Berlin : FDP versucht’s mit Kleister und Humor

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Nass gemacht. FDP-Chef Christoph Meyer klebt – im  Regen stehend und umtost von Autokarawanen am Ernst-Reuter-Platz – die ersten Plakate. Foto: dpa/Gambarini
Nass gemacht. FDP-Chef Christoph Meyer klebt – im  Regen stehend und umtost von Autokarawanen am Ernst-Reuter-Platz – die ersten...Foto: dpa

Der Spitzenkandidat steht mitten im Regen. Als Christoph Meyer die durchnässte Plane von dem Großflächenplakat herunterzieht, versucht er mit einem Kleisterbesen in der Hand lächelnd zu posieren. Mitten auf dem Ernst-Reuter-Platz präsentiert die Berliner FDP das erste liberale Großflächenplakat im Wahlkampf. „Ist die FDP eine Arbeiterpartei oder die Partei der Besserverdiener? Wir möchten, dass man mit Arbeit besser verdient als ohne“, steht darauf. 450 Großflächenplakate und 15 000 für Laternen wollen die Liberalen aufstellen, ankleben oder anhängen. Der zentrale Wahlkampfslogan heißt: „Die neue Wahlfreiheit“.

Die Plakate zeigen fünf Motive: Wirtschaft, Arbeit, Bildung, Verkehr und das Konterfei des Spitzenkandidaten. Darüber hinaus wollen die Liberalen mit einem gewissen Wortwitz Alternativen aufzeigen. Auf dem Bildungsplakat steht zum Beispiel: „Wird sich die FDP für Gymnasien oder die Einheitsschule einsetzen?“, lautet die Frage. „Wir würden auch beim Fußball die Idee einer Einheitsliga doof finden“, heißt die Antwort.

Auch Meyer ist im Wahlkampf selbstironisch. Auf einem Plakat sind der Kandidat und seine Geheimratsecken zu sehen, garniert mit dem Spruch: „Wenn er damit fertig ist, hat er gar keine Haare mehr: Christoph Meyer gegen 63 Milliarden Haushaltsschulden.“ Die FDP hat für ihren Wahlkampf neben Spenden ein Budget von rund 350 000 Euro eingeplant.

An diesem Wochenende ist in Berlin die Plakatwerbung zur Abgeordnetenhauswahl am 18. September gestartet. Die fünf im Parlament vertretenen Parteien haben fast 3000 Werbetafeln und mehr als 160 000 Plakate bestellt. Die Großplakate namens „Wesselmänner“, so der Name der Vermieter, werden sieben Wochen vor der Wahl im Stadtbild nicht zu übersehen sein. Die SPD lässt 800 Großplakate aufstellen, die CDU 900, die Grünen haben 600 und die Linke 150 Großflächen gebucht. Mit Flyern, Wahlkampfprogrammen und -geschenken werden die Parteien in den nächsten sieben Wochen an ihren Wahlkampfständen um die Gunst der Wähler buhlen. Sabine Beikler

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