Berlin : Fast jeder zweite Ost-Berliner wählte die PDS

Holger Wild

Im Ostteil Berlins hat die PDS mehr Wählerstimmen auf sich vereinigt als die übrigen vier größeren Parteien zusammen. Einer Hochrechnung zufolge hat im Osten nahezu jeder zweite Wähler für die PDS gestimmt. Mit 47,8 Prozent konnte sich die Partei hier um 8,3 Prozentpunkte gegenüber der Wahl von 1999 verbessern, als sie in den Ostbezirken 39,5 Prozent erreichte. In Gesamt-Berlin kam die PDS auf 22,6 Prozent - das sind 4,9 Prozentpunkte mehr als 1999, als sie 17,7 Prozent erzielte.

In West-Berlin konnte die PDS ebenfalls zulegen. Mit 6,9 Prozent der Zweitstimmen übersprang sie der Hochrechnung zufolge erstmals die kritische Fünf-Prozent-Hürde. In einem westdeutschen Bundesland war ihr dies bisher nie gelungen. Auch bei der letzten Abgeordnetenhauswahl erreichte sie im Westteil der Stadt durchschnittlich nur 4,2 Prozent. Einer Umfrage des ZDF zufolge erklärten 21 Prozent der Wähler im Westen, ihrer Meinung nach habe die PDS sich von ihrer Vergangenheit gelöst.

Das beste Ergebnis in den reinen Westbezirken gelang der PDS in Neukölln, wo sie nach der Hochrechnung des Landeswahlleiters auf 7,5 Prozent der Zweitstimmen kam, gegenüber 4,7 Prozent bei der letzten Wahl. Stark wurde sie auch in Charlottenburg-Wilmersdorf, wo die Partei 6,6 Prozent erreichte. Die wenigsten Wähler fand sie in Reinickendorf (5,0 Prozent) und Steglitz-Zehlendorf (5,2 Prozent).

Zum Thema Ergebnisse I: Stimmenanteile und Sitzverteilung im Abgeordnetenhaus
Ergebnisse II: Direktmandate im Abgeordnetenhaus
Ergebnisse III: Ergebnisse nach Regionen (Abgeordnetenhaus und BVV)
WahlStreet.de: Die Bilanz Im Ost-West-Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg erreichte die PDS 33,3 Prozent gegenüber 25,4 Prozent vor zwei Jahren. Im Kreuzberger Teil hatte sie damals mit 9,7 ihr bestes Ergebnis im Westen erzielt. In diesem Jahr erreichte sie in den drei Kreuzberger Wahlkreisen zwischen 15 und 19 Prozent. In Mitte konnte sie ihr Ergebnis von 16,7 auf 21,1 Prozent verbessern. In den West-Berliner Wahlkreisen dieses Bezirks (Tiergarten, Wedding) erzielte sie um zehn Prozent.

Sogar die absolute Mehrheit der Stimmen konnten die Sozialisten in Lichtenberg verbuchen. Dort entschieden sich 53,4 Prozent der Wahlberechtigten für Gregor Gysi und seine Partei - ein Plus von knapp zehn Prozent. Auch in Marzahn-Hellersdorf erreichte die PDS 52,7 Prozent der Zweitstimmen. In Pankow und Treptow-Köpenick waren ihre Werte dagegen um rund zehn Prozentpunkte niedriger: 43,4 beziehungsweise 43,9 Prozent.

Ausschlaggebend für das Wahlverhalten war Wahlforschern zufolge nicht zuletzt die Beliebtheit des Spitzenkandidaten Gregor Gysi. Einer Umfrage von Infratest/dimap für die ARD zufolge gab fast jeder zweite der PDS-Wähler, nämlich 49 Prozent von ihnen, an, die Partei vor allem seinetwegen gewählt zu haben.

Die PDS gewann auch alle Direktmandate in den bis Redaktionsschluss ausgezählten 31 von 32 Wahlkreisen der Ost-Bezirke und der östlichen Teile der Fusionbezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte. So schlug Gregor Gysi mit über 50 Prozent der Stimmen in Marzahn-Hellersdorf 2 den CDU-Kandidaten Mario Czaja. Auch der zweite bislang von der CDU gehaltene Wahlkreis im Osten - in Pankow - fiel an die PDS. Mit Mehrheiten von über 50 Prozent konnten sich auch die Fraktionschefs der PDS im Abgeordnetenhaus Carola Freundl und Harald Wolf in ihren Wahlkreisen Mitte 2 beziehungsweise Lichtenberg 2 durchsetzen.

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