Berlin : Federung? Egal!

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David Ensikat wundert sich über die Karosse des russischen Präsidenten

Das Schöne an den CitroënLimousinen ist ja die Sache mit der Federung. Butterweich ist die, denn sie ist hydraulisch. Ein Staatsoberhaupt, das sich nicht so doll für den Straßenbau interessiert, und dessen Staat folglich von äußerst holprigen Straßen durchzogen ist, sollte Citroën fahren. Erich Honecker fuhr Citroën.

Das Blöde an der Citroën-Federung ist nur dies: So lange der Motor nicht läuft, pumpen die Pumpen nicht, die Hydraulik ist schlapp, und das Auto liegt so tief über der Straße wie ein GTI aus Gelsenkirchen. Erich Honecker musste sich immer wahnsinnig krumm machen, wenn er einstieg, bevor sein Chauffeur das Auto gestartet hatte. Als Staatsoberhaupt ist so was sehr peinlich. Logisch, dass die sowjetischen Staatsoberhäupter zum Staatsbesuch immer ihre eigenen Autos mitbrachten. In denen gaben sie einen angeberischen Stehempfang nach dem anderen, und dann luden sie Erich Honecker auch noch zur Spritztour über die Straßen der Republik ein, ließen sich auf ihrer Normalfederung ordentlich durchschütteln und machten Aufschneiderwitze über den DDR-Straßenbau. Gemein war das, aber auch irgendwie verständlich. Wenn man schon großer Bruder ist…

Wladimir Putin ist zu Besuch in der Stadt, und, was soll man sagen: Er hat sein eigenes Auto mitgebracht. Ein Schiff namens „Sil“. Was soll denn das? Ist nicht genug geschehen in der Zwischenzeit? Herr Putin! Wir sind jetzt Westen hier, allesamt. Unseren Straßen sind aalglatt, unsere Staatskarossen ultrahoch. Unseren Johannes Rau können Sie ja gerne einladen in ihren Sil, aber die alten Witze funktionieren nicht mehr.

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