Berlin : Fast vier Jahre für Cannabis? Rentner brach Waffengesetz

Der Rentner hatte die illegale Plantage akribisch gepflegt, doch Gewinn machte er nicht. Die erste Cannabis-Ernte beschlagnahmten Polizisten. Dennoch muss der 74-jährige Mann ohne Vorstrafen für drei Jahre und zehn Monate in Haft. Das Urteil gegen Helmut B. erscheint im Vergleich zu anderen Verfahren um illegalen Anbau von Hanf außerordentlich hart. Sein Fall aber fällt durch ein Detail, das man in seinem Auto fand, in eine andere Kategorie: Im Wagen, mit dem B. Reste von Cannabispflanzen wegschaffen wollte, lag eine Teleskop-Stahlrute.

Es handelte sich um einen illegalen Gegenstand nach dem Waffengesetz. Der Umgang damit ist verboten und eine Straftat. Es drohen bis zu drei Jahre Haft. B. sagte im Prozess, er habe die Stahlrute schon vor sehr langer Zeit erworben. „Um mich schützen zu können, sie hatte aber nichts mit der Plantage zu tun“. Am Tag seiner Festnahme im Februar aber lag sie griffbereit in der Nähe der Drogen. Damit hätte sie auch zum Schutz der illegalen Fracht dienen können. Der Fall wurde so zum bewaffneten Handel mit Betäubungsmitteln.

Mindeststrafe wären eigentlich fünf Jahre Haft. Der 74-jährige Cannabis-Züchter, der im Keller seines Hauses in Lichterfelde eine Plantage aufgebaut hatte, kam demnach milde davon. Das Gericht ging von einem minder schweren Fall aus. Das Geständnis wurde berücksichtigt und die Untersuchungshaft. Angesichts seines hohen Alters sei B. besonders strafempfindlich. Gegen ihn aber sprachen die professionelle Plantage mit 89 Pflanzen, die knapp zwei Kilo „Ernte“ und „die Waffe, die er mitführte, als er Reste entsorgen wollte“. K.G.

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