Berlin : FDP schwankt zwischen 2 und 5 Prozent

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Tief enttäuscht haben die Berliner Liberalen die Wahlschlappe am Sonntag zur Kenntnis genommen. Für Brandenburg habe man ja nicht gewagt, den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde zu erhoffen, "aber das Saarland. . .", sagt Landeschef Rolf-Peter Lange. Trotzdem schaue die FDP "vorsichtig optimistisch" auf die Abgeordnetenhauswahl am 10. Oktober. Am politischen Kurs und den Wahlkampf-Schwerpunkten Wirtschaft, Verkehr und Bildung hält der Landesverband fest.

Man wolle sich als "staatsferne Partei" profilieren, erläutert Parlamentskandidat Bernd Kämpfer, ein junger Aktivposten der hiesigen FDP. Am Bundesvorsitzenden Wolfgang Gerhardt wird auch in Berlin nicht öffentlich gerüttelt. "Wir sind doch keine Selbstmörder", sagt Lange. Die Wähler sollen sich angesichts der Alternativen - Große Koalition bzw. Rot-Grün plus PDS - für die Freien Demokraten entscheiden. "Ob wir es schaffen, weiß ich nicht, aber wir kämpfen".

Weitere vier Jahre außerhalb des Parlaments wären nicht nur für den Landesverband eine schwere Prüfung. Ein Berliner Parlament ohne FDP-Fraktion wäre auch für die Bundespartei ein empfindlicher Prestigeverlust. In den Meinungsumfragen schwankt die FDP zwischen 2 und 5 Prozent. Die Liberalen sehen in jedem Fall gute Chancen, in acht bis zehn Bezirks-Rathäuser einzuziehen, denn für die Kommunalwahl gilt nur noch eine Drei-Prozent-Klausel. Das hebt die Wahlkampf-Motivation.

Fünf verschiedene Großplakate werden geklebt und fünf Wortplakate, auf denen zum Beispiel steht: "Vollbeschäftigung für Registrierkassen - Weg mit dem Ladenschluss". Oder: "Stau ist teuer - Für eine bewegte Metropole". Spiele-Teams - junge Leute mit Rollerskates - fahren durch die Stadt, werfen den Leuten blau-gelbe Bälle zu und verteilen Flugblätter. Am 26. September soll mit Hilfe des Alt-Liberalen Hans-Dietrich Genscher im Tränenpalast demonstriert werden, dass die Berliner FDP eine "Partei mit Ost-Verwurzelung" ist, wie Landessprecher Jörg Henschel es formuliert. Ehemalige LDPD- und NDPD-Mitglieder sind geladen.

Seit 1995 müssen die Freien Demokraten mit dem Umstand kämpfen, öffentlich kaum wahrgenommen zu werden. Die CDU ignoriert die Liberalen demonstrativ, Fraktionschef Klaus Landowsky fordert dazu auf, nicht FDP zu wählen. Dahinter stecke die Angst, kontert Lange, "sonst nicht das gesamte bürgerliche Lager gewinnen zu können." Die CDU werde sich aber, ohne bürgerlichen Partner, auf Dauer zu Tode siegen.

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