Fast geschenkt : Tauschgeschäft für die Errichtung der Bauakademie?

Ein unmoralisches Angebot – oder die Lösung für die Bauakademie? Die Baupläne am Schinkelplatz spalten die Stadt. Ein Pro und Contra.

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Altes Haus. So würde die Bauakademie nach ihrer Rekonstruktion von der Schlossbrücke aus gesehen da stehen.
Altes Haus. So würde die Bauakademie nach ihrer Rekonstruktion von der Schlossbrücke aus gesehen da stehen.Foto: promo

Besser geht’s nicht“, steht über dem Angebot. Und so ist es auch. Zentraler und exklusiver kann man in Berlin nicht wohnen als zwischen Friedrichwerderscher Kirche und dem künftigen Schloss. „Am Schinkelplatz“ heißt die edle Adresse. Die Ausschreibung des 5000 Quadratmeter großen Grundstückes läuft. Nach dem aktuellen Bodenrichtwert hat es einen Wert von rund 14 Millionen Euro. Geboten wird mit Sicherheit deutlich mehr.

Eine private Baugesellschaft aus 38 vermögenden Unternehmern und Freiberuflern möchte das Grundstück übernehmen und nach eigenen Plänen bebauen. Dazu gehören bekannte Namen wie die Architekten Jan Kleihues und Bernd Albers. Viele von ihnen wollen später selbst dort wohnen. Als Gegenleistung bieten sie an, die Bauakademie nebenan, für die sich bislang kein geeigneter Investor fand, zu rekonstruieren und größtenteils für eine öffentliche Nutzung zur Verfügung zu stellen. 15 Millionen Euro soll das kosten. Der Verein „Internationale Bauakademie“, der sich seit langem für den Schinkel-Bau einsetzt, unterstützt das Vorhaben.

Die Reaktionen aus der Politik sind verhalten. Die CDU empfiehlt dem Senat, das Angebot abzulehnen und selber Ideen zu entwickeln, wie der Aufbau der Akademie Investoren schmackhaft gemacht werden kann. „Es sollte eine modifizierte Ausschreibung geben, für alle mit gleichen Bedingungen“, sagt der parlamentarische Geschäftsführer Uwe Goetze. Franziska Eichstädt-Bohlig (Grüne) möchte „erst mal ein langfristiges Nutzungskonzept“ für die Bauakademie sehen. Und Thomas Flierl (Linke) findet die Kopplung zwischen privatem und öffentlichem Bauvorhaben im Zentrum „fragwürdig“.

Ein Geschenk an die Stadt so deutlich mit Privatinteressen zu verknüpfen, löst bei vielen Beobachtern ein ungutes Gefühl aus. Eine Stadt darf sich nicht kaufen lassen, auch wenn sie arm ist und händeringend nach Mäzenen sucht. Ob ein Sponsor auch eigennützige Ziele verfolgen darf, ist moralisch zu beantworten. Der Wunsch des gescheiterten Akademie-Mäzens Hans Wall, in dem Gebäude eine private Wohnung einzurichten, sorgte für eine kontroverse Debatte im Abgeordnetenhaus. Verwaltungsrechtler Ulrich Battis kennt das Problem. „Die Grenzziehung kann problematisch sein.“ Dennoch seien Kopplungsgeschäfte zwischen Investor und Kommune rechtlich zulässig. „Es kommt sehr darauf an, dass es angemessen ist.“ Darüber entscheiden müsse letztlich die Politik.

Erschwerend wirkt, dass die private Baugesellschaft mit Land und Bund verhandeln muss. Die Bauflächen am Schinkelplatz gehören überwiegend dem Bund, der Wiederaufbau der Schinkel-Akademie ist dagegen Landessache. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hat schon mal entschieden, das Angebot der Privatiers ad acta zu legen. „Das Gebot ist finanziell uninteressant“, sagt Bima-Verkaufschef Stephan Regeler. Andere Angebote – „wir haben mehrere hundert bekommen“ liegen offenbar weit darüber. Verkauft wird nach Höchstgebot, sofern der Käufer eine solide Finanzierung vorlegen kann.

Die Bima ist für die Bauakademie nicht zuständig, also kalkuliert sie auch nicht mit dem Angebot, sie wiederaufzubauen. Der Senat müsste die Baugesellschaft politisch unterstützen, damit sie eine Chance hat. Danach sieht es zurzeit nicht aus. Das frühe Bekanntmachen der Pläne wird in Senatskreisen eher als Affront gewertet. Zudem müsste der gültige Bebauungsplan geändert werden. Bislang sind auf dem Areal sogenannte Townhäuser vorgesehen. Die Architekten der Baugesellschaft wollen dagegen Geschosswohnungen errichten. „Wohnen in der Ebene, nicht vertikal von oben nach unten“, sagt der Sprecher der Gruppe, Detlev Stoecker. Das entspreche einer alternden Gesellschaft, aber auch der historischen Bebauung. Vor dem Krieg gab es hier klassische Gründerzeithäuser.Thomas Loy

Die Pläne der Baugesellschaft im Internet: www.am-schinkelplatz.de www.liegenschaftsfonds.de

PRO

Das kennt man ja: Wenn Berlin aufwendig baut oder prächtig restauriert, laufen regelmäßig die Kosten davon. Jedes Mal tut man dann überrascht, weil die Sache „völlig unvorhergesehen“ viel teurer wird. Darin liegt schon mal der erste positive Aspekt bei dem Angebot von 38 vermögenden Privatleuten, Schinkels Bauakademie auf eigene Kosten wieder zu errichten: Wenn es teurer wird, trifft es nicht den Etat der Stadt. Da die Urheber des Vorschlags baulich vom Fach sind, kann zweitens davon ausgegangen werden, dass sie die Sache fachmännisch erledigen und dass sie wissen, worauf sie sich einlassen. Nun zur Gegenleistung: Da verlangen die Privatleute ein Sahnestück der Stadt, zwischen Linden und Außenamt an der Spree. Sie wollen es mit Wohnungen bebauen. Warum nicht? Zwei Fliegen mit einer Klappe – eine Lösung für die Bauakademie wäre gefunden, und das Filetgrundstück würde ohnehin bebaut, wenn nicht von diesen Leuten, dann von anderen. Nur dass die 38 eben der Öffentlichkeit eine Wohltat erwiesen hätten und andere Investoren nicht. Das ist doch eine glänzende Idee. So viel zum Ob. Nun das Wie: Allzu billig darf es für die 38 auch nicht werden, denn das Grundstück ist der Wertsteigerung geweiht. Das heißt für Berlin: andere Gebote prüfen, hart verhandeln – und notfalls mehr verlangen. Fatina Keilani

CONTRA

In Amerika, dem Mutterland des Kapitalismus, gibt es ein Sprichwort: „There’s no free meal.“ Es gibt nichts umsonst, könnte man das auch übersetzen: Dass nämlich ein kostenloses Essen der Köder ist, um Menschen in Casinos, Auto-, Möbelhäuser oder Ähnliches hineinzulocken, damit sie kaufen und Geld fürs Vergnügen ausgeben. Genau diesen Trick wenden auch die Berliner Architekten an: Sie versprechen, die Bauakademie kostenlos hinzustellen, fordern dafür aber als Gegengeschenk Filetgrundstücke satt, deren Bebauung und Vermarktung dicke Profite bescheren. Offenbar hat kaum einer Georg Simmels „Philosophie des Geldes“ gelesen. Denn Geld gegen Ware war der große Fortschritt unserer Kulturgeschichte. Grundstücke sind Waren. Und den wahren Wert dieser Grundstücke wird nur ein Wettbewerb ermitteln – mit Ausschreibung. Warum man nicht gemeinsame Sache mit diesen cleveren Privaten machen sollte? Ganz einfach: Weil bei „Public Private Partnerships“ am Ende fast immer der Staat draufzahlt, der Steuerbürger also. Das Spreedreieck-Projekt, das Mautsystem, die Cross-Boarder-Leasing-Geschäfte, die Fondsfinanzierungen der Kommunen – all dies wurde einmal als glänzende Entlastung der Haushalte verkauft. Am Ende aber war es ihr Ruin. Hey, warum nicht mal aus der Geschichte lernen? Ralf Schönball

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