Berlin : FDP schrumpft, CDU verliert, Grüne gewinnen

In der Mitgliederentwicklung der Berliner Parteien spiegelt sich der Bundestrend wider.

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Auch in Berlin laufen der FDP die Mitglieder davon. Die alarmierende Entwicklung in der Bundespartei geht an den Liberalen in der Hauptstadt nicht vorbei. „Die hauptsächliche Begründung für die Austritte ist die Bundespolitik und die Unzufriedenheit mit der Führungsspitze“, sagte die FDP-Landesgeschäftsführerin Sibylle Meister. Die FDP habe in Berlin mit aktuell 3080 Mitgliedern zwar noch nicht die absolute Schmerzgrenze von 3000 erreicht. Doch Meister kann nicht ausschließen, dass sich der Abwärtstrend fortsetzt. „Verhältnismäßig treu“ seien die langjährigen Mitglieder.

Es war ein glückloses Jahr für die FDP. Nach der Ablösung von Guido Westerwelle im Mai folgte Philipp Rösler als Parteichef, konnte aber keine eigenen Akzente setzen. Kurz vor Weihnachten kam ihm noch der Generalsekretär Christian Lindner abhanden, in diesem Jahr flog die FDP aus fünf Landtagen raus. Bei der Abgeordnetenhauswahl am 18. September kam die Berliner FDP nur noch auf 1,8 Prozent. Jetzt hoffen die Liberalen auf neuen Schwung nach ihrem traditionellen Dreikönigstreffen am 6. Januar in Stuttgart.

Frohlocken können dagegen die Grünen. Deren Mitgliederzahlen weisen kontinuierlich nach oben. Im Berliner Wahlkampf konnte die Partei noch einmal kräftig zulegen und hat aktuell 5334 Mitglieder. Auch nach dem Scheitern der rot-grünen Sondierungsgespräche und dem Streit in der Fraktion sei es nicht zu „nennenswerten Parteiaustritten“ gekommen, sagte Landesgeschäftsführerin Catherina Pieroth. Möglicherweise hat der Rücktritt von Volker Ratzmann als Fraktionschef die mit dem Kurs der Partei unzufriedenen Mitglieder wieder beruhigt. Auf einem Parteitag will der Landesverband am 21. Januar über den künftigen Kurs der Grünen debattieren.

Ebenfalls Zuwächse verzeichneten die Piraten: Nach Angaben eines Parteisprechers stiegen die Mitgliederzahlen wie berichtet in Berlin von 850 im August auf rund 1800 zum Jahresende. Bundesweit stieg die Zahl von 12 000 auf 17 000.

Einen „leichten Rückgang“ verzeichnete hingegen die Linke 2011 in Berlin, bestätigte Landesgeschäftsführer Carsten Schatz. In der Regel seien es altersbedingte Austritte. Im Klartext: Der Partei sterben jedes Jahr viele Mitglieder weg. Vor allem die Hochburgen Lichtenberg und Pankow haben darunter gelitten. Die Linke zählt in Berlin noch 8500 Mitglieder – von über 50 000 direkt nach der Wende. Wenn man sich die regionalen Mitgliederzahlen ansieht, ist sie eine Ost-Partei geblieben. Umgekehrt haben CDU, FDP und SPD ihre größten Bezirksverbände immer noch im alten Westen, auch wenn alle drei Parteien in Mitte und Pankow einigermaßen Fuß fassen konnten. Die Grünen wiederum versammeln fast die Hälfte ihrer Mitglieder in den Innenstadtbereichen: Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow und Mitte.

Die ehemals mit Abstand stärkste Partei in West-Berlin, die SPD, musste nach dem Mauerfall kräftig Federn lassen. Bis zur Bundestagswahl 2009 folgte der hauptstädtische Landesverband dem abwärts weisenden Bundestrend der Sozialdemokraten, die nicht weniger überaltert sind als Linke und Christdemokraten. Aber seitdem ist die Mitgliederentwicklung wieder positiv, wenn auch mit bescheidenen Wachstumsraten. Zurzeit hat die SPD rund 16 800 Mitglieder. Allerdings gibt es Probleme in den ehemals klassischen Arbeiterbezirken: In Neukölln und Spandau ist es für die SPD schwer geworden, politischen Nachwuchs zu rekrutieren.

Mit der anderen Volkspartei CDU ging es nach 1990 auch bergab. Nach dem Verlust der Regierungsmacht 2001 im Zuge des Parteispenden- und Bankenskandals und einer Bereinigung der internen Kartei brach die Mitgliederentwicklung regelrecht ein. Einen zweiten, kleineren Rückschlag gab es nach der ebenfalls verlorenen Abgeordnetenhauswahl 2006. Seitdem stagnieren die Zahlen und fielen in diesem Jahr leicht auf 12 400 zurück.

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