Berlin : Fataler Kopfsprung

16-Jähriger brach sich Halswirbel im Columbiabad. Es ist der sechste derartige Unfall in zwei Wochen

Ingo Bach

Die Serie reißt nicht ab: Am gestrigen Mittwoch musste im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn wieder ein Junge nach einem schweren Badeunfall behandelt werden - der sechste Fall innerhalb von zwei Wochen. Der 16-jährige Berliner war gegen Mittag im Neuköllner Sommerbad am Columbiadamm mit dem Kopf voran vom Drei-Meter-Turm gesprungen. Dabei knallte er auf die Schulter eines Schwimmers, der sich unter dem Turm aufhielt. „Durch den Aufprall wurde der fünfte Halswirbel des Jungen zertrümmert“, sagt Andreas Niedeggen, Chefarzt des Behandlungszentrums für Rückenmarkverletzte im UKB. Auch dieser Patienten droht nun, ein Leben lang querschnittsgelähmt zu bleiben. Er wurde noch am selben Tag operiert und auf die Intensivstation der Klinik verlegt.

Zuvor war der Junge ins Kreuzberger Vivantes-Klinikum am Urban gebracht worden. „Nach einer sofortigen Untersuchung mit dem Computertomographen entschieden die Ärzte, den Patienten ans UKB zu verlegen“, sagte Vivantes-Sprecherin Fina Geschonneck. Das Marzahner Krankenhaus ist auf die Behandlung von Rückenmarkverletzten spezialisiert.

Dem Personal des Bades könne man keine Vorwürfe machen, sagt Klaus Lipinsky, Chef der Berliner Bäderbetriebe. „Wenn der Sprungturm freigegeben wird, dann muss dafür extra eine Aufsicht abgestellt sein – und das war auch hier der Fall.“ Der Bademeister gebe dann jeden Sprung mit Handzeichen frei, sobald sich kein Schwimmer mehr unter dem Turm befindet. Bei dem Unglück am Dienstag sei der erste Springer an diesem Tag korrekt nach der Freigabe in das 3,80 Meter tiefe Becken gesprungen und tief abgetaucht. Ihm sei sofort der 16-jährige Badegast gefolgt, ohne die Freigabe abzuwarten. „Jeder Springer muss sich auch selbst vergewissern, dass unter ihm alles frei ist“, sagt Lipinsky.

Nach dem Unfall habe die Feuerwehr den Verletzten abtransportiert. Nun müsse man die Ermittlungen abwarten, sagt der Bäderchef. Der letzte derartige Unfall in einem Bad der Berliner Bäderbetriebe liege vier Jahre zurück.

Dieser schwere Zwischenfall ist der sechste seiner Art in diesem Jahr, den die Ärzte im UKB behandeln. Wie gestern berichtet, beobachten die Mediziner derzeit eine ungewöhnliche Häufung von Querschnittslähmungen, weil Badegäste unvorsichtigerweise kopfüber in zu flaches Wasser springen und sich dabei einen Halswirbel zertrümmern. In den vergangenen zwei Wochen traf es damit sechs Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren.

Frank Villmow von dem Berliner Landesverband der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) rät, nicht kopfüber in unbekannte Gewässer zu springen. „Wer sich an diese Regel hält, dem kann auch nichts passieren.“

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