Berlin : FDP-Mann Mleczkowski fühlt sich verfolgt

Der streitbare Liberale unterstellt Parteifreunden, sie wollten ihn mit allen Mitteln entmachten

Werner van Bebber

Ein paar Monate lang war es ruhig um den FDP-Abgeordneten Wolfgang Mleczkowski. Doch nun macht der Vorsitzende des Bezirksverbandes Spandau wieder von sich reden. Parteifreunde wundern sich über das, was er sagt.

Genau einen Tag vor einer Sitzung des Spandauer Parteivorstandes informierte der Mann, der die Liberalen seit vielen Jahren politisch führt, die Öffentlichkeit von einem „Einbruchsversuch“ in seiner Charlottenburger Wohnung. Laut Mleczkowski wollte ein Unbekannter in seine Wohnung eindringen. Sein Sekretär, so der Abgeordnete, habe das vereitelt und die Polizei gerufen. Die habe den Mann abgeführt. Die Polizei sagte zu seinem Vorwurf, ein Hausfriedensbruch sei angezeigt worden, eine Festnahme habe es nicht gegeben. Mleczkowski schreibt, mit Sicherheit gebe es „Hintermänner“: „Welche es sind und ob sie gar aus der eigenen Partei stammen, ist nun Ermittlungsaufgabe der Partei.“

Damit spielt der FDP-Politiker auf den Streit mit dem Landesvorstand an, der gegen ein Parteiordnungsverfahren gegen Mleczkowski angestrengt hat. Anlass waren Unregelmäßigkeiten in den Büchern des Spandauer Bezirksverbandes. Es ging zuletzt um Summen in Höhe von einigen hundert Euro. Doch hatte Mleczkowski die Vorwürfe gegen seine Amtsführung im Lauf des Sommers nicht wirklich ausräumen können, obwohl Landeschef Markus Löning ihm dafür viel Zeit ließ. Dass nun ein Parteigericht über Mleczkowskis Amtsgebaren urteilen muss, hat mehrere Gründe: Offenbar war der macht- und selbstbewusste Liberale davon ausgegangen, dass kleinere Unkorrektheiten bei der Buchführung beizeiten geregelt werden können. Wichtiger nahm er verständlicherweise eine Operation an der Universitätsklinik Leipzig.

Mleczkowski hat kein Geheimnis aus seiner schweren Parkinson-Erkrankung gemacht. Die hat ihn viele Monate daran gehindert, in der Fraktion im Abgeordnetenhaus und in der Spandauer Partei präsent zu sein. Auf die Behandlung in Leipzig setzte er die große Hoffnung, dass sie die Symptome der Krankheit lindern werde.

Im Herbst wollte er stärker politisch arbeiten. Erfüllt habe sich diese Hoffnungen nicht; Mleczkowski ist kaum im Abgeordnetenhaus, zum Parteitag kam er nicht. Das Parteigerichtsverfahren läuft – auch Löning konnte irgendwann nicht länger warten. Weder Löning noch Fraktionschef Martin Lindner wollten Mleczkowskis Behauptung von den „Hintermännern“ des Einbruchsversuchs kommentieren. Im Gespräch milderte der Spandauer Politiker den Vorwurf ab: „Man kann nichts ausschließen.“

Wohl wahr: Am Montagabend wollte der Spandauer Bezirksvorstand zur Aussprache zusammenkommen. Mlecz- kowski, hieß es, werde „dringend“ erwartet.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben