• Fast perfektes Verbrechen: Bezirksamts-Mitarbeiterin soll 125.000 Mark veruntreut haben

Berlin : Fast perfektes Verbrechen: Bezirksamts-Mitarbeiterin soll 125.000 Mark veruntreut haben

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Eine Mitarbeiterin der Neuköllner Verwaltung hat offenbar 125 000 Mark öffentlicher Gelder in die eigene Tasche gelenkt. Zwischen März und November 1998 überwies die Frau, die im Fachbereich für wirtschaftliche Hilfen arbeitete, regelmäßig Gelder auf das Konto einer Bekannten. Über eine gefälschte Akte liefen die Zahlungen unbemerkt ab. Vor wenigen Wochen flogen die Machenschaften auf - weil sich die Bekannte dem Bezirksamt offenbarte.

Die Mitarbeiterin habe den Fall einer hilfeberechtigten Mutter mit vier Kindern erfunden und sich dadurch besonders viel Geld erschlichen, sagt Jugendstadtrat Lutz Reichert (CDU). Der Schwindel sei perfekt organisiert gewesen: "Ich habe die Akte mittlerweile durchgesehen, da war nichts Auffälliges drin." Mit viel Akribie habe sie sich das Leben einer kinderreichen Familie ausgedacht. Vom Zahlungsempfänger lag auch die Kopie des Personalausweises vor. "Und das ist für den Identitätsnachweis völlig ausreichend", sagt Reichert. Somit konnten die fingierten Hilfezahlungen der Prüfung durch andere Beschäftigten im Amt standhalten. Das Vier-Augen-Prinzip, wonach noch ein anderer Mitarbeiter mitzeichnen muss, sei eingehalten worden, so Reichert.

Reichert will sofort die Arbeitsabläufe ändern: In Zukunft sollen in seiner Behörde jeweils nach einem Jahr die Akten "rotieren". Sie werden nach dem Zufallsprinzip an einen anderen Beamten übergeben, so dass Betrug über einen längeren Zeitraum unmöglich wird. Auch der interne Kontrolldienst soll verstärkt werden, der in regelmäßigen Abständen die Akten genauestens prüft.

In dem Untreuefall ermittelt seit vier Wochen die Staatsanwaltschaft: "Wir haben Anzeige gegen die Mitarbeiterin erstattet", so Reichert. Sie selber konnte nicht persönlich befragt werden, da sie seit dem vorigem Jahr dauerhaft krank geschrieben ist. "Momentan glaube ich auch nicht, dass sie zurückkommt", sagt Reichert.

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