er designt seit Jahren, 2005 wurde er zum bestgekleidetsten Mann der Welt gewählt. Man kann vermuten, dass die Juroren ihn damals nicht mit der gänseblümchenbedruckten Camouflage-Kappe gesehen haben, die er heute anhat. Trägt er eigentlich gerade Klamotten aus seinem bionischen Garn? Heute nicht, sagt er, aber sonst schon.

Die Konferenzplaner konnten noch weitere Beherzte gewinnen, zum Beispiel Filmemacher Fisher Stevens, der für seine Doku „The Cove“ über japanische Delfinschlachter den Oscar erhielt. Dazu Meeresforscher und Aktivisten; Starfotograf David LaChapelle soll per Skype zugeschaltet werden.

Der anwesende Meeresökologe ist begeistert, dass die Modemesse so eine prominente Plattform geschaffen hat und mit Pharrell Williams ein Weltstar gekommen ist. Denn dies sei ein Problem der Wissenschaftler und Engagierten: Sie redeten zwar viel, aber in ihrer kleinen Blase. Der Rest der Welt kriege nichts mit.

Pharrell Williams scheint es ernst zu meinen. Sein Mineralwasser will er keinesfalls aus einer Plastikflasche trinken, Pfandsystem hin oder her. Die Agentin muss ein Glas besorgen. Der Musiker sagt, er wolle nachhaltige Mode machen, die cool sei. Was man ja leider immer noch zu selten mit Nachhaltigkeit verbinde. „Ich habe noch nie Birkenstocksandalen getragen“, sagt er. Birkenstocks und er, das passe irgendwie nicht.

Ist es nicht unmöglich, als Popstar ein ökologisch anständiges Leben zu führen – bei all dem Herumgereise? Genau deshalb sei er ja zu der Garnfirma dazugestoßen, sagt er. Um etwas Gutes zu tun, um damit Umweltsünden auszugleichen. Eine „Balance schaffen“, nennt er das.

Ein Zuhörer merkt an, das spektakuläre Konferenzzelt enthalte jetzt aber auch ganz schön viele Plastikteile. Ja, das stimmt. Aber die werden ja weiterverwendet. Oder sonst recycelt. Im Kreislauf halten, darauf komme es an.

Die Panels der Konferenz werden im Internet unter www.parley.tv übertragen.

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