Berlin : Fatale Unglücksserie bei der Straßenbahn

Erst wurde eine 20-Jährige verletzt, dann ein 16-Jähriger getötet

Jörn Hasselmann

Zwei schwere Unfälle innerhalb weniger Stunden haben sich am Freitag im Osten der Stadt ereignet. In beiden Fällen wurden junge Menschen von einer Trambahn überrollt. Ein 16-Jähriger stand mit seinem Freund an der Straßenbahnhaltestelle Möllendorffstraße / Storkower Straße in Lichtenberg und wartete auf den Zug Richtung Herzbergstraße. Als ein Zug einfuhr, sahen beide unter den Fahrgästen zwei 14 und 13 Jahre alte Freundinnen sitzen. Der 16-Jährige klopfte mit der Hand gegen die Scheibe und sprang am Wagen hoch, um hineinzusehen. In diesem Moment, es war 21.10 Uhr am Freitagabend, fuhr der Zug der Linie 23 an. Der Jugendliche verlor den Halt, stolperte und fiel zwischen die beiden Waggons. Der 36-jährige Zugführer stoppte, doch da war es zu spät. Die Kreuzung war für mehr als zwei Stunden für den Verkehr gesperrt.

Nur wenige Stunden zuvor hatte es schon einen schweren Unfall mit einer Straßenbahn gegeben. Eine 20-Jährige hatte an der Haltestelle Am Friedrichshain / Greifswalder Straße außerhalb des vorgeschriebenen Überwegs die Gleise überquert, um auf den gegenüberliegenden Bahnsteig zu kommen. Dabei übersah sie den nahenden Zug der Linie 3 stadteinwärts. Trotz sofortiger Vollbremsung wurde die Frau frontal erfasst und unter dem Zug etwa zehn Meter mitgeschleift. Die Frau erlitt schwerste Verletzungen, war nach Angaben der Polizei am Sonnabend jedoch nicht mehr in Lebensgefahr. Die Unfallstelle war für eine Stunde gesperrt.

In diesem Jahr hat es mindestens drei tödliche Unfälle mit Straßenbahnen gegeben, am 14. Januar war ein 45-jähriger Mann im Wedding erfasst worden, am 26. Juni ein 20-jähriger Radfahrer an der Greifswalder Straße. An weniger als fünf Prozent der Unfälle haben die Fahrer Schuld, heißt es bei der BVG. So starben im Vorjahr zwei Kinder in Marzahn in einem Auto, weil deren Mutter die rote Ampel missachtete und von einem Zug erfasst wurde. 2002 wurden nach Zählung des Tagesspiegels sieben Menschen in Berlin bei Unfällen mit Straßenbahnen getötet.

Die offiziellen Zahlen liegen niedriger. In die Unfallstatistik werden Opfer nur aufgenommen, wenn der Unfall auf „öffentlichem Straßenland“ passierte. Hat die Straßenbahn ein eigenes, abgetrenntes Gleisbett, geht ein Unfall in die Statistik „Schienenunfälle“ ein.

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